Digitales Lesen, digitale Bücher: Kulturverlust oder neue Potentiale für das Medium Buch?

wbg Redaktion • 18 November 2020

Digitales Lesen, digitale Bücher: Kulturverlust oder neue Potentiale für das Medium Buch?


Im Pandemie-Jahr 2020 erscheint Gerhard Lauers neues Buch „Lesen im digitalen Zeitalter“ bei wbg academics. In dem kostenlos im Open Access verfügbaren Buch bestimmt der Professor für digitale Geisteswissenschaften den Standort des Buchs in einer von digitalen Medienroutinen geprägten Gegenwart. Ein Friedensangebot, wie sein Rezensent Dr. Johannes Franzen meint. Die wbg hat beide zu einem Gespräch eingeladen – natürlich digital. Sie behandeln die Kulturgeschichte des Lesens, Medienwandel, Mediendidaktik und die Frage, ob die Liebe zum Buch eigentlich am Materiellen hängen sollte.

Interviewer: Dr. Marcus Willand



Weitere Beiträge von und zu Gerhard Lauer auf der wbg Community Plattform:

Gerhard Lauer: Digitales Lesen

Die wbg Publishing Services stellen sich vor


1Dr. Marcus Willand, Literaturwissenschaftler an der Universität Heidelberg und Berater für digitale Strategien und Kommunikation.

 

 

 


1Dr. Johannes Franzen, Literaturwissenschaftler an der Universität Bonn und journalistisch tätig u.a. für ZEIT Online; FAZ und 54books.de.

Von Dr. Franzen ist jüngst bei ZEIT Online ein Essay erschienen mit dem Titel "Lesen und lesen lassen".

 

 

Gerhard LauerProf. Dr. Gerard Lauer, Univ. Prof. für Digital Humanitites in Basel, erforscht Literatur u.a. mithilfe des Computers und Datenanalysen. 

 

 

 


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Gerhard Lauer

Lesen im digitalen Zeitalter

Beschreibung

Die Digitalisierung verändert vieles, auch das Lesen von Büchern. Nicht wenige fürchten, dass mit der Dominanz von Computer und Internet die lesende Erschließung der Welt an Bedeutung verlieren und die Jugend eine der wichtigsten Kulturtechniken verlernen werde. Tatsächlich wird aber nicht weniger gelesen, und die Zahl der Neuerscheinungen wächst von Jahr zu Jahr. Dennoch ändert sich einiges. Von dieser digitalen Modernisierung der Bücherwelten und des Lesens handelt das Buch. Es analysiert, wie und was junge und ältere Menschen lesen, wie Verlage und Buchhandel mit den digitalen Herausforderungen umgehen und welche ganz neuen Wege des Lesens digitale Plattformen einschlagen. Das Buch ist eine Verteidigung des Lesens und umreisst die Chancen des Lesens, wenn alles digital wird.

2020. 264 S., wbg Academic, Darmstadt.

Kommentare (4)

Uwe Seelinger

Es gibt Studien, und ich kann die gut nachvollziehen, die besagen, dass man digital oberflächlicher liest als online. Das mag damit zusammenhängen, das man mit digitalen Endgeräte so vieles nebenbei tun und ständig von eingehenden Nachrichten unterbrochen werden kann. Man schließe also nicht von Profi Lesern wie Franzen auf die breite Masse oder Kinder.
Noch ein Gedanke: Wer keine Tageszeitung von vorne bis hinten liest, sondern sich Artikel aus unterschiedlichen Medien aussucht, landet schnell in einer selbst erschaffenen Filterblase. Aus diesen Blasen entwickeln sich "Querdenker". Nicht umsonst gab es vor 30 Jahren noch keine "Querdenker" in dieser Anzahl und Breite.
Kurzum: Eine Elite profitiert von der Digitalisierung ungemein. Ansonsten sehe ich große Probleme. Ich wäre nicht so sicher, ob das Netz mehr nutzt als schadet. Wir haben damit jetzt 25 Jahre zu tun. Das ist ein Wimpernschlag. Wir sollten erfahrene Lehrer befragen, wie sich Schüler generationenübergreifend verändert haben. Das ist kein schlechtreden früherer Generationen, wie es das schon immer gab. Es gibt unzweifelhaft Veränderungen festzustellen.
Die Entwicklung ist nicht zu stoppen. Aber etwas kritischer darf man schon sein.

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  • Marcus Willand

    [~438], das sind ganz wichtige Hinweise, die Sie da nennen. Tatsächlich scheint die Aufnahmefähigkeit (oder besser: das Textverständnis beim Lesen eines Textes) stark von mehreren Faktoren beeinflusst: Textgenre, Alter der/des Lesenden und Leseexpertise. Letztes kann unabhängig vom Alter ausgeprägt sein. Wichtig ist beim Alter jedoch die generationenspezifische Mediennutzung. "Born digitals" haben sich beim tablet Medienroutinen angeeignet, insb. durch Spiele und Chats und Videos, die auf schnelle Reaktion, Multitasking und kurze Taktung geprägt sind. Das ist so ziemlich das Gegenteil von vertiefter Lektüre.
    Das kann man jetzt bewerten, muss es aber nicht. Wer sagt eigentlich, dass diese über Jahrhunderte tradierte Praxis der vertieften Lektüre - die es in Realität kaum so geben wird, wie immer behauptet - überhaupt die bessere Form der Textrezeption ist. Vielleicht ist sie ein Überbleibsel aus der vordigitalen Zeit, über das man in 50 Jahren schmunzeln wird. Denn eines ist sicher: die Digitalisierung der Gesellschaft und all ihrer Teilbereiche - von Schulen über Verkehr bishin zu unseren privaten Nebenstundenlektüren - steht erst am Anfang.
    Ich schreibe gerade an einem Blogbeitrag zu dem Thema, anlässlich einer Studie zur Mediennutzung und einer Tagung zu sozialen Leseplattformen im Internet. Ich poste den Link hier, wenn ich ihn fertig habe.

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  • Uwe Seelinger

    Was Sie hier schreiben Herr Willand kann eigentlich der wbg nicht gefallen. Denn ein großer Teil des Verlagsprogramms funktioniert nur bei vertiefender Lektüre. Kant liest man nicht so nebenbei. Werfen wir diese Texte bald auf die Müllhalde der Geschichte? (was viele nur zu gerne tun würden). Der Lerneffekt beim Lesen beruht gerade darin, dass man sich länger mit einem Thema beschäftigt, darüber nachdenkt, reflektiert.

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