Caught somewhere in time - Meine früheste Kindheit in Polen

Merchan Agaricus • 8 Februar 2022
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Anfang der 1970er Jahre gab es eine starke Demokratiebewegung in Polen. Bereits in der Mitte der 1970er Jahre verschärfte sich die Wirtschaftslage und das durch Kredite der Bundesrepublik Deutschland losgelöste „kleine Wirtschaftswunder“ endete. 
Es kam zu Protestbewegungen innerhalb Polens und zu Streiks, als die starke Rezession einsetzte. Diese wurden blutig niedergeschlagen, so dass es zu Todesfällen kam.

In diese gefährliche Zeit in Polen bin ich hineingeboren und wuchs in einem Haushalt auf, der sich dem Aktivismus im Widerstand verpflichtet hat. 

Die sich weiterhin verschlechternde wirtschaftliche und soziale Lage des Landes sorgte in der Bevölkerung für steigenden Unmut und führte im August 1980 zu einer massiven Streikwelle. Es kam zur Gründung der unabhängigen Gewerkschaft „Solidarnosc“, die für Kooperation und Solidarität einstand und die bisher zersplitterte illegale demokratische Opposition vereinte. Auch meine Eltern traten in die Gewerkschaft ein. 
Die herrschende kommunistische Partei (PVAP – Polnische Vereinte Arbeiterpartei) musste schließlich den Gewerkschaftsbund legalisieren und beobachtete daraufhin innerhalb weniger Monate einen Zuwachs von über 10 Millionen Mitgliedern bei ihm. 
Für die PVAP und die sowjetische Führung, deren Vasal sie war, war dies eine Bedrohung des Herrschaftsanspruchs des Regimes. 
Das Politbüro der KpdSU in Moskau verlangte von Warschau „die Ordnung im Lande“ wiederherzustellen.

An die Macht kam alsbald General Wojciech Jaruzelski und wurde Regierungschef. Mit seiner Amtsübernahme wuchs der Einfluss des Militärs auf die Partei und den gesamten Staatsapparat. Zusammen mit Moskau wurde als nächstes ein Propagandakonzept ausgearbeitet: die sowjetische Militärführung sollte mit einer Invasion drohen, damit das Kriegsrecht als „kleineres Übel“ von den eigenen Landsleuten und auch vom Westen akzeptiert werde.
Am 13. Dezember 1981 schließlich – bis dahin glaubte die Bevölkerung Polens den erwähnten Bluff – wurde in Polen das Kriegsrecht verhängt. Insgesamt 70000 Soldaten und 30000 Beamte der Bürgermiliz kamen dabei zum Einsatz und kontrollierten mit Panzern die Straßen. 
Die gesamte Führung der Solidarnosc, sowie zahlreiche oppositionell eingestellte Intellektuelle wurden inhaftiert. Der Gewerkschaftsbund wurden erneut verboten. Meine Eltern traten in den Untergrund. 
Wichtige Einrichtungen wie Behörden, Produktionsbetriebe sowie Rundfunk und Fernsehen wurden vom Militär besetzt. Die Fernsehnachrichten verlasen Offiziere in uniform. Schulen und Universitäten wurden geschlossen. Für das ganze Land galt eine Ausgangssperre. 

Insgesamt wurden unter dem Kriegsrecht rund 10000 Personen interniert. Kinder von vielen politischen Häftlingen wurden in Heime gesteckt. Diese Angst hatten auch meine Eltern um mich. 
Dutzende von Oppositionellen wurden ermordet, darunter ein befreundeter Abiturient und ein befreundeter Priester, Jerzy Popieluszko. 
Das Kriegsrecht führte zu einer Emigrationswelle von Polen mit Hochschulbildung, über 30000 von ihnen verließen das Land in Richtung Westen. Beim Abebben der Welle 1984 auch meine Eltern und ich. 
Doch die Wirtschaftslage verschärfte sich weiterhin, bald fehlte es an Grundnahrungsmitteln. Auch brach die Grundversorgung mit Medikamenten zusammen. 
Das Bruttoinlandsprodukt ging um ein Viertel zurück, das Wirtschaftsministerium verringerte die Subventionen für Lebensmittel und Energie, was zu einer Verdoppelung bis Vervierfachung der Kosten für den Verbraucher führte. 

Der Untergrund arbeitete unterdessen auf Hochtouren mit Untergrundsverlagen, die die Bürger informierten, Nachrichten und Meinungen aus dem Westen rekurrierend. Dazu kamen Auslandsbüros der Solidarnosc und ein inoffizielles Hilfswerk für Angehörige von Internierten. 
Am 31. August 1982 protestierten in Warschau 120000 Menschen gegen das Kriegsrecht. Doch erst am 22. Juli 1983 hob die Regierung das Kriegsrecht offiziell auf. 
Die ohne Gerichtsurteil internierten Oppositionellen wurden freigelassen, Kinder sahen ihre Eltern wieder, auch die aus den Heimen. Nichtsdestotrotz blieben Tausende von verurteilten Aktivisten weiterhin in Haft. Was die Angst meiner Eltern nur zusätzlich befeuerte. 
Der Wirtschaftssektor begann mit zaghaften Reformen, doch die Wirtschaftslage besserte sich nicht, so dass die Defizitwirtschaft einen blühenden Schwarzmarkt mit westlichen Konsumgütern entstehen ließ. Plötzlich fuhren nicht nur Parteibonzen Mercedes Automobile. 
Die Vertreter der Solidarnosc standen weiterhin auf den Fahndungslisten der Geheimpolizei. Derweil regierte wieder die PVAP. Die Medien unterlagen weiterhin einer strikten Zensur. Der Repressionsapparat wurde weiter ausgebaut. 

Ein Jahr nach der offiziellen Aufhebung des Kriegsrecht zählte der polnische Staatssicherheitsdienst 70000 Planstellen und Zehntausende von Informanten, die höchste Zahl seit dem Ende des Stalinismus. 
Erst mit dem Einsetzen der Politik der Perestroika unter Michael Gorbatschow in der Sowjetunion von 1986, ließen die scharfen Repressionen allmählich nach. Meine Familie feierte bereits den Erfolg von Diego Maradona bei der Fußball WM in Mexiko vor einem Fernseher in Dortmund, NRW. Unser erster Farbfernseher, bunte Spielertrikots. Sehenswert. 
Wojciech Jaruzelski indes rechtfertigte sein Handeln bis zu seinem Tod 2014 mit der angeblich unmittelbar drohenden Gefahr eines Einmarsches der Sowjetarmee. 

Für ein Volk können solche Zeitpunkte in der Geschichte eine Zäsur sein, für ein Individuum bleiben sie etwas unmittelbar Erlebtes, das gleichsam einer Markierung im Unterbewußtsein verankert wird, hin und wieder erinnert, hervorgeholt aus der Tiefe der Seele. De Profundis clamavi ad te memoria. 

In Anbetracht der heutigen Situation im Osten Europas, durchaus ein beachtlicher Zeitpunkt in der Weltgeschichte, von dem ich hier einen kurzen Abriß versuchte vorzustellen. 

Wen die Polnische Geschichte interessiert, dem empfehle ich eine Publikation der wbg, die den Blickwinkel auf die Deutsch-Polnischen Beziehungen legt: https://www.wbg-wissenverbindet.de/shop/34932/wbg-deutsch-polnische-ges….

Kommentare (36)

Merchan Agaricus

Liebe Frau Jung,

vielen Dank für Ihre schöne, kluge und ebenfalls sehr persönliche Stellungnahme.

Es freut mich in Ihnen einem Menschen zu begegnen, der diese geschichtliche Entwicklung nicht nur kennt, sondern sie auch für sich persönlich als einen wichtigen Moment im eigenen Leben betrachtet.

Ich denke, die Leute vergessen zwar schnell in welcher Lage die Nation damals gewesen ist, dies kann aber auch Gründe darin haben, dass die Alternative nicht frei von Korruption war. Auch in unserer modernen Welt, werden Menschen unterdrückt, durch ihre Arbeitgeber ausgebeutet, diffamiert und all dies geschieht in einer sozialen Marktwirtschaft. Auch hier werden Leute lanciert und wie im Beispiel der polnischen Gerichte, am Gesetz vorbei durch die herrschenden Partei installiert. Demokratie wird also nicht immer so umgesetzt, wie Gesetze, Rechte und Regeln sie definieren.
Das führt zu einem sehr breitem Phänomen des politischen Überdrusses. Man beachte dabei alleine die geringe Wahlbeteiligung an den letzten Bundestagswahlen in Deutschland.

Fakt ist jedoch, dass eine Demokratisierung der Welt mit offenen sozial verstärkten Märkten, der richtige Weg ist und alle anderen Entwicklungen, außer die Ökologische sofern sie zu keiner Diktatur wird, wenn sie diesen Weg verlassen, zum Scheitern verurteilt sind.
Niemand sehnt sich allen ernstes nach dem Kommunismus einer rigiden Zeit zurück in der Angst und Schrecken unter den Leuten regierten und sie lähmten.
Dennoch ist noch viel Arbeit auch in unserer Kultur und Gesellschaft zu tun, damit Kindern ihre Mütter nicht genommen werden, zum Beispiel und der Gerechtigkeit ein hoher Wert beigemessen wird. Dabei spiele ich gezielt auf das Familien- aber auch Arbeitsrecht an, mit dem viele Menschen in Deutschland, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, große Probleme haben. Weil dieses Recht oft auch falsch und zu Ungunsten der Benachteiligten und Geschädigten interpretiert wird.

Aber Sie haben völlig Recht, wenn sie die Konfliktherde auch in der Außenpolitik sehen, die momentan sehr ungünstig verläuft, nicht nur für uns Polenstämmige, sondern für ganz Mitteleuropa, wenn nicht die ganze Welt.

Viele Grüße
Marcin Lupa

Merchan Agaricus

Gabriele Jung Erneut bedanke ich mich für Ihren Kommentar.

Ich möchte das jetzt so stehen lassen, da ich denke, dass Sie die Sache sehr gut auf den Punkt brachten.

Vielleicht noch ein Gedanke: nicht nur der bürokratische Dschungel ist den Menschen, die nach Gerechtigkeit und Ausgleich trachten im Wege, sondern auch die Kaufkraft, die da wo sie fehlt, eine große Ohnmacht hinterlässt. Im Recht sein, aber Recht bekommen ist zweierlei. Den Weg über die Anwälte kann sich jedoch nicht jeder leisten.

Wir bemühen uns dennoch, immer mächtiger zu werden, so dass auch das Recht in vollem Umfang zur Geltung kommt.
Und dabei ist Demokratie hilfreich.

Silke Weizel

Das sind sehr bewegende Worte. Vielen Dank für diese Offenheit.

Freundliche Grüße
Silke Weizel

Andreas Boese

Ja viele Dinge geraten in Vergessenheit..
Was für Zeiten …
Gru a Boese Tegel

Luca Rosenboom

Lieber Marcin,

vielen Dank für den sehr persönlichen Beitrag, der durch die Nähe – im Gegensatz zur Forschungsliteratur – noch einmal weitaus mehr verdeutlicht, wie schwierig und brisant die Lage war. Man kann sich das Ausmaß gar nicht richtig vor Augen halten, weil man eben nur davon liest, aber nicht selbst davon betroffen war. Man sollte ja eigentlich meinen, so etwas sei nach der vorhergehenden Zeit nicht mehr nötig gewesen; aber Unrechtsregime halten sich stets und werden sich auch immer halten und es wird sich immer lohnen, gegen sie anzukämpfen. Es fällt aber leider immer wieder auf (besonders unter Jüngeren), dass der Kommunismus verherrlicht wird (ein Paradebeispiel: „echten Sozialismus gab es nie“). Derzeit scheinen wir ja auch ein riesiges Problem im Innenministerium sitzen zu haben, die linksextreme Gruppierungen als für die Demokratie nicht schädigend ansieht. Daher ist es wichtig, dass auch solche Ereignisse immer wieder in Erinnerung gerufen werden und dass sensibel gemacht wird. Vielen Dank dafür.

Merchan Agaricus

Das Problem mit linken Gruppierungen hierzulande ist deren Radikalität. Gegen eine linksgerichtete Opposition im Parlament - im Rahmen der Rechtsordnung - ist nichts einzuwenden. Doch was Linksradikale unter Demokratie verstehen ist nicht zu rechtfertigen.

Auf der anderen Seite haben wir ein erstarken der Rechten und auch da kann Geschichte nur herangezogen werden, um aufzuklären.

Im Übrigen gab es keinen "echten Sozialismus", weil es auch keine fliegenden Delphine gibt. Sie können kurz aus dem Wasser springen. Das wars.
Es gibt auch kein "echtes Paradies" auf Erden. Weshalb nicht? Weil diese Forderungen nicht erfüllbar sind. Das Leben funktioniert so nicht, wie Marx und Engels, oder die katholische Kirche es sich ausgedacht haben. Die Strukturen sind ganz andere und die Menschen werden von ihren Bedürfnissen gelenkt. Das ist alles viel zu komplex für Ideologien und Glaubenssysteme.

Luca Rosenboom

Da hast du völlig recht; momentan scheint es allerdings eine Zeit zu geben, in der Ideologien und Glaubenssysteme vermehrt im Aufschwung sind. Die Kirche flaut ab, dafür gibt es andere 'Organisationen' oder Bewegungen, die sich wie eine Sekte konstituiert haben: FFF, die Gender-Bewegung, dann wiederum auf der Gegenseite radikale Impfgegner, die die Wissenschaft infrage stellen. In vielen Bereichen ist 'normale' Kommunikation nicht mehr möglich, weil zu sehr emotionalisiert wird - ich denke, das ist das Hauptproblem.

Merchan Agaricus

Erinnerst Du Dich noch an Pegida in Dresden? - Die Leute brauchen immer etwas was sie anstreben können, wo sie sich in Gemeinschaft versammeln. Das ist primär gar nicht verkehrt, zumal es zu unseren Instinkten gehört.
Nun versammeln sich die Menschen aber auch in intellektuellen Zirkeln und Bücherliebhaber quasi in Büchergilden. So wie wir. Und dann haben sie manchmal die Möglichkeit sich miteinander auszutauschen, zu kommunizieren.

Wenn man etwas Kultur besitzt, und auch Herz, dann missioniert man nicht. Man referiert, erklärt, schildert und spricht seine Meinung offen aus, immer darauf achtend niemanden dabei zu verletzen. Und das ist der Unterschied.
Ich will damit nicht sagen, dass wir hier in der Community bessere Menschen wären, als Leute die gegen das Impfen sind. Nicht per se, dennoch setzen wir uns mit Kommunikationsformen auseinander und mit der Versammlungsfreiheit, auch mit einer gewissen Etikette und darüber hinaus sind viele von uns ethisch geschult und moralisch dem Wesen nach. Das ist gut.

Ich genieße die Unterhaltungen hier.

Jeder darf dabei eine politische Meinung haben oder auch einen Glauben, der different ist, von denen mancher anderer, und dennoch kommen wir zusammen und finden eine gute Basis. Darauf kommt es während des Dialoges an.

Luca Rosenboom

Du hast völlig recht. Menschen sind soziale Wesen und brauchen den Kontakt zu anderen - und es sind oftmals bzw. fast immer Gleichgesinnte. Allerdings weiß ich den Satz "wenn man etwas Kultur besitzt, und auch Herz, dann missioniert man nicht" nicht recht einzuordnen - ist das generell auf heutige Ansichten bezogen? Mit deinen Ausführungen danach hast du natürlich recht.
Leute, die aber - berechtigterweise - Kritik üben am Impfen bzw. an Beschlüssen und Machenschaften (man kann es gar nicht anders sagen), die seitens einiger Politiker dahinter stecken, müssen gehört werden. Man erfährt tagtäglich in den Medien, wie viel Schmu diese treiben, ohne vom Thema abschweifen zu wollen. Darüber haben wir desöfteren diskutiert. Es gibt auch viele Betroffene, die bspw. Impfschäden erlitten haben; daher muss man alle hören, auch wenn der gesellschaftliche Diskurs - wie immer wieder deutlich wird - nur eine vorherrschende Meinung akzeptiert. Das Fass möchte ich hier allerdings nicht aufmachen, wollte es nur erwähnen. Wichtig fand ich den letzten Abschnitt: jeder darf eine - im Rahmen des Gesetzes - beliebige politische Meinung haben bzw. einen Glauben. Und es ist wichtig, dass man sich dafür auch einsetzt und andere unliebsame Meinungen nicht durch moralische Erhabenheit diffamiert. Das betrifft jegliche Themen wie Ernährung (Fleisch,...), Politik etc.

Merchan Agaricus

Luca Rosenboom, mit Missionieren meine ich, eben diese Diffamierung durch vermeintliche moralische Erhabenheit. Dabei geht man davon aus, dass man selber die richtige Vorgehensweise, das wahre Wissen, den echten Glauben hat und gleichzeitig BERECHTIGT ist, andere darauf aufmerksam zu machen, sie sogar zu einer Entscheidung, entweder mit UNS oder gegen uns, zu zwingen.
Diese Berechtigung existiert ganz einfach nicht. Es sei denn, es handelt sich bei Null-Toleranz-Entscheidungen, die das herrschende Gesetz betreffen, um Bekämpfung oder Vorbeugung von Verbrechen.

Aneta Markgräfe

Herzlichen Dank für die Erinnerung an die damalige Zeit in Polen, die auch meine Kindheit geprägt hat. Die Erinnerungen werden wieder wach und lebendig. Die Geräusche, unbeschreibliche Emotionen, wenn man plötzlich statt einer beliebten sonntags Kindersendung einem General zuhören muss.
Gedämpfte Stimmen der Eltern, voller Sorge vor den ungewissen Zukunft, gefürchteten Polizeistunden. Aus der Zeitperspektive kann ich tatsächlich behaupten, dass die Zeit damals für einen längeren Augenblick stehengeblieben sei. Nochmal : vielen Dank für diesen Beitrag.

Merchan Agaricus

Liebe Frau Margräfe, könnten Sie mir noch berichten, in welcher Gegend in Polen Sie aufgewachsen sind?

Merchan Agaricus

Liebe Frau Markgräfe,

es freut mich, dass Sie noch so plastische Erinnerungen an diese Zeit haben, an die Atmosphäre, an den Augenblick der täglichen Abende und an die Psychologie, die die Menschen beschäftigt hat.

Ich versuchte den Geist in den ich aufwuchs zu kommentieren und hier mitzuteilen. Offensichtlich ist es mir gelungen.

Herzliche Grüße
Marcin Lupa

Norbert KNOLL

Lieber Herr Lupa, ein sehr gut gewähltes Thema, zumal sich ein zeitgeschichtlich bedeutsames Thema mit ihrem eigenen Erleben verbindet.

Merchan Agaricus

Herzlichen Dank, Herr Knoll.
Die Frage nach den Machtverhältnissen in Ost-Mitteleuropa ist zudem gerade wieder aktuell.
Laut polnischen Medien, die ich bisweilen verfolge, ist bereits am Mittwoch mit einem Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine zu rechnen.

Franz Teichert

Lieber Herr Lupa,
die Sätze mit den fliegenden Delphinen und „Sie können kurz aus dem Wasser springen. Das wars.“ sind so was von gut und lakonisch, dass ich mir die merken werde. Genau auf dem Punkt!
Herzlich
Franz Teichert

Merchan Agaricus

Lieber Herr Teichert,

vielen Dank. Das freut mich sehr. Beim Schreiben entstehen manchmal auch ein paar Kostbarkeiten. Den Rest bestimmen die Tatsachen.

Herzlich
Marcin Lupa

Kira Geiger

Lieber Herr Lupa,
ich möchte mich den anderen Kommentierenden anschließen und mich ebenfalls für Ihren sehr persönlichen und gleichsam informativen Beitrag zum Schreibwettbewerb bedanken. Sie haben mich aufgeklärt, ich hatte nichts von diesen Umständen in Polen in den 1970er mitbekommen!

Merchan Agaricus

Vielen Dank, Frau Geiger. Die Geschichte der Welt, ja alleine schon Europas Geschichte, ist voller ungeahnter Überraschungen. Es stimmt mich froh, dass ich etwas aufklären konnte.

Maria Holeczek

Wir haben schlimmes erlebt, damals in Polen. Was aber heute die Ukraine erlebt, ist weitaus schlimmer.

Merchan Agaricus

Beides ist zutreffend. Sehr traurig diese Tatsachen.

Norbert KNOLL

Wirklich deprimierend finde ich, dass weder reale Geschehnisse in der Vergangenheit (man erinnere sich an die Folgen von Hitler und Stalin) noch dystopische Fiktionen (etwa von Huxley und Orwell) zu greifbaren Lernerfolgen der Menschheit geführt haben.

Menschen, die skrupellos über Unterdrückung hinaus sogar eine Tötung anderer Menschen als legitimes Instrument politischen Handelns erachten, finden nach wie vor ausreichend Anhängerschaft und verfügen über die notwendigen Mittel (und zwar sowohl militärisch als auch in Hinblick auf eine durch Propaganda gestützte Steuerung von Kollektiven), um ungestraft ihr Unwesen zu treiben und die Welt in Atem zu halten.

Eine mit der nötigen Durchsetzungskraft ausgestattete Ächtung von Kriegen, wie sie bereits der Kellogg-Briand-Pakt von 1928 vorgesehen hätte, ist ferner denn je.

Herr Lupa, Sie erinnern sich vielleicht an meinen utopischen Entwurf zu "Gullivers letzter Reise", in dem das Wunder einer Auflösung sämtlicher Territorialstaaten gelungen ist. Das scheint mir nach wie vor die einzige Alternative zu einer politischen Realität, die Leuten wie Putin oder Trump ermöglicht, zu den höchsten Repräsentanten mächtiger Staaten aufzusteigen.

Merchan Agaricus

Norbert KNOLL, vielen Dank für Ihre Einschätzung. Ich stimme Ihnen zu. Die Tatsache, dass ein mit militärischer Macht ausgerüsteter Mensch, durch eine verkehrte Geisteshaltung, die Welt in so eine Gefahr bringen kann, ist erschreckend.

Den Kellogg-Briand-Pakt werden ich mir noch ansehen. Danke für diese nützliche Information.

Bezüglich Ihres Entwurfs zu "Gullivers letzter Reise" ist aus meiner Sicht zu sagen, dass diese Utopie eindeutig die einzige sinnvoll wegweisende Alternative ist, die ich im Zusammenhang mit Nationalstaaten und ihrer Rückständigkeit, in einer sich digital schnell entwickelnden Welt, die auch Raum und Zeit Hindernisse schnell überwindet, überhaupt sehe.
Wo soll das ganze sich abgrenzen und im Nachbarn einen Feind sehen, denn hinführen, wenn nicht zum absoluten Kollaps?

Merchan Agaricus

Gabriele Jung, sie sind bei jeglichem Dialog immer herzlich willkommen. Ihre Meinung schätze ich sehr.

Norbert KNOLL

Gabriele Jung, es handelt sich um eine Passage eines Textes, den ich vor Jahren bei einem Literaturwettbewerb eingereicht habe und der leider nicht einmal die Vorauswahl überlebte.

Ich habe die etwas ungewöhnliche Textsorte der >>Laudatio<< gewählt und mit einem abschreckenden Titel versehen: "Über den unverzichtbaren Luxus des eigenständigen Denkens - Laudatio gehalten am 10. Dezember 2020 von Miranda Ushindi Zola Ebersthal-Ubama anlässlich der posthumen Verleihung des POETA LAUREATUS ORBIS TERRARUM an Daniel Defoe und Jonathan Swift".

Miranda verweist am Abschluss ihrer Laudatio auf einen von Swift angeblich vor seinem Tod 1726 geschriebenen und erst kürzlich entdeckten Text: >>Gullivers Reise nach Omega<<.

Ich kann die Passage hier gerne wiedergeben:

[...] Dass die Menschheit von diesem an >>Utopia<< erinnernden Meisterwerk Kenntnis erlangt hat, verdanken wir einer Entrümpelungsaktion der Archive der Herzogsburg, dem Heimatmuseum der oberösterreichischen Kleinstadt Braunau. Hier fand sich ein geheimnisvoll anmutendes fast vollständig erhaltenes Manuskript mit einem Begleitbrief, welcher sich als Brief eines Dubliner Verlegers an Jonathan Swift herausstellen sollte.

Dem Brief ist zu entnehmen, dass eine Drucklegung nur nach eingehender Überarbeitung in Frage käme. Der Verleger hielt es für recht originell, dass in den Roman kurze Essays im Stile Bacons als informative Ergänzungen eingearbeitet waren. Ja er hätte sogar gerne weitere Essays entgegengenommen, um diese gesammelt in einem eigenen Band zu veröffentlichen. Bei aller Höflichkeit ließ er am Roman selbst aber nur geringes Interesse durchblicken. Zwar hätte der Name Swift nach wie vor einen guten Klang, allein man war von ihm andere Texte gewohnt. Zudem ließen sich Utopien – mit Ausnahme jener von Thomas Morus – nur allzu schwer verkaufen.

Der Verleger brachte zudem eine Reihe von inhaltliche Kritikpunkten vor, wobei er heftige Zweifel daran äußerte, inwieweit die Leserschaft mit den lunatischen Phantasien zurechtkommen würde. Immerhin hatte Swift das Bild eines bestens funktionierenden Kontinents gezeichnet auf dem Institutionen wie das Geld- und Kreditwesen, das Privateigentum und Territorialstaaten abgeschafft worden waren, ohne dass der Bevölkerung dadurch ein Schaden entstand. Ganz im Gegenteil der Ausbeutung anderer, dem Diebstahl und kriegerischen Auseinandersetzungen war auf einen Streich jegliche Grundlage entzogen.

Auch hatten sich politische Reformen bewährt, die dazu führten, dass die Bevölkerung nur noch in überschaubaren Dorfgemeinschaften wohnte, nachdem die Städte unbewohnbar geworden waren.

Überflüssig geworden waren Berufspolitiker, wie Sir Robert Walpole, der erste bedauerlicherweise von George I. eingesetzte Premierminister.

Vielmehr bediente man sich sogenannter Administratoren, denen die Dorfbevölkerung hilfreich zur Seite stand, weil die Amtsgeschäfte frei zugänglich am Dorfplatz ausgeführt wurden. Ja es herrschte eine in europäischen Landen völlig unbekannte Form der Transparenz, die nicht auf eine Bespitzelung der Bevölkerung abzielte, sondern auf vollständige Öffnung sämtlicher Hinterzimmer der Politik, in welche vormals nur ausgewählte Personen zur Abhaltung notwendigerweise geheim durchzuführender Besprechungen eingeladen wurden. [...]

Ich habe diese Passage vor dem Hintergrund der Lektüre von "Utopia" von Thomas Morus und der historischen Realität politischer Lichtgestalten wie Boris Johnson, Donald Trump, eines ... geschrieben. Ach ja, und in Österreich standen wir noch unter dem mittlerweile vergilbten Eindruck der Ibiza-Affäre.

Norbert KNOLL

Gabriele Jung Das Faszinierende an literarischen Utopien ist, dass sie den Blick für das "Denkmögliche" erweitern, indem sie Gegenbilder zur aktuell-historisch gegebenen Realität schaffen. "Utopia" von Morus, der Prototyp und Klassiker beschreibt im ersten Drittel die historische Gegenwart und spart nicht mit Kritik daran. Die Kritik motiviert dazu darüber nachzudenken, wie es denn anders sein könnte. Also folgt eine detaillierte Beschreibung - eines Gegenbildes - einer funktionierenden Gesellschaftsordnung die nicht im Hier und Jetzt sondern - so die literarische Fiktion - auf einer bislang unentdeckten Insel erreichtet wurde und die Probleme & Dummheiten der Gegenwart überwunden hat. Die Zukunft ist also gestaltbar, der 6-Stundentag ist möglich, wenn das faule Pack unzähliger Kleriker und Adeliger auch Hand anlegt, der Reichtum eines Landes beruht nicht auf dem Inhalt der Schatzkammer eines Fürsten und auch nicht auf den Eroberungen zusätzlicher Ländereien, sondern auf dem Wohlstand und der Versorgungslage der gesamten Bevölkerung, ein Strafrecht, das Diebstahl mit Todesstrafe bedroht ist nicht nur unverhältnismäßig, sondern löst auch nicht die Probleme einer ungerechten Eigentumsordnung, die aus verarmten Bauern und verkrüppelten Kriegsheimkehrern Diebsgesindel macht...

Das ist die Leistung dieser Utopie! Sie ist kein Bauplan oder Rezept wie man die Gesellschaftsordnung oder das Staatswesen verändert. Sie ist auch kein wissenschaftlich fundiertes Szenario für die Zukunft der Welt. Sie legt lediglich die Finger in offene Wunden der Realität, die auch anders - einem Wunschbild folgend besser - sein könnte, würden Menschen nur einmal beginnen "gestaltend" einzugreifen. Typisch für Dystopien des 21. Jahrhunderts (z.B. Samjatin, Huxley, Orwell) ist, dass die beschriebenen Gesellschaften nicht auf einer (unentdeckten, in der Gegenwart) bestehenden Insel, sondern in der Zukunft liegen. Diese Zukunftsgesellschaften geben "kein Wunschbild" sondern ein schauderliches "Schreckbild" ab, für das der Autor postuliert, dass die Zukunft sich in diese Richtung entwickeln könnte, wenn die Menschheit den in der Gegenwart herrschenden (wirtschaftlichen, technologischen, gesellschaftlichen) Trends folgt und NICHT gestaltend in die Welt eingreift.

Wenn eine literarische Utopie als weltfremd und unrealistisch kritisiert wird, dann beruht diese Kritik auf dummen Unterstellungen eines falschen Anspruchs des Textes bzw. des Autors; da hilft es auch nicht, dass Autoren wie Huxley ein Wechselspiel aus Ironie und Ernsthaftigkeit veranstalten.

Utopiekritik kommt von Leuten, die für sich beanspruchen, selbst die Zukunft zu kennen oder als Profiteure der aktuellen Zustände ein Interesse daran haben, dass sich eben nichts an der Welt ändert. Kritik an Utopien beruht nicht selten auch auf einer Verwechslung der Utopie mit Phantastereien (wie in der fantastischen Literatur, die z.B. Geisterwesen und Wunder kennt), mit unterstellten Ansprüchen des Autors die Zukunft zu kennen (wie in religiösen Prophezeiungen) oder mit dem der Utopie unterstellten Anspruch wissenschaftlich fundierter Szenarien, die man einfach nur umzusetzen braucht, um ein Ergebnis zu erzielen (Wunschbild) oder zu vermeiden (Schreckbild) .

Als "Krisen" wahrgenommen Epochen bilden einen guten Nährboden für Utopien - nicht zuletzt weil weder religiöse Überlieferungen noch die geheiligten Wissenschaften in der Lage sind, Auswege oder neue Wege aufzuzeigen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der "kritischen" Lektüre utopischer Texte, die sich nicht "naiver Lesarten der Utopiekritik" bedient!

Merchan Agaricus

Ich möchte mich an dieser Stelle für den schönen und sehr lehrreichen Dialog bedanken.
Es macht Spaß Sie zu lesen.

Bezüglich der Utopien, bin ich persönlich ein Kind Aldous Huxleys und George Orwells (allerdings hier nicht "1984" sondern "Animal Farm"). Mittlerweile sehe ich mich von den "Pforten der Wahrnehmung" den Übertritt in die "Schöne neue Welt" gehen. Meine Hoffnung dabei, dass auch dies nicht endgültig zu verstehen ist und dass unsere Welt einen Weg findet, wie Frieden, Menschlichkeit, Rechtsstaatlichkeit (bei der auch die Staatsdiener ruhig rechtschaffen bleiben dürfen) und Freiheit gewährleistet werden.

Dazu scheinen die Utopien, die Herr Knoll schildert, die beste Ausrichtung zu bereiten.

Merchan Agaricus

Noch ein kleiner Nachtrag: ist nicht jedes Plan fassen und in Zukunft blicken, eine kleine Utopie?
Und jede politische Agenda, jede Ausrichtung nach einer Strategie, jede Zielsetzung fußt auf einer Vorstellung von dem weiteren Verlauf und den Ergebnissen. So ist ein so gefasstes Szenario primär utopisch. Meistens kommt es anders als man denkt, kann sich aber eine ungefähre Richtung vorgeben. Dann kommt es noch auf die zahlreichen Widerstände an und wie man mit ihnen umgeht. Utopisch ist die Zielsetzung aber primär immer.

Und wenn man ein Gelingen anstrebt, muss man die Zielsetzung positiv gestalten. Nur so kann man Ziele erreichen. Somit sind Utopien notwendig, um überhaupt einen Fortschritt zu erzielen.

Norbert KNOLL

Lieber Herr Lupa, ich glaube, der Kern des "Utopischen Denkens" liegt in einer "Transzendenz des Hier und Jetzt". Dieses Denken eröffnet einen Möglichkeitsraum, was wohl auch bedeutet, dass es prospektiv, also in die Zukunft gerichtet ist.

[Retrospektives Denken würde sich demgegenüber mit den als Erinnerungen zugänglichen Abschattungen des in der Vergangenheit Erlebten - also den aus „erlernten“ Erfahrungen stammenden und dem Individuum (meist über längere Zeiträume) - zugänglichen Wissensbeständen zuwenden; das ist ein wichtiges Wissen, aber die Vergangenheit selbst können wir nicht verändern, sondern nur die Interpretation des vergangenen.

Ein aktuell/situativ auf die Gegenwart ausgerichtetes Denken wiederum nützt das direkte und unmittelbare Erleben als Wissensquelle; der Bezug zur Gegenwart gelingt über sinnliche Wahrnehmungen, deren Interpretation als „Indikationen für ein Drittes“ die Wissensbestände erweitern.]

Utopisches Denken kann man als Versuch der Befreiung aus der Gefangenschaft der Realität des Hier und Jetzt der Gegenwart (wie auch von den Fesseln der Vergangenheit) interpretieren.

Es ist damit auch eine Grundvoraussetzung für individuelles "Handeln", das über bloßes "Sich-Verhalten und Reagieren" (wie es uns in behavioristischer oder mechanistischer Verkürzung des Menschen zugemutet wird) hinausreicht. Wer utopisch denkt und die Ergebnisse auch für sein Handeln nützen will, der wird natürlich auch - wie Sie sagen - Pläne entwickeln und sich an "Wunsch- und Schreckbildern" orientieren. Literarische Utopien liefern nun Material zur Kritik an der Gegenwart (so auch an der Vergangenheit), indem sie eben Gegenbilder für ein Überschreiten der Gefängnismauern der aktuellen Wirklichkeit erzeugen.

Merchan Agaricus

Lieber Herr Knoll,

das ist sehr einleuchtend. Prospektives Denken habe ich mit der Zeit etwas zurückgestellt, so meine Beobachtung. Das bedeutet nicht, dass ich mich lieber überraschen lasse. Immernoch handle ich aus einer Absicht heraus, die eine bloße Triebhaftigkeit transzendiert. Wir Menschen lassen die Vernunft walten, denke ich.

Retrospektives Denken erfüllt mich mit Neugier, wenn ich in der Geschichte forsche. Für die Interpretation braucht man Phantasie.

Norbert KNOLL

Lieber Herr Lupa! In Anlehnung an den Titel eines Ihnen einmal empfohlenen Buches des Soziologen Erving Goffman "Wir alle spielen Theater" lässt sich wohl sagen: "Wir alle denken utopisch".

Merchan Agaricus

Das Buch habe ich soeben bestellt, vielen Dank.

In Anbetracht der Selbstdarstellung inszeniert sich der russische Aussenminister samt Entourage gerade wie ein Unschuldslämmchen, das der Ukraine Vorwürfe macht, sie gefährde die Sicherheitspolitik Russlands. Währenddessen werfen die russischen Invasoren Bomben auf Krankenhäuser, Entbindungseinrichtungen, Schulen und ermorden Zivilisten, u.a. die unantastbarsten unter ihnen, nämlich Kinder.

Ist das noch Narzissmus oder bereits Psychopathie?

Norbert KNOLL

Lieber Herr Lupa,
die Motivlage und Persönlichkeitsstruktur der handelnden Personen ist schwer begreiflich. Man kann jedenfalls sicher sein, dass in der Sozialisation dieser Leute etwas schief gelaufen ist.

Die gesetzten Handlungen sind Ausdruck einer Einstellung, dass das Leben anderer Menschen (oder bestimmter Gruppen anderer Menschen) völlig wertlos ist; ja es ist fehlende Achtung vor dem menschlichen Leben, die hier zum Ausdruck kommt. Das gab es im zaristischen Russland und verschärft noch bei Stalin. Menschen gelten dabei als austauschbares, ersetzbares und nach belieben "vernichtbares" - weil wertloses - Material und werden auf den Schlachtbänken kriegerischer Auseinandersetzung ohne Wimpernzucken aufeinander und auf die Zivilbevölkerung anderer Staaten losgelassen.

Nur ein Wort zu Goffman: Er gehört zu den sehr gut lesbaren Klassikern der Soziologie und sah seine Aufgabe in der Beobachtung und Analyse des Alltagshandelns. Er hat den Begriff des "dramaturgischen Handelns" geprägt und ist im Zeitalter der digitalen Medien moderner denn je.

Merchan Agaricus

Lieber Herr Knoll,
vielleicht steht es mir nicht zu diese Menschen zu beurteilen und sicherlich gibt es eine historisch-psychologische Erklärung für ihr so geworden sein. Da diese Menschen aber wie Sie wunderbar schildern, alles andere als zimperlich sind, muss man selber bei der Handhabe mit ihnen nicht anders umgehen, wie mit austauschbaren Dreck. Danach richte ich mein Urteilen und wenn ich in den Vorzug komme auch Handeln aus. Ansonsten freue ich mich, wenn sie wie gehabt so aus meinem Bewußtsein verschwinden, wie sie kamen - als Alpträume im Zuge eines langen und mannigfaltigen Bewußtseinsstroms.

Auf den Goffmann freue ich mich.


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