Entheogene - Zukunft gestalten

Marcin Lupa • 20 Dezember 2020

Entheogene – die Zukunft gestalten

 

Um zu überlegen, wie die Zukunft zu gestalten wäre, muss man in die Vergangenheit reisen. Daher ein kleiner Ausflug in meine persönliche Geschichte der Entheogene.

Als Entheogene bezeichnet man in natürlicher Form in Pflanzen und Lebewesen vorkommende Substanzen, die ein mutmaßlich göttliches Element in sich tragen. Nun ist das göttliche Erleben rein subjektiv. Was aber bei diesen Substanzen beobachtet werden kann, ist ein äußerst vielfältiges und heterogenes Wirkungsprofil auf den menschlichen Geist und damit verbunden auf die Wahrnehmung des Menschen.

Meine Auseinandersetzung mit diesem Thema begann recht früh. Mit Erreichen der Geschlechtsreife guckte ich als Gymnasiast den Film „the doors“ von Oliver Stone. Irgendetwas an diesem Film, vielleicht seine tranceartige Zusammenstellung der Szenenfolgen und seine explizite Themenwahl von psychedelischen Inhalten, mit einem Bezug zu Literatur, Poesie, schließlich Philosophie, stets unter dem Aspekt das eigene Bewußtsein zu erweitern, die Wahrnehmung zu steigern, verleitete mich dazu, die gängigen Wege meiner Entwicklung als Jugendlicher zu verlassen und die Pforten der Wahrnehmung (frei nach Aldous Huxley) weit aufzustoßen.

Geprägt war ich bereits durch die Auseinandersetzung mit Literatur und Film, mein Vater war Philologe und Cineast. Außerdem spielte in meiner Familie das Reisen eine große Rolle, da beide Eltern Touristiker waren.
Meine Einstiegsdroge, wenn man dieses Klischee überhaupt bedienen will, waren wie Sartre schön sagte, die Worte, später dann Sätze, Bilder, Metaphern, Geschichten, bis hin zum bewegten Bild. Später sollte ich ein audiovisuelles Studium bedienen und lernte den Kameramann für Fernsehen und Film.

Nun war meine Kindheit und Jugend keine einzig lineare Entwicklung mit warmherziger Erziehung, Bildung und dem Übergang zur Profession. Stattdessen belegte der Existenzkampf in einem kommunistischen Regime meine gesamte Kindheit, mit dem Schatten der Gefahr und der Angst vor dem Tod. Bezeichnend hierbei, dass Jim Morrison im oben erwähnten Film der Satz in den Mund gelegt wurde (vielmehr sprach ihn der Schauspieler Val Kilmer): „der Tod ist nichts beängstigendes, das Leben tut viel mehr weh.“ - dieser Satz prägte sich mir ein, vielmehr brannte er sich tief auf meine Festplatte und ließ mich niemals wieder los. Bis heute hallt er durch die Korridore meiner Gehirnbibliothek und schreitet unermüdlich durch sämtliche Windungen dieses Labyrinths der Weisheit.

Gut, ich gebe zu, mittlerweile kann ich mich nicht mehr richtig an ihn erinnern, weil schon einige Jahrzehnte verflogen sind seitdem und das Leben außerdem nicht nur schmerzt und nicht nur Krankheit ist, sondern auch ein sehr abwechslungsreiches Fest voller Freude, Glückseligkeit, langfristiger Genesung und harmonischer Abläufe, die trotz all der guten Absicht und freundlichen Gesinnung, auch durchwandert sind mit Leid. Dabei will ich es vorerst in dieser Reflexion belassen. Man macht halt so seine Erfahrungen im und mit dem Leben. Ein jeder tut das.

In dem vorgestellten Film geht es natürlich um die gleichnamige Band, wie sie in den frühen 60er Jahren in Los Angeles zueinanderfinden und wie die Rakete abhebt, um dann zwar auf dem Mond zu landen, dabei jedoch ihren Kommandanten abwirft und ihn im Ozean der Unschuld ertrinken läßt. Vielleicht war auch Morrison nicht der Kommandant, sondern Ray Manzarek, der eines Tages in einer Buchhandlung in Bad Aibling, wo ich gerne Bücher kaufe, neben mir am Flügel saß und light my fire spielte. Er starb kurz darauf in einer Rosenheimer Klinik an Bauchspeicheldrüsenkrebs, wie mein Vater einige Jahre zuvor und meine Mutter einige Jahre danach (es waren unterschiedliche Karzinome). Ray Manzarek besuchte diese Buchhandlung selber gerne, als er in Bad Aibling behandelt wurde. Was die Bauchspeicheldrüse angeht, sollen dort die besten Chancen für die Genesung weltweit sein. Und so trieb uns der Zufall an einem sonnigen Frühlingstag im Mai zueinander.

Die jungen doors nehmen unterschiedliche Drogen und zitieren diverse Künstler und Literaten dabei. Wer deutlich hervorsticht, ist der bereits erwähnte Aldous Huxley, der auch für die Namensgebung der doors verantwortlich zeichnet, schrieb er doch das vielfach gepriesene philosophische Werk „die Pforten der Wahrnehmung“. Es wurde zu dem Handbuch der psychedelischen Bewegung, die auch mich inspirierte. Ich las es natürlich sofort, vertiefte mich in seine Sätze und Einblicke und wollte unbedingt die Droge Meskalin ausprobieren, denn Huxley beschriebt darin die Wirkungsweise dieses Pharmakon. Ein anderer Literat der im Film herangezogen wird ist Charles Baudelaire, der im 19. Jahrhundert lebte und im Club de Hachichins (einem Pariser Lokal in dem Haschisch gegessen wurde) verkehrte. Von ihm las ich „die Blumen des Bösen“ und eine literarische Lobpreisung des Haschischgenuß, dem ich mich alsdann aussetzte. Anfangs sogar sehr erfolgreich, bis dann etwas einsetzte, was ich gar nicht großartig ausbauen will, da es den Rahmen für diesen kleinen Beitrag sprengen wird, und ich schlichtweg mit geistigem Verfall beschreiben will. Vielleicht war ich zu jung für diese Droge und den dauerhaften Gebrauch davon. Sei es drum.
Der nächste in einer im Film vorgestellten langen Reihe Zauberer des Wortes war Arthur Rimbaud und ich las seine gesammelten Werke, von denen ich mich nur an einen Titel erinnere „das trunkene Schiff“. Auch er liebte das Haschisch.

Irgendwann vergaß ich den Film wieder und rauchte auch kein Haschisch mehr, flog stattdessen nach New York City, lieh mit meiner damaligen Freundin das Winterfahrzeug ihrer dort ansässigen Tante und wir fuhren los. Unterwegs las ich Jack Kerouac auf Englisch und diverse andere Beatniks, wie Alan Ginsberg, Ken Kesey und William Seward Burroughs. Noch zu Hause in Deutschland las ich einschlägige Literatur von Timothy Leary über das LSD und die verschiedenen Psilocibin Pilze, die auch hierzulande in den bayrischen Alpen beheimatet sind. Und ich habe das alles ausprobiert, bin auf Trip gegangen und war wieder frei davon.

Meine Wahrnehmung änderte sich, mit ihr meine Persönlichkeit ebenso. Ich wurde also nicht nur reifer und älter, schließlich erwachsen, sondern es veränderte sich meine ganze Art zu denken, zu fühlen und auch mein Verhalten. Ich wurde ruhiger, dennoch emotionaler und ich wußte um die Augenblicke, die mir eine Welt zeigten, die allerhöchstens auf den Gemälden von Vincent van Gogh zu sehen ist, allerdings unverfälscht durch Leinwand, Pinselstrich, Ölfarbe und Terpentin. Stattdessen lebendig und empfindsam vor meinem eigenen Auge – das bewegte Wesen des Universums, gebrochen durch das Prisma der ästhetischen Erfahrung und dem Schauspiel der sommerlichen Natur.

Es führte mich allerdings weiterhin nicht zu Gott. Mit diesem Begriff konnte ich nie etwas anfangen, für mich war er eine Erfindung von mächtigen Priestern, die dieses Mem in den menschlichen Geist pflanzten, um die Menschen, die sie beherrschten zu instrumentalisieren und für ihre Zwecke auszubeuten. Nichts vornehmes hatte er, nichts schönes, und mit ihm jegliche Prozession von Religiosität. Davon nahm ich Abstand. Wohingegen ich mich hingewendet habe zum unmittelbaren Erlebnis der eigenen Vorstellungskraft und Perzeption der mich umgebenden Wirklichkeit. Ein Freigeist mit einem eben freien Geist.

Natürlich hielten die modernen Konventionen diesen Geist gefangen, allem voran die Gesetzeslage, deren Ächtung der Entheogene, sowie deren Ächtung durch die Gesellschaft. Abwertend schon alleine die Bezeichnung Acidhead.

Aber es ging noch tiefer, denn mein eigener Vater machte mein Leben und Erleben zur Hölle. Er hatte in Vielem Recht, trotzdem ging er zu weit. Klar ist, dass die schmutzige Wäsche nicht von selbst gebügelt in den Schrank wandert. Auch fliegen nicht die Lebensmittel von selbst auf den Speiseteller. Um die Prozesse, die dabei ablaufen auszublenden, reichen keine noch so starken Halluzinogene. Vielmehr schärfen diese gerade das Bewußtsein dafür. Doch wo mein Vater irrte, das ist das Feld, wo auch heute noch der Staat irrt. Man kann einem Menschen den Umgang mit Entheogenen nicht verbieten. Und keiner verbietet mir weiterhin den Spaziergang durch den Wald, wo ich neben den Speisepilzen auch ein paar Fliegenpilze mit nach Hause nehme, um sie erst zu trocknen, dann zu mörsern, danach einen Tee aus ihnen zubereitet, zu genießen. Diese Eigenverantwortung bleibt mir, sonst wird die Sache schnell totalitär.

Der Psychiater Thorsten Plassie schrieb dazu „Eine Brauchbarkeit zur Unterstützung von Psychotherapie besitzen Psychedelika wie LSD und Psilocybin durch ihre Eigenschaft, einen traumartigen Erlebnissfluss bei weitgehend klarem Bewusstsein und gutem Erinnerungsvermögen hervorzurufen.“ - klar, es ist eine geschärfte Wahrnehmung und ein Gefühl des Mitfließens mit dem Geschehen, mit dem pulsierenden und wabenden Ereignishorizont vor dem eigenen Auge. Emotional feinfühlig und sensibilisiert nähert man sich der eigenen Erfahrung und so wird das Entheogen zum Teil der eignen Biographie. Nicht alle machen diese Erfahrung, vielmehr die wenigsten. Dabei wählen sie verschiedene Rahmenbedingungen um sich der Wirkung dieser Substanzen auszusetzen.

William S. Burroughs schrieb in seinen Yage – Briefen, dass er ein Gebräu aus verschiedenen Dschungelpflanzen zu sich nahm, um diese Erfahrung zu machen. Er ließ sie nicht unreflektiert und verdammte diese Erfahrung mit dem hochpotenten DMT – haltigen Ayahuasca lautstark. Dabei muss gesagt werden, dass Burroughs zu diesem Zeitpunkt bereits ein gewichtiges Problem mit Alkohol und Heroin hatte, das er bis zu seinem späten Tod mit über 80 Jahren nie in den Griff bekam.

Ich las seine Bekenntnisse, setzte mich alsdann ins Flugzeug nach Lima in Peru und von dort nach Puerto Maldonado an den Rio Madre de Dios, wo ich es mit einer Gruppe von autochthonen Indianern zu mir nahm. Es war wiedereinmal ein voller Erfolg. Es gab mir die Sicht auf die Belange des Regenwalds, die ich bis heute in mir trage. Der Dschungel lebt, mehr noch als eine Europäische Großstadt. Er pulsiert, setzt Farben frei und ist voller Klänge. Zurzeit, dank Jair Bolsonaro und seiner Schergen, stirbt er eher einen qualvollen Tod. Gottes Amnestie überrascht mich hierbei gewaltig. So steht er nicht in der Bibel, das Narrativ ist ein deutlich anderes.

Mir war es wichtig diese Substanzen in ihrem natürlichen Umfeld einzunehmen, um sie „usprünglich“ zu erleben. Bis auf das LSD ist das auch heute noch möglich. Das Ursprüngliche an den Entheogenen ist ihre Beschaffenheit als Alkaloide im Pflanzensaft exotischer Gewächse.

In Mexiko nahm ich mit Wüstenindianern, den Huichol, ihren heiligen Kaktus Peyotl in einer Zeremonie ein, bei der ich die Kakteenknollen erst selber pflückte. Verarbeitet haben es die dortigen Schamanen und auch so ging ich auf eine farbenfrohe Reise. Sie dauerte sehr lang.
Schließlich konsumierte ich bei den lakandonischen Maya ein paar psilocinhaltige Pilze, die mir auch für ihre Belange und ihren Freiheitskampf die Augen und Gefühle öffneten. Wer frei ist fließt von einer Beschränkung zur nächsten. Womöglich um sie aufzulösen, wenigstens in sich selbst.

Das Fazit meiner Erfahrungen ist, dass sie dem Menschen zugängig gemacht werden sollten, insbesondere Künstlern und Intellektuellen, die eine kräftigere Wirklichkeit erleben wollen, als die ihrer Triebe, archaischen Bedürfnisse und Gedanken. Es mag sich um eine Illusion handeln, aber man hat das starke Empfinden dabei, man begegnet etwas sehr lebendig echtem. Etwas, das über uns Menschen steht, auch wenn es nicht außerhalb von uns und den erwähnten Vehikeln existiert.

Ich komme auf meine Erfahrungen mit Entheogenen zurück, weil ich nach über einem Jahrzehnt Abstinenz – wenn man den durchaus psychoaktiven Kaffee und das Bier ausschließt, die ich beide nach wie vor in nicht unerheblichen Mengen konsumiere -, vor kurzem von T.C.Boyle „das Licht“ gelesen habe. Eigentlich wollte ich keine derart eindeutige Literatur mehr anfassen. Ich habe mir meine Hände genug an entheogenen Herden verbrannt, um zu wissen, dass ich mittlerweile gerne weniger wahrnehme, spüre, vielleicht auch weiß – wobei mein Wissen eine andere, lebenspraktische Qualität gewonnen hat. Trotzdem wollte ich die Geschichte von Timothy Leary und seinen Studenten von der Harvard University nochmal genauer betrachten.

Boyle verrät in seinem jüngsten Roman sehr viel darüber. Er erzählt sehr humorvoll davon und vor allem nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Dass Leary sehr viel Wert auf die Umgebung legte, in der man sein „Sakrament“ (das von Albert Hoffmann aus dem Mutterkornpilz Claviceps Purpurae extrahierte LSD) zu sich nahm, wußte ich bereits. Er nannte das das „Setting“. Noch wichtiger war ihm die innere Verfassung des Experimentierenden, was er das „Set“ nannte. Beides musste zusammenkommen und sehr gut vorbereitet werden, so dass das Erlebnis vollkommen werden konnte, harmonisch, rein.

Die nähere Umgebung richtete Leary sich und seinen Freunden zunächst in einem Domizil in Cambridge Massachusetts unweit des Campus von Harvard ein. Dort feierten sie ihre moderaten Drogenparties ohne Exzesse, wofür er beispielsweise auch sorgte, indem er strickt das Rauchen von Cannabisprodukten verbot. Er deklarierte die psychischen Reisen, die er und seine Leute unternahmen als wissenschaftliche Forschung an der menschlichen Psyche. Nur dass die Analyse dieser Empirie und deren Auswertung leider zu kurz kam. Verleiten Entheogene das Erlebnis höher zu werten, als seine Reflexion?

Als ihm die Professur in Harvard entzogen zu werden drohte, mietete Leary für sich und sein Gefolge schließlich ein Hotel in Mexiko, am Strand des Pacifischen Ozeans in Zihuatanejo, wo sie einen eindeutig freien und schönen Sommer verbrachten. Diesmal weniger als Studienobjekte, denn als Gefährten auf einer Reise durch den eigenen Geist und einfach ein Haufen von Leuten die ordentlich Party machten. Doch dort wollte ihn die Mexikanische Regierung nicht. Er war rufschädigend. Und so zog er von dannen und tauchte in einem riesigen Herrenhaus in Millbrook New York wieder auf, wo die mexikanische Fiesta nahtlos weiterging. Derweil wurde ihm die Professur endgültig entzogen und alle Studiengelder gestrichen. Und hier endet auch schon der Exkurs von Boyle.

Er läßt vermutlich bewußt viele Fragen offen. Man weiß nicht weiter, was mit Leary geschah und nur noch Wikipedia, bzw. einschlägige Literatur hilft einem, sofern man diese Fährte weiterverfolgen will. Eine Exfrau von Leary aus dieser Zeit um 1964 herum, heiratete später Robert Thurman, der heute Professor für buddhistische Studien an der Columbia University ist. Zusammen betreiben sie das Tibet House und Menla Retreat in den Catskills nördlich von New York City. Der Dalai Lama selbst hat Robert zum ersten amerikanischen Tibetischen Mönch getauft. Sie sind die Eltern der Schauspielerin Uma Thurman ist. Ich möchte jedoch nicht abschweifen.

Fest steht, dass Leary seine eigenen Regeln von Set und Setting sehr offen auslegte, wie es ihm gerade passte. Dazu gehörte nicht nur der ausgiebige Konsum von Alkohol und später auch Cannabisprodukten, sondern sehr ausschweifende Sexualität. Insofern war das Einzige auf das man durchaus direkt Einfluß nehmen kann, und was auch seit Jahrtausenden eingeweihte Schamanen tun, nämlich die Wahl und Beschaffenheit der rituellen Umgebung, dahin oder verunstaltet. Wohingegen die innere Einstellung und Haltung gegenüber dem Entheogen, die innere Befindlichkeit und Verfassung des Konsumenten also, genau die Sache ist, die man direkt am wenigsten Beeinflußen kann. Ein Mensch der Jahrzehnte hindurch meditiert und ein sehr geregeltes, sowie ruhiges Leben führt, wird anders auf LSD reagieren, als ein jugendlicher, der gerade tief in der Krise der Pubertät steckt, von seinen Lehrern in der Schule schikaniert und von seinen Eltern mal mit bedingungsloser Liebe, mal mit der schlimmsten Form von seelischer Folter überworfen wird.

Ich füge meiner Betrachtung einen Appell hinzu. Selbstverständlich will ich hier keinen einzigen Leser dazu verleiten, sich den Entheogenen anzunehmen. Das muss jeder mit sich selber klären und genau abwägen, welche intellektuellen Interessen er verfolgt und welche eben nicht.

Was mich jedoch traurig macht, ist die Rechtslage der Entheogene, denn sie alleine sorgt für ein sehr negatives Setting. Etwas natürliches, in dem für nicht wenige Vertreter der Spezies Mensch etwas göttliches haust, darf nicht verboten werden. Schon gar nicht, wenn währenddessen ein kollektives zwei Wochen lang anhaltendes Dauerbesäufnis als erhabenste Form von voralpiner und mittlerweile auch schon globaler Kultur propagiert wird.

Die Wahl der Droge sollte einem selbst überlassen sein, nicht so das Verhalten, was deren Einnahme folgt. Wie jegliches Verhalten in Gesellschaft aber auch im Umgang mit sich selbst, sollte es ethische Grundlagen haben und verfassungskonform geschehen.

Wir Menschen, die mit Entheogenen in Berührung kamen, lieben diese Welt. Wir erinnern uns nur nicht immer daran.

Ich möchte meine Betrachtung mit einem Zitat aus dem bei der wbg erschienen Atlas der Menschheit, Homo Sapiens, abschließen:

„Die wenigen heute noch existierenden Wildbeuter-Ethnien haben Spuren einer besonderen Organisation bewahrt. Sie setzen sich aus miteinander vernetzten, wenig hierarchisch strukturierten Kleingruppen ohne ausdrücklichen Begriff von Geld oder Privateigentum zusammen und gründen ihre Ursprungsmythen auf Heiligkeit der Umwelt, die ihnen das Leben schenkt. Zahlreiche Forscher stimmen heute darin überein, dass in zukunft – ohne der Nostalgie früherer „Goldener Zeitalter“ recht geben zu wollen – zur Erhaltung der biologischen Vielfalt das Überleben der indigenen Völker gesichert werden muss, die diese seit Urzeiten verwalten. Unsere Art hat sich im Verlauf der gesamten Besiedlung der Erde invasiv verhalten, wie das von den ersten Jägern, die Australien, Amerika und die ozeanischen Inseln erreichten, bewirkte Artensterben zeigt.

Die indigenen Völker wurden jedoch zu Bewahrern von Überlebensweisen und Arten des Austausches mit der Umwelt, die in mehrfacher Hinsicht ein Nachhaltigkeitsmodell darstellen. Diejenigen, die in der Vergangneheit in dieser Rolle scheiterten, sind verschwunden. Die Wildbeuter können es sich nicht erlauben, die Umwelt zu beschädigen, in der sie leben, denn ihr eigenes Dasein hängt vom Wohlergehen der in ihrem Gebiet endemischen Flora und Fauna ab. Das unübertreffliche Wissen der Einheimischen über die Aspekte ihrer eigenen natürlichen Umwelt, insbesondere über in Pflanzen und Tieren enthaltene medizinisch aktive Bestandteile und psychoaktive Substanzen, geht auf einen langen Lernprozess im Zusammenleben mit der biologischen Vielfalt vor Ort zurück. Unsere moderne Gesellschaft leugnet diese Fachkenntnisse häufig aufgrund wirtschaftlicher Interessen.“

Auch ich bin der Überzeugung, dass die in Form des Betäubungsmittelgesetzes ausgesprochenen Verbote zum Gebrauch von Entheogenen (nicht zuletzt eine Form von persönlicher Freiheit), auf wirtschaftliche Interessen zurückzuführen sind, nicht jedoch auf eine vernünftige Argumentation, die einen klaren und wissenschaftlichen Standtpunkten genügenden Nachteil für Konsumenten herausstellt.

Daher denke ich, dass die Zukunft gleichzeitig lieberaler wird, was den Umgang des Menschen mit seinen natürlichen Ressourcen angeht, sowie was die Verantwortung über seinen Geisteszustand betrifft. Im Rahmen von einer Gesetzeslage, die zu mehr Selbstbestimmung befähigt, dennoch – und das ist wichtig – im Einvernehmen mit den bestehenden Menschenrechten und ihrer Konvention, wird der Mensch mehr und mehr die ökologischen Ressourcen für sich persönlich nutzen und eine ökologische Haltung einnehmen. Eine andere Wahl hat die Menschheit nicht, wenn sie ihr Überleben sichern will.

Für die Lenkung des Staates bedeutet es, dass nicht nur die Politik die strikten Gesetze der Betäubungsmittel lockern wird, sondern auch eine Art von sozio-ökonomischen Protektionismus, der vor allem die wirtschaftlichen Abhängigkeiten vom Kapitalfluß im Sinne einer besseren Umverteilung, mit einem guten Spitzensteuersatz zum Beispiel, regeln wird. Doch das ist bereits ein weiterer Ausflug in das Gebiet der Ökonomie, den ich nicht wage an dieser Stelle zu gehen.

Ich mache an dieser Stelle gerne auf die Arbeit eines befreundeten Agrarwissenschaftlers aufmerksam, der gerade in Wien seinen Doktor in diesem Bereich macht. Schauen Sie sich bei Gelegenheit den Youtubekanal von Mykohunter365 an. In diesem Zusammenhang interessant ist auch die Arbeit eines jungen Mannes aus Berlin, die man auf dem Youtubekanal von Buschfunkistan bewundern kann. So oder so ähnlich sollte unsere Zukunft aussehen, mit der Rückbesinnung auf die Natur unter Einsatz modernster energieffizienter Technik.

Die Zukunft wird für den Einzelnen freier, selbstbestimmter und finanziell unabhängiger werden. Vielleicht kommt auch endlich das bedingungslose Grundeinkommen, damit Menschen, deren oberste Priorität nicht ist, sich für ihren Lebensunterhalt unermesslich ausbeuten zu lassen, ein wenig mehr Luft bekommen, auch gedanklich.

Dazu gehört, dass sich Entheogene etablieren.

Kommentare (5)

Wolfgang Hammer

Hallo, Herr Marcin Lupa!
Spannend liest sich Ihre Drogenlebensgeschichte mit den vielen Hinweisen auf Verhaltensweisen literarischer und musikalischer Berühmtheiten. Auf Ihrem Lebensweg haben Sie viel gesehen und mitgemacht. Ihnen ist Menschliches nicht fremd.
Wahrscheinlich habe ich Sie nicht ganz verstanden, wenn ich meine, sie forderten mehr Freiheit für die Menschen, damit sie durch die Drogenerfahrungen, in denen auch Naturerfahrungen wirksam werden, zu der Einsicht kommen, sich nicht zweckrationalen Ritualen zu unterwerfen, sondern, durch ein Grundeinkommen gestützt, die freie „Luft“ zu genießen.
Ein wenig aber muss ich doch nachfragen. Sie haben 225mal „Ich“ verwendet, zweimal „Menschheit“ (17mal „ Mensch, menschlich“). Könnte man darin nicht eine ungerechtfertigte Generalisierung von Einzelerlebnissen sehen? Wenn Sie schreiben: „Eine andere Wahl hat die Menschheit nicht“, dann klingt das wie „alternativlos“. Aber man hat meistens, wenn nicht immer, mehrere Wahlmöglichkeiten. Sie schreiben, die Menschheit könne wählen. Aber die „Menschheit“ ist nur ein Hilfsbegriff, der in der Realität zu Menschen umgewandelt werden muss. Dann kommt man in die Schwierigkeiten, die Enzensberger in einem Gedicht beklagt.
– Zu Hans Magnus Enzensbergers Gedicht „Über die Schwierigkeiten der Umerziehung“ aus Hans Magnus Enzensberger: Gedichte 1950–2000. –

HANS MAGNUS ENZENSBERGER

Über die Schwierigkeiten der Umerziehung

Einfach vortrefflich
all diese großen Pläne:
das Goldene Zeitalter
das Reich Gottes auf Erden
das Absterben des Staates.
Durchaus einleuchtend.
Wenn nur die Leute nicht wären!
Immer und überall stören die Leute.
Alles bringen sie durcheinander.
/http://www.planetlyrik.de/hanjo-kesting-zu-hans-magnus-enzensbergers-ge…. 23.12.2020

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  • Marcin Lupa

    Lieber Herr Hammer,

    jetzt komme ich gerade aus dem Weihnachtstruble zurück - verschaffe mir angefeuert durch Arabica-Kaffee wieder einen Augenblick Luft, um Ihnen nocheinmal zu schreiben.

    Ich hoffe, Sie hatten einen liebevollen und besinnlichen Heiligabend. Vielleicht haben Sie ihn für das eine oder andere genutzt, vielleicht auch ein wenig an Ihrer Zukunftsvision geschrieben, was ich sehr begrüßen würde. Vielleicht auch nur entspannt und sich mal Ihren Liebsten zugewendet, eine Wahl getroffen.

    Ich möchte noch Stellung nehmen zu Ihrem Enzensberger-Gedicht. Enzensberger ist mir schon einmal als Herausgeber gesammelter Werke von Montesquieu positiv aufgefallen. In der Andere(n) Bibliothek sind 1998 seine Essays herausgegeben worden. Dieses Werk habe ich einmal als Buchhändler von Antiquarischen Büchern in den Händen gehalten. Es wurde mir auch relativ schnell aus ihnen entfernt und ging über die Ladentheke, zusammen mit einem Stück Kuchen und einem Kaffee (schwarz, ohne Zucker). Ein netter Herr und Büchersammler hat es in unserem Buchcafé am Bahnhof in Rosenheim (was ich an dieser Stelle wärmstens empfehle - gutes Ambiente, nette Auswahl, guter selbstgebackener Kuchen) gekauft.
    Montesquieu halte ich persönlich für sehr interessant. Es steht mir nicht zu, ihn Genie zu nennen, habe ich doch nicht genügend Kenntnis von der Philosophie, noch von der Geschichtswissenschaft, Politik und Soziologie, jenen Domänen in denen er offensichtlich brilliert hat. Seine Essays hingegen will ich eines Tages gerne lesen, sofern es Zeit und Gesundheit einmal zulassen werden. Wie unsere Muslimfreunde dazu sagen würden: so Gott will (ich selber will es allerdings von niemandem abhängig machen, also weder von einem Herrn Jahwe, noch von unserem Zentralgestirn, noch von dem Schwarzen Loch im Zentrum unserer Galaxy, um die es sich mit vielen seiner Gleichgesinnten zu drehen scheint).

    Jedenfalls haben Sie völlig Recht mit Ihrer Anspielung: man hat vielerlei Visionen, Ideen, stellt Überlegungen an, wie es weitergehen könnte/sollte/muss. Doch zwischen der Umsetzung dieser, nennen wir sie "Pläne für die Zukunft" stehen all die Leute. Einige von ihnen sind sehr vermögend - meistens hängt dann alles von ihrem Wohlwollen ab. Manche nennen es Willkür und sehen nicht, dass sie auf demokratischem Wege die Möglichkeit haben, durchaus jenes Wohlwollen der vermögenden Entscheidungslenker zu beeinflußen.
    Aber auch jene Vermögenden sind an Grundsätzliches gebunden. Sie wollen erst einmal, dass die Geschäfte gemütlich weiterlaufen. Umsatz zählt und das daraus rekrutierte Eigenkapital ist ihnen mindestens so wichtig, wie ihre eigene Gesundheit. Schlußendlich wollen sie alle furchtbar alt werden, astronomisch. Ich glaube acht Milliarden Jahre alt, werden einige Sonnen, vielleicht noch älter, wenn ich mich nicht irre. Sie sind also an ihren Willen gebunden, vor allem. Schopenhauer, ein durchaus schlauer Mann, hat über diesen Willen reflektiert. Auch Nietzsche nahm diese Spur auf, entsetzlich alleine, was dieser über den Willen schrieb. Ich nenne diesen Willen Trieb und nehme dem Menschen weitgehend die Kontrolle darüber. Unbewusst scheint er voranzuschreiten, instinktiv, was ihm plötzlich aber bewußt wird. Dann fängt er an sich zu fragen, was treibt mich an, usw.,usf..
    Und eben diesen Trieb untersuche ich manchmal für mich selbst. Ich psychologisiere woher er kommt, wozu er da ist, was er zu erreichen sucht. Was ist das Ziel meines Handelns? Was motiviert mich? Und wieder stehen mir all die Leute im Wege, vielleicht eher einfach zur Seite. Meine Freiheit ist durch sie determiniert. Ihre durch mich.

    Was das Aufeinandertreffen der Leute für die Zukunft bedeutet ist Dialog, unterschiedliche Diskurse und ein grundsätzliches Arrangement, was uns Politik und Regierung vermitteln.

    In meiner kleinen Betrachtung oben - und ich bin mir darüber im Klaren, wie unausgereift und einfach sie in Wahrheit ist - plädiere ich für einen besseren Umgang mit dem Natürlichen/Ursprünglichen und eine gesetzlich eingeschränkte Freigabe dessen. So dass einige Geächtete aufhören Soldaten, Polizisten, Zollbeamte, Politiker zu rauchen und wieder anfangen, weitgehend puristisch Wildkräuter in ihre Pfeiffen zu stopfen. Das würde auch jene erwähnten angekokelten entspannen, denke ich.
    In der Zwischenzeit können wir natürlich weiterhin fortfahren mit unserer kapitalistisch-kanibalisitschen Hackordnung. Einige Herren Massenmörder und Kinderschänder von der Wirtschaft wird es sicherlich amüsieren. Von daher bekommt bei der nächsten Bundestagswahl sicherlich Herr Robert Habeck von mir ein Kreuz, weil er mir als der Mutterkorn-afinste unter all den Politikern erscheint und aus etlichen anderen Gründen, die ich hier nicht erwähnen will.

    Ich bin mir natürlich vollkommen darüber bewußt, dass ich in all den Verstrickungen, Netzwerken mit drin hänge. Auch ich bin Teil der von mir kritisierten Wirtschaft, wenn ich zum Beispiel Bücher vertreibe, Filme verkaufe, Reisen anbiete. Klar, ich bin auch an den Kapitalflüssen beteiligt und somit höchst schuldig im Sinne der eigenen Anklage. Sicherlich wird ein Tag der Abrechnung auch für mich kommen. Auf den ich mich unsagbar freue im Übrigen. Gerne höre ich mir die Argumente meiner zukünftigen Widersacher an und lasse sie mir durch den Kopf gehen. Das Resultat kenne ich jetzt schon, gucken Sie mal auf die biologische Uhr. Sehen Sie da ein baldiges Ende oder fühlen Sie sich, wie ich, auch ziemlich am Anfang der natürlichen Progression?

    In diesem Sinne auch Ihnen insbesondere ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein hoffentlich entspannteres Neues Jahr 2021.

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  • Marcin Lupa

    Hallo Herr Hammer,

    zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen für Ihren aufmerksamen Kommentar bedanken und natürlich auch, für Ihr kritisches Studium meines Textes.

    Zu Ihren Inhalten. Berechtigt ist Ihre Kritik bezüglich der Aufzählung der oft benutzten Personalpräposition. Im subjektiven Kontext einer biographisch anmutenden Deklaration durchaus nicht ungewöhnlich, denke ich. Aber vielleicht belehren Sie mich eines Besseren, offenbar arbeiten Sie länger und intensiver mit Texten als ich. Daher würde ich mich auf Ihren Beitrag in diesem Schreibwettbewerb sehr freuen.

    Wie Sie sehen können bin ich kein Literat und auch kein Wissenschaftler. Vielmehr bin ich ein Mensch, der eine Affinität zu beiden Objekten besitzt. Zur Literatur noch mehr als zur Wissenschaft, aus dem simplen Grund, dass sie mir bisweilen ästhetischer erscheint.
    Daher möchte ich mich dafür entschuldigen, wenn ich die Begriffe "Mensch" und "Menschheit" allzu salopp und unreflektiert gebrauche. Ich habe hier wohl zu wenig differenziert.
    Ich hätte vielmehr schreiben sollen, "einige Menschen" werden sich die Freiheit nehmen, die von mir angesprochenen Vehikel zu gebrauchen, völlig einerlei, was die Justiz auf Geheiß der Regierung und diese wiederum auf Geheiß der Wirtschaft, die am meisten von Sanktionen, Maßnahmen, Verboten profitiert, davon halten. Es wäre nur leichter für besagte "einige Konsumenten", wenn Sie ihre Freiheiten genießen könnten, ohne Repressalien zu fürchten. Und daher gehe ich davon aus, dass die Politik (die ich oftmals für eine Marionette der Wirtschaft in der Hand von Lobbyisten halte, die die Massen ihrer Wähler manipuliert, um von ihnen die Legitimation ihres Handelns, als Handlanger der Wirtschaft, zu erhalten - Demokratisches Prinzip) irgendwann mal anfangen wird ihren Steuerlichen Vorteil daraus zu speisen, dass auch andere Produkte den Markt erreichen, als Alkohol, Zigaretten und gängige Medikamente. Konsumiert wird ja ohnehin. Da der Wille wiederum einiger Menschen durch nichts zu bändigen ist, schon gar nicht durch vorgetäuschte Vernunft. Bezüglich der Wirtschaft äußere ich mich bewußt kritisch, wohlwissend, dass auch ich von gewissen Strategien ihrerseits profitiere. Wer sich diesbezüglich informieren will, warum die Weltwirtschaft in keinem guten Licht steht, sollte die Schriften von Jean Ziegler lesen.

    Meine Anschauungen gehen aber noch weiter und Sie können erneut einwenden, dass ich es mir allzu leicht mache und die Konsequenzen der Verrohung der Gesellschaft nicht beachte. Daher spreche ich in meiner kurzen Reflexion auch von einem ethischen Rahmen, in dem diese Entheogene genannten Substanzen eingenommen werden sollten.
    Ich denke also, die Politik wird irgendwann begreifen, dass sie die Justiz dahingehend lenken kann, den "Drogenmarkt" zu lockern. Die Einbußen der Alkoholobby wären wieder durch die Einnahmen aus der Wertschöpfung der Absatzmärkte für bisher illegale Substanzen gedeckt. Alles eine Frage des Kalküls. So viel ökonomisch.

    Ökologisch muss man gar nicht erst zu Markte schreiten, da reicht es, wenn die Politik es erlauben würde, dass Konsumenten ihre Produkte in Form von Pflanzen aus dem Wald holen und sich damit berauschen, betäuben oder stimulieren, ohne damit Handel zu treiben. Auch eine Möglichkeit.

    Eine Umerziehung zu mehr Nachhaltigkeit muss auf anderen Sektoren stattfinden, damit die Systeme nicht kollabieren. Vor allem auf dem der Ratio, die wiederum durch einige Substanzen wie Kaffee (den Arabica, den ich gerade trinke) oder den Andinen Cocostrauch, sowie Ephedragräser aus der afrikanischen Steppe, stimuliert werden könnte. Gefahr im Verzug, ich weiß, ich weiß. Und dennoch, wir werden - und jetzt meine ich tatsächlich die gesamte Menschheit, einschließlich des Staates Deutschland - uns in bereits sehr naher Zukunft anderen Kulturen öffnen müssen. Nicht so sehr auf den Feldern der moralischen Erziehung, denn unsere normative Ordnung halte ich, ebenso wie das Narrativ der Gerechtigkeit, für ausgesprochen ausgeklügelt und Menschenrechte, sowie Grundgesetz sind für mich nach wie vor die höchsten Ideale. Da werden sich die externen Kulturen im Zuge der Inklusion anpassen müssen, wir jedoch und damit komme ich wieder auf meine These zurück, auf dem Feld des Konsums von bisher illegalen Substanzen. Natürlich heißt sich öffnen nun nicht mehr, freier Konsum für alle. Sondern wiederum gesittet, emphatisch, im Sinne von Initiation, wie im Falle der Erziehung zum Besuch eines Bierzelts oder eines Weinfests, für einige, anfänglich wenige. Diejenigen, die es einfach immer schon wollen. Manche kulturelle Annäherung geht erst durch den Stoffwechsel, dann erst durch die Empfindung, die Sinnestätigkeit und schließlich durch die Kognition.

    Das alles schließe ich aus reiner Empirie, natürlich keiner statistisch erfassten, wissenschaftlich überprüfbaren. Vielmehr einer biographisch intuitiven, die fürs erste einem Schreibwettbewerb genügen könnte. Klären Sie mich bitte auf, wenn ich falsch liege.

    Insgesamt haben Sie mich also schon richtig verstanden. Freie Luft und Naturerfahrung begleitet von dem Konsum bisher illegaler Substanzen zur Befreiung des Geistes aus oft sehr schädlichen Schranken und Konventionen, zum Zwecke des Erhalts der natürlichen Biome und zu Zwecken der gelassenen und ästhetischen Entspannung.
    Währendessen ist das natürlich erst der Anfang. Denn was folgt ist der Zustand nach dem Rausch, die Reflexion nach der Vision, die eigentliche Aufarbeitung der unternommenen Reise, die Meditation. Und selbst das ist noch weit entfernt von jeglicher ökologischen Agenda.
    Nur mal ein Gedanke, bei der bevorstehenden Ressourcenknappheit auf die wir mit Lichtgeschwindigkeit zurasen, bei gleichzeitiger überproportionaler Zunahme an Überbevölkerung, ebenso im Tempo der Lichtgeschwindigkeit, sehen Sie da die Zukunft leicht für unsere Gesellschaften? - Welche Alternative bietet uns der ausgelaugte Planet denn bald, als sich mal ruhig hinzusetzen und so wenig zu tun, wie möglich? Damit meine ich jeglichen Abbau, jegliche Produktion, jeglichen Konsum und natürlich jegliche Reproduktion des Humanbioms.

    Meine Vision ist, dass sich die Populationen der Menschen aufhören stark zu reproduzieren. Kein leichtes Unterfangen bei der allgemeinen Liebe (Sucht?) zur Sexualität. Wenn wir im Lauf der nächsten Jahrhunderte bei etwa 10% der (SUV befreiten sic!) Populationsgröße der Menschen auf diesem Planeten kämen und unsere Technologie energieeffizienter würde, könnte es sein, dass sich dieser Planet für die nächste Jahrmilliarde erholt. Mit uns an Bord. Wobei wir da evolutiv uns ohnehin weiterentwickeln würden, zu einer anderen, klügeren und hoffentlich auch besonnenen, umweltangepassten Lebensform, die Kommunikationsmittel, wie Entheogene als selbstverständliche Vehikel für der natürlichen Sensibilität angepasste Verhaltensweisen gebraucht.

    Wie gesagt, ich bin nur ein kleiner Kaufmann, kein großartiger Denker und nur ein literatur- und wissenschaftsaffiner Mensch, der über diese Plattform hier hinaus, ein denklich anderes Leben lebt. Ein biederes und spießbürgerliches, mittlerweile auch eines der Justiz gänzlich konformes.

    An dieser Stelle muss ich leider unterbrechen, weil meine häuslichen Verpflichtungen bereits nach mir verlangen.

    Ich bitte vielmals um Verzeihung.

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  • Wolfgang Hammer

    Gesegnete und gesunde Weihnacht,
    von all diesen Überlegungen, Herr Lupa, müssten wir zum Thema zurückkehren: „ Über die Zukunft - Wie wird die Welt von morgen?“ Gelingt es jemandem, einen „Großer Plan“ (wie Marxismus, Christentum …) zu entwerfen, eine Welt zu schaffen bzw. eine menschliche Gesellschaft zu gestalten, in der vollständige Harmonie herrscht? Enzensberger bezweifelt das. Wird jeder Plan scheitern? Wahrscheinlich, weil nie alle Vorbedingungen bekannt sind und weil nie alle Möglichkeiten durchdacht werden können. Sind also Weltrettungspläne überflüssig? Das auch nicht, nur halten sie nicht, was sie versprechen. Aber kleine Änderungen (Verbesserungen?) könnte man ihnen zutrauen.
    Was können wir dann über die Welt von morgen sagen? Splitter: z .B . dass unser Leben vom Digitalen noch mehr beeinflusst wird. Wie? Wie bei allen diesen Themen heißt es dann in Schulaufsätzen (aus meiner Schulzeit: Vor- und Nachteile des Fernsehens). Also eine Endlösung gibt es wohl nicht. Wir werden mehr oder weniger zufrieden sein, wir werden mehr oder weniger von der Technik beherrscht, wir werden mehr oder weniger Freiheiten haben usw.
    Das ist eine laue Auskunft. Wir möchten etwas Festes, etwas ewig Gültiges, das alles regelt und es allen recht macht.
    Nun ist bei mir das Mittagessen geregelt. Das ist die Zukunft.
    Schöne Feiertage

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  • Marcin Lupa

    Vielen Dank, Herr Hammer, für Ihre freundliche und sehr intelligente Antwort. Bezüglich Ihrer Inhalte bin ich gänzlich bei Ihnen. So sehe ich es auch, wenn ich auch nicht so prägnant und schlüssig zusammengefasst habe.

    Ehrlich gesagt habe ich schon befürchtet, es käme eine Nachricht von der Zensurbehörde. ;o)

    Etwas Allgemeingültiges, Umfassendes, was die Zukunft bringen wird, kann ich Ihnen an dieser Stelle auch nicht bieten. Zu gering bin ich als Mensch und zu uninformiert als Utopist/Distopist.

    Einige kleine Freiheiten nehme ich mir dennoch, wie Sie schon sagten. Einen Ausblick nach Vorne etwa, in eine durchaus digitale Zukunft mit einer urwüchsigen Untermalung. Instinkt, dazwischengeschalteter "menschlicher" Intellekt und Künstliche Intelligenz.

    Und ja, jetzt ruft das Mittagessen auch bei mir und meiner kleinen Kernfamilie (mit Patchworkanhang).

    Guten Appetit.

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