"Einheit, ja, die hatten wir | dereinst. Doch sag, was war das gleich?"

Michael Bellinger • 11 Oktober 2020

Einheit, ja, die hatten wir,

dereinst. Doch sag, was war das gleich?

Die Währung, in der alle hier,

ob groß ob klein, ob West ob Ost,

in Münzen oder Apfelmost,

bezahlen Menschen, freiheitsreich?

 

Es war vor langer, langer Zeit,

da eine Mauer Deutschland trennte,

doch nicht nur über Grenzen weit,

durch Wiesen, Felder Deutscher Länder,

gespannt die sozialist’schen Bänder,

und in den Köpfen Freiheit hemmte.

 

Unter dem Mantel des Marxismus,

vermeintlich einte alle Landen,

Genossendeutsche: Kommunismus!

Hielt nicht stand dem Recht des Volkes,

dem Widersinn des Lenin-Pulkes,

und deutsche Hände sich verbanden.

 

Gespalten Grenzen, Menschen, Leben,

sogar das Herz, Berlin, die Stadt,

aufgeteilt, als ob ein Beben,

Schluchten zieht von Welten weit

der Traurigkeit, der Heiterkeit.

Die Masse an des einzel’n Statt.

 

Und abgehört, verwanzt, verwaist,

verraten auch, vereinsamt heißt,

wenn alles, was du sagst und weißt,

geschrieben wird in Akten grau

verschlossen tief im Kellerbau

der fahlen Lieb‘, gesetzesfeist.

 

Die deutsche Schwester in dem Osten,

die doch so nah und doch so fern,

der deutsche Bruder auf dem Posten,

der schießen musste, konnte, wollte,

des Stacheldrahtes still‘ Revolte,

und drinnen prosten Stasi-Herrn.

 

Doch unaufhaltsam bahnt sich Weg

der Freiheitswille demographisch,

„Wir sind das Volk!“ und Kohl am Steg,

der nicht dort endet,

sich nun wendet,

endlich wieder demokratisch.

 

Die Mauer fällt, die Grenze offen,

und hundert Mark Begrüßungsgeld,

vorbei und wahr nun alles Hoffen,

dass endlich Deutsche sind vereint,

und was der einz’ge denkt und meint

nun zählen darf und keimt

in Deutschland, der vereinten Welt.

 

von Michael Bellinger

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