Denken - Eine Einladung

Jürgen Germann • 3 September 2021
13 Kommentare
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Eine Einladung

Ohne VERNÜNFTIGES DENKEN keine Wahrheitsfindung, kein Erkennen der Qualitäten von Mitmenschen, keine Wertschätzung und Liebe, ohne Ermittlung von Wahrheit der Wirklichkeit und (Un-)Taten keine Gerechtigkeit und Rechtsprechung, ohne Gerechtigkeit kein Gemeinwohl und kein Frieden – und ohne all diese Früchte des Denkens ist Leben in (aktiver wie passiver) Würde kaum möglich.

Jürgen Germann

2020-21


Das gesamte Exposé finden Sie als PDF-Download.

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Kommentare (13)

Helmut Essl

Entlang der Traditionslinie Aristoteles - Descartes - Kant - Habermas und darüber hinaus: eine fulminante Fleißarbeit, die Respekt und Anerkennung verdient. Hut ab!

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  • Marcin Lupa

    Der Dialog ist nicht der Wahrheit letzter Schluß, aber ohne Dialog läßt sich Wahrheit nicht ermitteln.
    Daher, vielen Dank für die Einladung zum Diskurs.

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  • Norbert KNOLL

    Vielleicht wäre es hilfreich, ehe wir mit dem Denken beginnen und potenzielle Gegenstandsbereiche für das Denken auswählen, ein Vorverständnis zu erzeugen, was denn nun das Denken wäre, wie es vor sich geht, wer wohl denkt, welcher besonderen Fähigkeiten und Werkzeuge es dazu bedürfe, welche Motive und Zwecke damit verbunden sein könnte.

    Vielleicht können Sie uns mit einer Klärung dieses so selbstverständlich klingenden aus der Alltagssprache wohlbekannten Begriffs weiterhelfen.

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  • Jürgen Germann

    Prüfen Sie selbst, ob ich Sie richtig verstanden habe und ob meine Auskünfte hinreichen oder anregen, weiter miteinander zu denken.
    Ein "Vorverständnis" zu suchen stellt schon den Beginn des gemeinsamen Denkens dar.
    Ihren Wunsch verstehe ich so: Was ist dieses als so "selbstverständlich" angenommene Denken? Es beruht auf allen sprachlichen Mitteln, die Sie (und wir) kennengelernt haben und zu nutzen verstehen ... und es arbeitet in Ihrem Bewusstsein als Leistung des Verstandes, der sich mit Realem in Welt, Empfinden und Bewusstsein beschäftigt, gepaart mit rückbesinnenden (reflektierten) Gedanken über Ihr Denken – und das Denken überhaupt (was man Vernunft nennen kann).
    Indem Sie Fragen stellen, Antworten wünschen oder geben, widersprechen oder zustimmen, weiter denken und eigene Gedanken formulieren, legen Sie mir und anderen etwas sprachlich v o n s i c h als Person vor, das nicht irgendwelche beliebigen Worte oder Wörter oder Zeichenfolgen darstellt, sondern ... sinnvolle, nachvollziehbare Gedanken, die andere mit denselben Mitteln wie Sie entschlüsseln (verstehen bzw. interpretieren) und weiterführen können.
    Dass wir dabei aus der Alltagssprache gedanklich heraus- und eintreten in die Welt des (philosophischen) Denkens, das die Wirklichkeit um uns herum und in uns nunmehr
    b e g r i f f l i c h zu fassen versucht, ergibt sich aus dieser Reflexion: wir gehen mit Gedanken um, wie andere z.B. mit Holz, mit Baustoffen und Steinen, Tier-Haaren und Pflanzen-Fasern textil-handwerklich oder mit Nahrungsmitten kochkünstlerisch umgehen und etwas Ganzes und Sinnvolles, Nützliches oder gar Schönes und Gutes herstellen. Wir gestalten mit Sprache Gedanken, Begriffe, Aussagen, Fragen, Aufforderungen und Bitten – zu unserem Dasein, Fühlen und Denken, ja schaffen ganze gedankliche Textwelten. Wir teilen uns also mit und teilen anderen das mit, was uns mitteilenswert, wichtig und notwendig erscheint.
    Eine Frage kann ich nicht beantworten – wer oder was der Ursprung | Formulierer und die Sinn-Quelle unserer Gedanken ist. Aber ich begnüge mich damit, dass es für uns Menschen als denkende und empfindende und wahrnehmende Wesen ausreicht, uns anderen mitteilen zu können.
    Deshalb erweitere ich den Grund-Satz "cogito, ergo sum" (über den man mehr als ein Dutzend Sätze schreiben kann) zu der Aussage: "ich denke, also bin ich mitteilungsfähig".
    Was hiermit eingelöst wird.
    Danke für Ihren Anstoß.
    JG

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  • Norbert KNOLL

    Danke, Anlass meines Kommentars war die Erinnerung an eine Vorlesung von Heidegger ("Was heißt Denken"). Ich habe nicht viel daraus mitgenommen, nur die Botschaft, dass man das Denken LERNEN muss. Das Denken scheint so eine Sache zu sein, die nicht vom Himmel fällt, eher eine Aktivität wie das Radfahren, das Kochen, das auf zwei Beinen gehen ... nur halt ohne dass in der physisch-materiellen Welt ein Ergebnis sichtbar würde. Die Ergebnisse sind wohl nur in der je eigenen Vorstellungswelt des Individuums, als vorsprachliches oder sprachlich etwas klarer strukturiertes allein dem Individuum selbst zugängliches Wissen von sich und der Welt da draussen. Jetzt haben wir kein Organ, das uns ermöglichen würde in die Köpfe der Anderen zu sehen, wir sind nicht geschult in der Kunst des Gedankenlesens und nur phantasierende Naturwissenschaftler, die sich der Erforschung der physisch-materiellen Welt widmen glauben ernsthaft daran, durch immer neue Messmethoden unserer Gehirne und Gehirnströme sichtbar machen zu können, was in unserer je individuellen Vorstellungswelt stattfindet.

    Die einzige Möglichkeit, um Einblick in die Köpfe anderer zu erhalten liefert uns die Verwendung von Sprache. (Ich vermute, das haben Sie gemeint mit der Erweiterung des Cogito um die Mitteilungsfähigkeit.) Damit setzen wir voraus, dass wir fähig sind, unsere Gedanken in Sprache zu "formulieren". Es muss zudem eine Sprache sein, die wir mit anderen teilen (Wittgensteins Argumente gegen eine Privatsprache sind für mich überzeugend). Leider ist diese "Aktivität des Formulierens in Sprache" auch etwas anderes als das bloße Übersetzen einer Vorstellung von einer Sprache in eine andere Sprache. Das Denken setzt also nicht nur voraus, dass wir eine Vorstellung von einem Gegenstand entwickelt, sondern dass wir sie in eine sprachliche Form bringen, die es andern ermöglicht, ohne gröbere Schwierigkeiten die gleiche Interpretation unseres eben erzeugten sprachlichen Ausdrucks zu finden, die wir selbst im Akt der Formulierung vor Augen hatten.

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  • Jürgen Germann

    Sie verwenden nicht identisch dieselben Wörter und Worte wie ich, und doch stimmen Ihre Darstellungen und Gedanken genau mit dem überein, was ich Ihnen geantwortet habe.
    Was zeigt und bewahrheitet, dass wir über dieselben sprachlichen Mittel verfügen und Aussagen des anderen verstehen.
    Sollte es zu Differenzen kommen, können wir auch diese formulieren bzw. an Formulierungen erkennen: uns bleibt auch die Freiheit der Interpretation, die selbst als voneinander abweichende Gültigkeit haben und Verständnis finden können. Wie arm wären unsere Welt und unser Geist, gäbe es nur e i n e und nur die richtige Interpretation!
    Die Mühen, sich verständlich auszudrücken oder anderen verständlich zu machen, sind unerlässlich, machen aber auch das Wesen aller Gespräche (nicht der banalen Plaudereien) aus. Und sicher ist unser Denken immer Ergebnis aller Bemühungen um Aussagen, Interpretieren und Verstehen, an denen Mitmenschen, Zeitgenossen und Autoren aller Art beteiligt sind – soweit wir etwas von ihnen eben an- und aufnehmen. Insofern halte ich es für angemessener, besser nicht von "sich seinen eigenen Verstandes ohne Anleitung anderer" zu bedienen zu sprechen, sondern offen anzunehmen, dass man ohne die Auseinandersetzung mit dem Denken anderer (Mitmenschen wie Autoren) kein verständliches – mitteilbares – Denken entwickeln kann.
    Andererseits: halte ich es nicht für nötig, sich auf die Autorität anderer Personen zu stützen und zu berufen, nur um die Geltung der eigenen Gedanken zu legitimieren. Ich vertraue auf die Kraft des eigenen Denkens und das der Mitmenschen, die sich im Gespräch erweisen lässt und bewähren muss – nämlich zu überzeugen und Zustimmung oder Widerspruch und Modifizierung und Weiterführung zu finden.
    Das heißt, Denken zu entwickeln statt zu lehren und zu dogmatisieren.
    Wir befinden uns ja soeben auch im Gespräch, das nunmehr ein weiteres Mal fortgesetzt ist und gerne weiter gehen kann, wenn Sie möchten.
    Mit freundlichem Gruß
    JG

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  • Norbert KNOLL

    Nur kurz zwei Anmerkungen an dieser Stelle, weil die Mittagspause nicht mehr zulässt.

    (A) "[...] Was zeigt und bewahrheitet, dass wir über dieselben sprachlichen Mittel verfügen und Aussagen des anderen verstehen."

    Ich habe dazu an anderer Stelle die Werkzeugkiste oder die Werkstatt als Metapher für die Sprache verwendet. Zahlreiche Handwerker nutzen dieselben Werkzeuge für verschiedene Anwendungen und Zwecke. Sie erzeugen auch gelegentlich neue Werkzeuge. Wenn wir ihnen bei der Arbeit zusehen, erkennen wir oft, wozu das eine oder andere Stück gut ist, wollen es vielleicht selbst einmal ausprobieren. Bei anderen Werkzeugen gewinnen wir den Eindruck, dass es für uns unbrauchbar ist oder auch, dass ein anderer Handwerker es auf eine gänzlich andere Art benutzt, als wir es gewohnt sind.

    Als ich mich vor Jahren an die Interpretation von Robinson Crusoe heranwagte, kam mir folgender Gedanke:

    "Für Robinson sind [in der 25-jährigen Robinsonade, allein auf der Insel] soziale Institutionen wie Geld, Begrifflichkeiten wie Macht und Herrschaft bedeutungslos geworden. Selbst die Sprache verliert ihre sozialen Grundfunktionen. In der sozialen Mitwelt ist Sprache das Werkzeug zur gezielten „Formulierung“ von Äußerungen, für die andere Individuen eine „Lesart“ finden und die sie sinnhaft interpretier. Sprache macht normalerweise eine Kontaktaufnahme mit andern und ein Einwirken auf andere möglich; eine gemeinsame Sprache zu finden, ist das erste woran Robinson nach der Rettung Freitags arbeiten muss. Eine von Individuen geteilte Sprache ist Voraussetzung für Verständigung, für den Austausch von Wissen; Sprache zu lernen, heißt auch Zugang zum Wissen und zu den sprachlich strukturierten Denkgewohnheiten der sozialen „Vorwelt“ früherer Generationen zu erhalten. Sprache ist – und das ist außerhalb der Robinsonade ganz natürlich – die Grundvoraussetzung dafür, dass ein Individuum auf andere Individuen seiner sozialen Mitwelt überhaupt einwirken kann und umgekehrt die soziale Mitwelt zurückwirkt." (Knoll, 2021)

    (B) "Andererseits: halte ich es nicht für nötig, sich auf die Autorität anderer Personen zu stützen und zu berufen, nur um die Geltung der eigenen Gedanken zu legitimieren. Ich vertraue auf die Kraft des eigenen Denkens und das der Mitmenschen, die [...]"

    In meinem Beitrag zum Schreibwettbewerb "Das Wissen zur modernen Hölle" (https://wbg-community.de/themen/wissen-zur-modernen-hoelle-kurzessay) finden sich ein paar versteckte Botschaften:

    Wie können wir überhaupt Erkenntnisse über einen Gegenstand gewinnen? Das meiste stammt nicht aus eigenen Primärerfahrungen sondern, sondern aus unserer sozialen Mitwelt. Wir übernehmen es von anderen Individuen. Das Problem ist dann aber wie zuverlässig diese Wissensquellen sind. Autorität (oder Reputation) des scheinbaren "Wissensgebers" hilft wenig, weil wir seinen Standort, seine Perspektive und seine Interessen oft nur unzureichend bewerten können.
    Hüte dich vor den Experten, die dir deinem eigenen Wissen überlegenes Wissen anbieten!! Die Arbeit des eigenen/eigenständigen Denkens bleibt einem nicht erspart.

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  • Jürgen Germann

    Und ein weiteres Mal: Sie formulieren, unabhängig von mir (und viceversa: ähnliche oder gleiche sowie weiterführende) Gedanken (wie meine), in Ihrer Sprache und Ausdrucksweise, die ich völlig verstehe und teile. Auch der letzte Satz: könnte | ist so oder ähnlich von mir gedacht und formuliert, und ich ergänze, vielleicht auch in Ihrem Sinn: ohne Eingehen auf die Gedanken und Sprache anderer ist eine Verständigung nicht zu erwarten (und auch kein Fortschritt ... im Denken).
    Was für eine erfreuliche Erfahrung!

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  • Norbert KNOLL

    "Sie formulieren, unabhängig von mir (und viceversa: ähnliche oder gleiche sowie weiterführende) Gedanken (wie meine), in Ihrer Sprache und Ausdrucksweise, die ich völlig verstehe und teile"

    Der Unterschied zwischen sokratischer Mäeutik und dozierendem Unterricht ist Ihnen sicherlich geläufig.

    Ich habe die letzten 20 Jahre als Evaluator gearbeitet. Zur Praxis des Evaluierens gehört es die Evaluierungsergebnisse den zahlenden Auftraggebern zu vermitteln. Wie lässt sich diese (von Evaluatoren oft vernachlässigte) Aufgabe bewältigen?

    Will man jemandem etwas vermitteln, dann muss man die Leute dort abholen, wo sie stehen. Anders wird Verständigung auf Augenhöhe nicht funktionieren.

    Solange ich bei Ihren Ausführungen "Kristallisationspunkte für eigene Ausführungen" finde und ich der Meinung bin, dass ich RELEVANTE Beiträge zur Differenzierung, Erweiterung oder Neuausrichtung des Gesagten liefern kann, werden Sie gelegentlich eine Antwort bekommen. Natürlich bediene ich mich dabei des mir geläufigen Vokabulars und der mein Denken tragenden Konzepte und Metaphern.

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  • Norbert KNOLL

    "ohne Eingehen auf die Gedanken und Sprache anderer ist eine Verständigung nicht zu erwarten (und auch kein Fortschritt ... im Denken)"

    Sie sprechen eines der Erfolgsgeheimnisse der Wissenschaften an.

    Die modernen Wissenschaften sind nur deshalb so erfolgreich, weil sie sich einer Arbeitsteilung bedienen und das auf viele Köpfe verteilte Wissen (zumindest theoretisch) für wissenschaftliche Diskurse zugänglich macht.

    Man folgt dem Motto: Zwei Köpfe wissen immer mehr als einer. und vielleicht kann auch ein Dritter noch etwas dazu beitragen, das den Zweien bisher verborgen blieb. So kommt es dann, dass die Publikationen, Konferenzbeiträge etc. von Leuten die im MIT, an der ETH Zürich oder an der chinesischen Universität von Irgendwo in den wissenschaftlichen Arbeiten eines Berliner Doktoranden - der mit einem neuen Ansatz die wissenschaftliche Welt revolutionieren will - einen Niederschlag finden.

    Das wäre also eines der offenen Erfolgsgeheimnisse moderner Wissenschaften, das nur allzu gern ignoriert wird.

    Letzteres liegt wohl an der praktischen Umsetzung, weil kein Mensch einen Überblick hat, wo bereits jemand brauchbare Forschungsergebnisse zu seinem Erkenntnisgegenstand produziert hat und - was mir noch wichtiger erscheint - die Fähigkeit des forschenden Individuums, zwischen brauchbaren Erkenntnissen und Müll (von dem es in den Wissenschaften mehr gibt als man glauben möchte) zu unterscheiden, voraussetzt.

    Das Modell des in Kontemplation versunkenen Genies hat ausgedient, selbst wenn aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Denken einer herausragenden Figur (mir fiele da Kant, Peirce, Husserl und Wittgenstein ein) so manches unentdeckte Juwel zu einem Schmuckstück verarbeiten ließe.

    Ein letztes Wort noch zur Arbeitsteilung bei der Generierung von Wissen. Wir müssen uns leider eingestehen, dass kein Mensch auf der Welt allwissend ist, sondern alle nur über Puzzleteile verfügen, die sich bestenfalls zu Fragmenten eines größeren Bildes zusammenfügen lassen.

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  • Jürgen Germann

    Lassen Sie uns ein paar Gedanken weiter entwickeln, indem ich zunächst meine Fragen dazu stelle - sie sind keine rhetorischen oder Lehrer-Fragen, sondern Ausgangspunkt von möglichen weiteren Einsichten. Jedenfalls habe ich keine fertigen und endgültigen Ansichten dazu.–
    Wieso liegt es im Interesse eines Menschen, zu denken, zu lernen und sich und sein Denken zu entwickeln?
    Wieso ist das sog. Wissen (allein?) so wichtig? Was fängt jemand mit "all dem Wissen" an? Und wem nützt welches Wissen? Wie erwirbt oder bildet man Verständnis?
    Wieso begnügt man sich immer wieder mit (zu engen, künstlichen) Begriffs-Abstraktionen [z.B. "d a s Wissen", "die Politik", "die Demokratie"] und unzulänglichen, ja falschen Verallgemeinerungen (in Aussagen wie "alle Werte und alle Moral ... sind mit Absolutheitsanspruch ... verbunden" [stimmt das? wo sind die Definitionen und Belege dafür?], "wie die Geschichte lehrt" [es "lehren" und ziehen sehr unterschiedliche Lehren allenfalls Historiker und Publizisten sowie Zeitgenossen und Lehrende aller Art].

    "Wissenschaft ist nützlich" (für wen? inwiefern? immer und überall? - und wer treibt welche Wissenschaft warum, wozu und wie?).
    Warum ist ein Teil von Wissenschaft(lern) nicht in der Lage, den Nutzen, Wert und Sinn ihrer Tätigkeit zu "vermitteln",
    v e r s t ä n d l i c h zu erklären oder zu begründen, warum sie solche Forschung – und wem wie zugute kommt – treiben?
    Was | welche sind jeweils Maßstäbe für "wichtige Werke der Literatur und Kultur und politischen, philosophischen, ästhetischen Schriften" und ihre Qualitäten? Wer darf die Deutungshoheit darüber beanspruchen - ausschließlich?
    Wieviele und welche Werke "muss" (?) man (?) gelesen haben?
    Wozu?
    Wieviele Schöpfungen eigener und fremder Kultur(en) muss (?) man kennen? Wozu?
    Was versteht wer unter "Bildung"?
    Für mich sind diese Fragen Ausgangspunkte für die Suche nach Antworten, die nicht nur wertend "(ab-)urteilen", sondern sich mit Wissen(Erwerb), Verständnis (Hermeneutik) und Sinnhaftigkeit und Nutzen (Pragmatik) verbinden: in Austausch mit anderen Menschen und Bewährung in der Praxis.
    Dem meisten von Ihnen Formulierten stimme ich ganz zu.
    Mäeutik versus Dozieren, Mosaik versus Allwissen (was fängt man aber damit an?) - wichtig ist jedenfalls, dass wir uns geistig, praktisch und ethisch bewegen und bewähren.–
    Was haben Sie als Evaluator begutachtet, bewertet und ... weitergegeben? Intendiert? Bewirkt? Das interessiert mich.
    JG
    P.S. ... auch als private Nachricht mitteilbar ...

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  • Norbert KNOLL

    Das sind viel zu viele Fragen auf einmal. Meine Mittagspause ist kurz! Begnügen Sie sich mit einem Antwortversuch auf die erste Frage: „“Wieso liegt es im Interesse eines Menschen, zu denken, zu lernen und sich und sein Denken zu entwickeln?“

    Ich behaupte: Jedes menschliche Individuum ist zuallererst einmal ein „handelndes“ Wesen, das ein ganzes Leben lang gefordert ist, auf seine Umwelt (bestehend aus physisch-materieller Welt & mit anderen Individuen geteilter sozialer Mitwelt) einzuwirken und gleichzeitig den Einwirkungen dieser Umwelt ausgesetzt ist.

    Mit der Fähigkeit eine individuelle Vorstellungswelt zu entwickeln (in der sich Aktivitäten des Denkens abspielen), erweitert das Individuum seinen Spielraum auf die von außen kommenden Einwirkungen zu antworten.

    Ohne Denken gäbe es für mich in meinem Leben nur Versuch-und-Irrtum, ich – so wie alle anderen menschlichen Individuen auch – wäre dazu verdammt – so wie „Automaten“ oder einfache Lebensformen – zu „re-agieren“; die Umwelt würde alle Antwort des Individuums als ein bloßes, fest vorgegebenes, Sich-Verhalten“ DETERMINIEREN.

    Das würde zu einem Menschenbild passen, das von Behavioristen, Biologisten sowie von Materialisten (die sich Menschen als den einfachen Gesetzen der Mechanik gehorchende Maschinen vorstellen) vertreten wird.

    Das Denken macht also erst Handeln möglich, das über bloßes Reagieren hinausreicht; [Die Reduktion des handlungsfähigen Menschen auf bloß reagierendes Verhalten beruht auf einem Denkfehler unangemessener Anwendung / Übertragung kausaler Denkmuster (die in der materiellen Welt durchaus Berechtigung haben) auf die innere Vorstellungswelt].

    Das Denken erlaubt dem Individuum seinem Tun und Unterlassen eine eigene Richtung zu geben, sich Handlungsentwürfe in der Vorstellungswelt auszudenken und dann eine Auswahl zwischen mehreren Optionen zu treffen.

    So ist für mich der handelnde Mensch ohne den denkenden Menschen nicht möglich, gleichzeitig aber seine Voraussetzung. Handeln & Denken konstituieren sich gegenseitig.

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  • Jürgen Germann

    Dem kann ich zustimmen. Vielleicht auf ein andermal: weitere Fragen, die wir uns | einander stellen und auf die wir Antworten entwickeln.

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