Dankbar?

Stefanie Heidenreich • 15 Februar 2021

Dankbar bin ich...

..., dass ich als erste Frau meiner kompletten weiblichen Vorfahren studieren konnte (eher: "durfte").

..., als eine der ganz wenigen Frauen von ihnen überhaupt ausgebildet zu sein.

..., dass ich als Einzige dieser Wenigen meinen Beruf selbst wählen durfte.

..., dass ich als Erste dieser Frauen finanziell unabhängig bin von einem Mann.

..., dass es bei der Geburt meines Kindes niemanden interessierte, ob ich mit dem Vater verheiratet sei.

..., Vollzeit zu arbeiten, auch als Mutter, und niemand findet es fraglich. Oder vielleicht doch, etwas schon noch, ein bisschen "Rabenmutter" bin ich schon in mancher Augen und fühle mich manchmal auch selber so, da nehme ich mich nicht aus. Die Frage nach Teilzeit stellt sich aber nur mir, dem "Rabenvater" nicht.

Vielleicht bin ich doch nicht so emanzipiert wie ich dachte: Wenn ich doch so dankbar bin für meine Ausbildung, wie normal kann sie dann sein? Wenn ich ein schlechtes Gewissen habe, dass ich als Mutter viel arbeite, wie gleichgestellt bin ich denn dann?

Sollte man dafür dankbar sein, was einem zusteht? Es ist eher ein Recht, ein Recht auf Ausbildung und Arbeit und eigene Lebensplanung, ein Recht für jeden Menschen, in jedem Teil der Erde. Davon ist die Menschheit (noch) weit entfernt. Und dann bin ich irgendwie doch dankbar... 

 

 

Kommentare (2)

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