Christian Wendt, Sine fine

Luca Rosenboom • 22 Juni 2022
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Christian Wendt, mittlerweile Professor an der Ruhr-Universität Bochum, hat mit dem Buch „Sine fine“ (dt.: Ohne Grenze(n)) ein Buch – seine Dissertation – über die Entwicklung der römischen Außenpolitik der späten Republik bis in den frühen Prinzipat herausgebracht.

Das Buch gliedert sich chronologisch in drei wesentliche Teile: Die Zeit von Pompeius bis Octavian; so dann die Politik des Augustus in der res publica restituta, woraufhin der Prinzipat bis zum Ende der iulisch-claudischen Dynastie weiter analysiert wird.

Das erste Kapitel, welches sich mit dem Ende der res publica beschäftigt, analysiert die Neuordnung des Ostens, die im Wesentlichen von der Agonalität der führenden Politiker (Pompeius/Caesar; Antonius/Oktavian) geprägt war. Dabei misst Wendt dem Osten eine Stoßkraft zu, wie sie kaum von anderen Teilen des Reiches gegeben werden konnte. Zahlreiche Klientel sorgten bspw. für einen massiven Aufstieg des Pompeius, der darauf bedacht war, sich einen Platz in Rom selbst zu sichern. Wie genau ging dies von statten? Welcher Mittel bediente er sich hierfür? Wendt liefert uns einen ausführlich und quellentreuen, d.h. abgewogenen, Blick in das damalige Politiker- bzw. Feldherrndenken. Bisweilen aber erscheinen die Synthesen zu vorschnell: Zu Pompeius schreibt er in Angesicht der Vergrößerung seiner Macht, er habe dafür nicht „originär römische Politik“ (S. 27) betrieben und listet Merkmale auf, die gerade die römische Politik ausgemacht haben wie z.B. die Autorität, Würde und der Ruhm. Seit Marius – und in Teilen auch schon davor – waren die ‚großen‘ Feldherren darauf bedacht, sich Macht zu erhaschen, indem sie u.a. Soldaten und Klientel akkumulierten. Nichtsdestotrotz ist die Analyse stichfest und überzeugend dargestellt.

In den folgenden zwei Kapiteln geht es um Augustus und den Prinzipat. Wie verstand Augustus den Prinzipat? Was musste er tun, um die Macht zu konsolidieren? Die Etablierung des Prinzipats nimmt einen großen Stellenwert ein; beleuchtet dabei immer wieder die Maximen, die Augustus verfolgt hat, um sich seiner Macht zu vergewissern. Immer wieder zum Vorschein kommen dabei die Klientel im Innern sowie im Äußeren des Reiches. Die Fürsorgebeziehungen, die zu pflegen waren, um Aufständen und Unruhen aus dem Weg zu gehen, spielten für die Außenpolitik – und somit auch für die Innenpolitik – eine wichtige Rolle. Dies führt auch zu dem wesentlichen Inhalt des Buches: Außenpolitik sei immer auch innenpolitisch motiviert gewesen. Wenn aber die die Außenpolitik so stark mit der Innenpolitik verflochten ist, ja nahtlos übergeht, verliere die Außenpolitik quasi ihren Inhalt. Dies aufzuzeigen anhand vieler Fallbeispiele, ist ihm sehr gut gelungen, wenn auch kontroverse Inhalte beleuchtet wurden, über die man – wie es aber in der Geschichte sein muss! – streiten kann.

Insgesamt ist es ein lehrreiches Buch, das reizt, sich tiefer mit dem Thema zu beschäftigen. Zudem stellt es vor der gegenwärtigen Kriegssituation auch ein lehrreiches Konzept über die Verflechtung von Außen- und Innenpolitik für das ‚Jetzt‘ dar (klar: es lässt sich kein direkter Vergleich ziehen). Es hat sich in einigen System auf der Welt jedoch nicht viel geändert, wenn wir bedenken, dass die Zeit der späten Republik eine der ‚großen Einzelnen‘ war, die darauf gepocht haben, ihre Macht zu festigen und sich des Gemeinwesens zu bemächtigen. Lediglich die Rahmensituationen (Rechte, Gesetze etc.) waren andere. Zumindest ist es interessant, das Denken und die Absichten tiefergehend zu analysieren im Rahmen der Möglichkeiten.

Kommentare (1)

Merchan Agaricus

Lieber Luca,

erneut gelingt Dir eine sehr schöne Rezension eines Buches mit Themen, die sich dank ihr auch einem Laien wie mir erschließen.

Bezeichnend finde ich die Kombination des Begriffes "res publica", was ich jetzt frei mit "Sache des Volkes" übersetze und Deiner Feststellung, die Zeit der späten Republik sei eine der "großen Einzelnen" gewesen.
Das bringt mich in diesem Zusammenhang auch in Parallele zu unseren Staatsformen auf einige Gedanken. Ob wohl die gut gemeinte Demokratie nicht tatsächlich eine Plutokratie ist, bei der das einfach Volk, der arbeitende Mensch, etwas Einfluß darauf hat, welche Plutokraten herrschen, während sie tatsächlich nur die Handlanger der waren Herrscher aus der Wirtschaft sind.
Es sind dies alte Gedanken von mir, die gerne wieder emporkommen können. Beschäftigen tue ich mich damit nicht mehr, längst hat sich politisch eine resigniertere Lebensweise bei mir eingestellt. In der Philosophie wäre es der Weg der Skeptiker.

Herzliche Grüße
Merchan


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