DEMOKRATIE – EIN SCHWAMMIGES ALLERWELTSWORT? WELCHE DEMOKRATIE MEINEN SIE DENN?

Jürgen Germann • 1 August 2021
9 Kommentare
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DEMOKRATIE EIN SCHWAMMIGES ALLERWELTSWORT?

WELCHE DEMOKRATIE MEINEN SIE DENN?

DEMOKRATIE – zu schwierig für uns, den „Demos“?

Wir sind das Volk! – und was noch?! können wir als Bürgerinnen und Bürger beitragen?

DEMOKRATIE EINE ZUMUTUNG?

 

DEMOKRATIE VIEL ZU ANSPRUCHSVOLL, UM WIRKLICH

BETRIEBEN ZU WERDEN?

 

DEMOKRATIE NICHTS FÜR BEQUEME KONSUMENTEN, DIE

KEINEN GEMEINSINN UND ZU WENIG AKTIVITÄT FÜR DAS

GEMEINWOHL ZEIGEN

––––––––––––––––

Eine Anregung zum VERSTÄNDNIS des politischen Projekts „Demokratie“

Was verstehen wir unter „Demokratie“ bzw. welche Art von Demokratie muten wir uns und unseren Mitbürgern zu?

Wenn wir uns nicht um Definitionen oder „die besten Demokratie-Modelle“ streiten wollen, kann ich mir folgende Herangehensweise vorstellen:

 

1. Was so gemeinhin unter Demokratie verstanden wird (nur die üblichen Definitionen mit Merkmallisten bereitstellen: Elemente der D. ...)

 

2. Die Praxis in unserer (demokratischen) Welt: wie wird Demokratie gehandhabt |

wahrgenommen | praktiziert? Eine kritische oder modellartige Real-Bestandsaufnahme [vermutlich umfangreich].

 

3. Danach fragen wir nach unserem Menschenbild und

 

a. in welchem Maß ist Bürgerbeteiligung an der res publica à erforderlich, wünschenswert, sinnvoll, möglich? (erfordert ein explizites „Menschenbild“)

 

b. Welche wahl- und stimmberechtigten Personen mit welchen Kompetenzen (Bildung, Informationsgrade, Gemeinwohl-Interesse und -Einsatz) und

 

c. welches Staatspersonal mit welchen Fähigkeiten, Legitimation, Zuständigkeiten, und Befugnissen und Gemeinwohl-Leistungen ist vorhanden (nachweislich: in Kommunen, Ländern und Gesamtstaat – vor allem bereits vorhandene Bürgerinitiativen, Bürgerforen, Bürgerräte) und

 

d. wie wird der Nachwuchs – wie und wo und von wem? – darauf vorbereitet, unterschiedliche Belange des Gemeinwesens treuhänderisch wahrzunehmen bzw. als Nachwuchs und Bürger zur Kenntnis zu bekommen, zu verstehen und zu beurteilen?

 

e. Was fehlt unserer oder uns an der derzeitigen Demokratie? Kritik, Vorschläge!

 

Und dann? Möglich wäre die Erstellung einer undogmatischen, realistisch-pragmatischen (machbaren), nichtutopischen, aber auch nicht-resignativen Skizze für eine Bürgerbeteiligung, der sich freiwillig durch Zustimmung beliebig viele (oder wenige) Bürger anschließen – und nicht deren Durchsetzung erzwingen, sondern allesamt durch ihre Mitwirkung dazu beitragen, dieses Demokratie-Modell wirklich werden zu lassen, also selbst aktiv zu realisieren.

 

Stimmt: implizit unterstellt dieser Vorschlag, dass es nicht immer und nur organisierte Interessen, Macht, Funktionäre und Amtsposten braucht, um etwas Gutes, Sinnvolles und Wichtiges zu realisieren.

 

Und: wir sollten nicht unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten ignorieren oder leugnen.

 

Einfach gesagt: solche Art von Demokratie könnte ein Experiment werden, mit ähnlichen Horizonten, aber auch (nötigen und sinnvollen) Einschränkungen wie andere große (auch nicht nur gelungenen Versuche) der Menschenrechte, Freiheiten, der Mobilität und des Fortschritts.


EXPOSÉ ZU

 

2. INFORMATIONS-PROJEKT ARCHIV BÜRGER-THEMEN

Sie alle wissen ja: es gibt zur INFORMATION genügend Medien, und Sie nutzen sie

auch – Zeitungen, Zeitschriften, Fernseh-Sendungen, das Internet und WIKIPEDIA,

GOOGLE und STARTPAGE und andere Suchmaschinen, Lexika, Bibliotheken,

Fachliteratur und Fachleute.

 

Sie kennen auch die Schwierigkeiten mit den Informationen und Informanten:

 

Die geringe Zeit, die man einem Thema widmet, weil es angeblich kein

größeres Interesse dafür gibt

 

Die oft unzulänglichen, oberflächlichen und interessegesteuerten

„Informationen“

 

unverständliche und viel zu oft wenig wirklich aufschlussreiche Kundgabe

von nützlichem Wissen und richtigem Verständnis

 

das Wissen und noch mehr das Verständnis der Zusammenhänge verfliegen

innerhalb von Stunden und Tagen

 

Mein Vorschlag: Möglichkeiten sachkundiger (Ab-)Hilfe zu schaffen, um den

Informationsgrad und die Urteilkraft sachinteressierter Bürger zu heben

 

1. Sachkunde für Bürger | Laien findet sich zuerst und in großem Maße bei

berufsgebildeten Fachleuten. Sie sollten als erste den Auftrag wahrnehmen, das

sachinteressierte Laien-Publikum über wichtige und große, komplexe Themen

aufzuklären, das heißt: angemessen mit Wissen und Verständnis der

Zusammenhänge zu versorgen.

 

2. Dazu geeignete Medien sollten nicht allein die öffentlich-rechtlichen bzw.

privaten Print-, Rundfunk-, TV- und Internet-Medien sein, sondern zusätzlich

allgemein erreichbare Web-Seiten und pdf-Download-Dateien von Behörden,

Ämtern, Ministerien und Staatsorganen sowie Vereinen, Verbänden und

Organisationen, u.U. auch von Firmen.

 

3. Die SachKunde für Bürger sollte in sorgfältig ausgearbeiteten, in Umfang und

Komplexität gestuften Modulen (Bausteinen) auf 2 bis zu 4 – in ihrer Komplexität

steigenden – Niveaustufen geboten werden.

 

4. Dabei ist auf vier maßgebliche Qualitäten zu achten:

a. Sachrichtigkeit, b. erläuterte Zusammenhänge, c. dem Thema angemessene Komplexität ebenso wie d. Verständlichkeit. Modulare Niveaus können sein: (I) grundlegende Basis-Kenntnisse; (II) Aufbau-Wissen und Erläuterungen zum Verständnis der Zusammenhänge; (III) zusätzliche kritische Reflexion und Erörterung von Problemen und Alternativen, (IV) Ausblicke, Erweiterung des Horizonts durch kritische Stellungnahmen.

 

5. Solche inhaltliche Kompetenzerhöhung von Bürgern kann dazu beitragen, dass

eine große Zahl von Angehörigen des Gemeinwesens BRD nicht nur besser im

Bilde über die Dinge und Realitäten der res publica wären, sondern aufgrund von

erhöhter Urteilskraft fester zum ihrem Staat stehen, aber auch politisch und sozial

fairer zu urteilen und anspruchsvoller mitzusprechen und mitzuwirken vermögen.

 

6. Es wäre an der Zeit, bei all dem Reichtum an Wissens-Ressourcen,

Wissenschaften und Medien nun endlich deren Früchte angemessen unter die

Menschen zu bringen, die daraus Nutzen ziehen wollen und können.

 

Die Gegen- bzw. Eigenleistung von Bürgern

 

7. Ich halte es für zumutbar, dass Bürger sich solch einer neuen Form der

BürgerSachKunde | Archiv Bürger-Themen annehmen, indem sie sich um

dargebotene Sach-Kunde bemühen und kümmern, also die Dinge aus eigenem

Antrieb studieren, sich zunehmend Sachkompetenz aneignen, dazu erforderliche

Bildung mitbringen oder nachholen und den kompetenzerweiternden Dialog mit

Fachleuten, Amtsträgern und anderen Bürgern suchen und führen.

 

Die Kombination

 

Das große Anliegen BürgerSachKunde | ABT benötigt die Verbindung von 4 Ebenen

 

(1) Initiatoren, Mitarbeiter, die Themen und Ziele formulieren. In der Regel

Bürger, die BSK | ABT einfordern.

 

(2) Autoren – Fachleute aus Institutionen, Behörden, Ämtern, Ministerien,

Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft, die modulare Einheiten über brennende

aktuelle Fragen und zentrale Themen erstellen: erstklassige kurze bis

ausführliche Informationen. In der Regel Experten, Fachleute, Sachbearbeiter,

Rechercheure.

 

(3) Kontrolle, Supervision, intensiver Austausch zwischen Personal aus 1 und 2

 

(4) Zusätzlich: Nutzung bester Informationsquellen, u.a. wikipedia und

anspruchsvolle Bürger-Services der Institutionen.

 

Die Publikation -> Verbreitung unter Bürgern in geeigneten Formen (via

Internet), Formaten (Kompendien, Broschüren) und Foren (Zusammenkünften und

Medien) – alle unter dem Obertitel „Archiv Bürger-Themen | Bürgersachkunde“

 

Die Dokumentation der Aktivitäten in kürzestmöglicher Form (Archiv und

Rechenschaft).

 

Das wäre ein qualitativer Beitrag zum Thema „Beteiligung der Bürger am

Gemeinwesen“ – Demokratie.

 

THEMEN – hier verkürzte Liste aus 4 Seiten detaillierter 12 Vorschläge

 

KOMMUNEN

Wasserversorgung und Abwasser die kommunalen Wasserversorger und Abwasser-Kläranlagen

unsere lokalen Märkte jeder (Super-)Markt am Ort | Einzelhändler |

 

REGION

Bevölkerung – Arbeit – Einkommen

 

BUNDESLAND

Unser Staat, seine Finanzierung, seine Leistungen

Demokratie, Föderalismus, Rechtsstaat: eine kleine Bürgerkunde auch für junge Leute

 

BRD

Staat: Steuern, Haushalt, Politik und Verwaltung

Medien – ihr Nutzen, ihr Gebrauch, ihre Kehrseiten, ihre Gefahren – umsichtiger Umgang mit Vermitteltem aus zweiter Hand

EUROPA / EU / WELT

Chemische Kunststoffe –Produkte – Nutzen und Schäden

Weltbevölkerung, Weltenergie, Weltressourcen, Welternährung und (Welt-)frieden und

Welt-KLIMA

 

Die Themenvorschläge sind exemplarisch gemeint und in Erfahrungen begründet, die sie mir in den letzten Jahrzehnten als Desiderate für junge und erwachsene Bürger erscheinen ließen.

Die verantwortungsbewusste Erstellung von Dossiers, Kompendien, Broschüren und Handreichungen würde primär kompetenten Organen, Behörden, Ministerien und Fachleuten obliegen, die sich aber bisher wenig um solche bürger-dienlich aufbereiteten Themen gekümmert haben. Medien, Parteien und Politiker haben wiederum andere vorrangige Interessen.

 

Es ist m.E. nicht Aufgabe einer Einrichtung / Person allein (Schule, Universität, Institution, Partei ... Organisation ...), hier Abhilfe zu schaffen.

 

Vielleicht wäre die wbg-Gemeinschaft ein gesellschaftliches geistiges Kraftzentrum, sich darum zu kümmern.

 

J. Germann, 2021

Kommentare (9)

Jürgen Germann

Lieber Herr Jacob,
vielen Dank für die Aufnahme meiner zwei "Demokratie"-Anregungen in die Themen-Beiträgeliste.
Der wbg-community wäre ich sehr dankbar, wenn Sie mir Kommentare zu diesen Vorschlägen zukommen lassen würden.
J. Germann

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  • Helmut Essl

    Zwei ziemlich nüchterne Kernzitate zur Demokratie und eine desillusionierende Nachbemerkung:
    a) Demokratie ist Herrschaft auf Zeit. Theodor Heuss

    b) Demokratie ist eine Verfassung, die die Möglichkeit eines friedlichen Regierungswechsels impliziert. Karl R. Popper

    c) Henry A. Kissinger hat einmal gesagt, die einzige Qualifikation, die ein Politiker in einer Demokratie benötige, sei die Fähigkeit, eine Mehrheit zu gewinnen. Und das spült dann Typen wie Trump, Bolsenaro und Orban nach oben. Siehe aber a) + b).

    Damit ist in nuce das Wesentliche gesagt!

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  • Jürgen Germann

    Vielen Dank für die Anregungen in nuce!
    Es wäre wirklich bequemer, in nuce zu verharren und der Welt ihren Lauf zu lassen. Ich hoffe immer noch, dass viele Beiträger ihre Früchte zum Baum der Demokratie tragen.
    Mag paradox klingen: die Früchte der Demokratie sind jene Personen, die als Bürger ihren Teil dazu beitragen.

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  • Helmut Essl

    Die Beiträger sind zunächst diejenigen, die als fertil Handelnde die unfähig Herrschenden abwählen. Das erfordert natürlich eine gewisse Erkenntniskompetenz, um in Ihre Richtung zu argumentieren.

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  • Marcin Lupa

    Die unfähig Herrschenden abzuwählen macht erforderlich, dass die unfähigen Beherrschten eine Mehrheit bilden, die dieses Ziel verfolgt. Die Mehrheit in unserem Staate sind aber niemals die denkenden und überlegt handelnden Menschen. Vielleicht ist das ein Fehler der Demokratie. Dass sie eben von dort rekrutiert, wo kein Sachverstand vorhanden ist?

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  • Jürgen Germann

    Und wenn es deshalb eben genau dieser Anstrengungen seitens einer (denkenden und verantwortungsbewussten) großen Minderheit bedarf, um Fähige und Gemeinwohl-Bewusste für politische Funktionen und Ämter zu rekrutieren?
    Und zugleich die | eine ausreichende | Mehrheit in die Lage zu z i e h e n , als Teilhaber der Souveränität sachgerecht und fair zu urteilen, zu entscheiden, zu handeln und zu wählen?

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  • Marcin Lupa

    Genau diese Anstrengungen sollten unternommen werden. Weiterhin und auch im Sinne Ihres Beitrags verstärkt und mehr.

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  • David Zucker

    Sehr geehrter Herr Germann, ich habe mit großem Interesse Ihren Beitrag gelesen und versuche diesen nachzuvollziehen und beginne mit der Frage: wozu? Nicht für mich, denn ich glaube daran, dass Ihre Ideen absolut richtig sind, aber ich glaube und befürchte, dass sich demokratische Systeme derzeit so entwickeln (in den allermeisten Fällen), wie es das Volk wünscht. Auch Unwissenheit ist mitunter gewünscht und solange es RTL II gibt, Dschungelcamps und Dumm-Shows, so mag sich deren Zuschauerschaft nicht an demokratischer oder politscher Bildungsanstrengung beteiligen. Die Latte des Wollens würde zu hoch liegen... ich hoffe, ich liege falsch, aber meine Befürchtung sieht so aus. LG. David

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  • Jürgen Germann

    Sehr geehrter Herr Zucker,

    vielen Dank für Ihre Mühe und Ihren Kommentar!
    Was die realistische Einschätzung der tatsächlichen Lage betrifft, haben Sie (wohl leider) mit Ihrer Analyse Recht – auch zu den Motiven einer großen Zahl von MitBürgern.
    Was ich – mit der Hilfe und Kraft von anderen Zeitgenossen – zu ermitteln versuche:
    1. Wieviele Menschen wollen m e h r und anderes als das bisher Übliche an Demokratie? (immerhin haben sich seit 1970 hunderte von Bürgerinitiativen und Kreise von Interessierten gebildet, die aktiv zur D. beitragen möchten; auch Bürgerräte, Bürgerforen, Kommunitarier und viele lokale Aktivitäten; und in manchen Leserbriefen blitzt doch ein erstaunliches Potenzial an Sachkunde auf)
    2. Was ist das Gewünschte und Erforderliche an (mehr) Bürgerbeteiligung?
    3. Und wieviel eigenen Einsatz (an Bildungs- und Informations-Bemühungen) sind Zeitgenossen dafür bereit zu leisten?
    4. Und auf welchen Wegen findet der Austausch und die Weitergabe statt?
    Könnte es da nicht Funken geben, die frei (-willig) überspringen? - ohne "Feuer"-Kampagnen!
    Da ich kein Alarmist, Aktivist und Eiferer bin, kann ich kaum damit rechnen, dass aus meinen Anfragen und Vorschlägen eine maßgebliche Bewegung i n oder seitens der Bevölkerung entsteht.
    Aber: W e r kann denn bewusste Mitmenschen daran hindern, sich durch geeignete Kooperation so viel
    K o m p e t e n z anzueignen, dass man den politische Parolen, Leerformeln und Versprechungen eigene, taugliche Urteilskraft entgegensetzen und anspruchsvolle Vorgaben für „die Politik(er)“ äußern und einfordern kann?
    Denn was nützt ein [Bürger-]Souverän, der bei kleinsten Seegängen seekrank umkippt, statt wie ein Seemann an Deck zu bleiben, klug und wirkungsvoll zu handeln und standzuhalten, wenn es stürmt? (Diese Metaphorik zur Abkürzung einer langwierigen Argumentation).

    Eine Kooperation mit Personen wie Ihnen wäre mir lieb.

    Mit freundlichem Gruß
    JG

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