casus et fatum

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Bald kommt der Tod, das Haupt von Finsternis umhüllt…

Bald schleicht das träge Alter heran, und wenn das Haar ergraut,

man auf der Bahre liegt, die bald in Flammen aufgeht, schickt es sich

des Wertschätzens nicht mehr.

Keine Möglichkeit zu fliehen, keine Hoffnung - alles ist stumm, alles verlassen,

alles droht mit Verderben. Nicht eher jedoch sollen die Augen dir im Tode brechen,

und nicht früher sollen alle Sinne dir aus dem erschöpften Körper entschwinden,

ehe die Zeit reif ist.

Es liegt nichts am Ruhm, mein Freund; aber alles in der eigenen Erfüllung.

Schon lange hätte ich meinem Leiden im Tod ein Ende gesetzt, aber

meine Hoffnung hält mich am Leben und verspricht mir,

dass morgen alles besser ist.

Ich bitte dich, schwarzer Tod, halte deine Hand von mir fern. Halte sie fern, schwarzer Tod.

Er selbst, der Gott, wird, sobald ich danach trachte, mich befreien.

Ich ahne, was er im Sinne hat:

Ein willkürlicher Tod! Denn der Tod macht aller Not ein Ende.

 

Kommentare (22)

Marcin Lupa

Ein sehr schönes Gedicht, das zum Nachdenken über Pandemien im Allgemeinen und ihre Macht über uns Menschen anregt.

Schön besonders der Satz: "es liegt nichts am Ruhm, mein Freund; aber alles in der eigenen Erfüllung" - diesen Satz sollte man sich zum Motto fürs Leben machen. Denn was ist mir Ruhm der Welt angesichts des Todes und wie stehe ich vor mir selber da, wenn ich nicht erfüllt bin von einem Leben, dass ich als richtig gelebt verstehen kann.

Sehr schöne Sprache auch!

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  • Luca Rosenboom

    Vielen Dank! Ich habe jedenfalls versucht, kunstvoll zu schreiben - ob es mir gelungen ist, mögen andere beurteilen. Der bzw. ein Sinn dahinter war jedenfalls - wie beschrieben - dass man das Leben genießen sollte. Der primäre Faktor war allerdings, dass das 'fatum' willkürlich entscheidet, wie es um unser aller Leben bestellt sein wird. Ich stelle mir gerne vor, dass die Schicksalsgöttin Fortuna an ihrem Rad dreht und entscheidet, was passieren wird. Das mag gewiss nicht immer gut ausgehen und einen ins persönliche Verderben stürzen oder einen Schicksalsschlag (casus) nach sich ziehen. Dieser jedenfalls soll einem helfen, stark aus der Situation rauszukommen, so dass man das Leben bestmöglich gestaltet - eben im Rahmen seiner Möglichkeiten.

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  • Ewa Holeczek-Lupa

    Ich begrüße sehr, wenn sich jemand Themen widmet, die sonst gemieden werden. Hier wird aber auch nichts ins Horrorhafte oder Groteske gezogen um schauderhaft Eindruck zu schinden. Gefällt mir wirklich gut!

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  • Luca Rosenboom

    Der Begriff Katharsis dürfte in diesem Kontext auch eine psychologische Rolle im Menschen selbst spielen ja - zumindest die neuzeitliche, psychologische Definition. Aber auch die antiken Autoren, die den Begriff geprägt haben, geben valide Argumente an: Platon bringt den Körper in den Einklang zur Seele, das bedeutet: Ein schlechter Zustand des Körpers bewirkt auch einen schlechten Zustand der Seele, was sich durch seelische und körperliche Aktivitäten verbessern lässt, um ein gesundes Verhältnis zu gewährleisten.
    Die antiken Autoren berufen sich hier aber meines Wissens nach auf die Humoralpathologie (später durch Galen 'erforscht'), die auch im Mittelalter und sogar darüber hinaus bis ins 18. Jahrhundert noch bei der Pest angewandt wurde.

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  • Marcin Lupa

    Wieder was gelernt, ich dachte nämlich, dass die Römer die Idee des gesunden Körpers in dem ein gesunder Geist wohnt prägten. Dass bereits Plato darüber sprach ist mir neu und zugleich erstaunlich.

    Wenn ich das Ideal eines Hopliten betrachte, so denke ich immer an einen Adonis, der seelisch sehr ausgeglichen mit einem gut trainierten Körper ausgestattet ist.
    Noch mehr als bei einem Legionär, den ich mir auch an dem militärischen Drill leidend vorstelle.

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  • Luca Rosenboom

    Da wir ja in diesem Beitrag auch das Thema Schicksal und Tod haben, trifft es sich ganz gut, ein paar Worte loszuwerden.

    Ich denke, dass die Söldner des hellenistischen Ostens komplett auf den Krieg ausgelegt waren, eine Art Berufssoldat, die unerbittlich für den Sieg kämpfte – dabei schreckte man nicht vor dem ‚fatum‘, nämlich dass man sterben könnte, zurück. Man opferte sich etwas Größerem – Opferbereitschaft ist schließlich auch ein wichtiges Wort, wenn es darum geht, antike Traditionsgesellschaften zu verstehen, die im Sinne ihrer Vorfahren für eine Sache einstanden, vehement für diese kämpften. Auch bot das Militär eine Chance, dem elendigen ‚fatum‘ seines erbärmlichen Lebens zu entkommen. Wenn man ein armer Bauer war, so konnte man sich rekrutieren lassen (oder wurde gar berufen, je nach dem, in welcher Vermögensklasse man war), um sich aussichtsreichere Lebensverhältnisse zu verschaffen.
    Auch die Religion selbst war eng verzahnt mit dem Militär, denn man holte vor den Schlachten auspicia ein, eine Art Vogelschau, mittels derer man ausforschen konnte, ob die Götter einem wohlgesonnen waren. Hatte Fortuna ihr Rad ‚günstig‘ gedreht oder sollte man lieber von seinem Vorhaben ablassen? So fing ja auch die römische Geschichte in der Mythologie bei Romulus und Remus an, nachdem Romulus die auspicia eingeholt hatte, die ihn schließlich dazu veranlassten, seinen Bruder zu töten, der seine ‚Staats’mauern (die des erhabenen Roms, am Fuße des Palatinhügels) überquert hatte.
    Jedenfalls abermals ein interessantes Thema, wozu man viel schreiben könnte, obgleich die Quellen selbst oftmals zu Soldaten schweigen, denn sie erscheinen vielmehr im Großen und Ganzen des Heeresgefüges. Eine interessante Lektüre stellt hier „Robert Knapp, Römer im Schatten der Geschichte“ dar, der über Arme, Frauen, Prostituierte u.v.m. (auch Soldaten) schreibt.

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  • Marcin Lupa

    In der Tat gebe es viel zu reflektieren. Ich kenne mich allerdings in der Geschichte zu wenig aus, um über die Haltung von antiken Soldaten zu sprechen.

    Ich beziehe den Sachverhalt mal auf mich: wäre ich Soldat, wüßte ich, dass ich niemals für etwas Glorreiches oder Größeres kämpfe, auch wenn ich für die Werte der Demokratie, der Kultur und der sozialen Markwirtschaft eintreten würde. Diese "westlichen" Werte zu transportieren, wäre meine Haltung als Soldat. dementsprechend würde ich mich auch bei der Friedenssicherung verhalten, unabhängig vom Einsatzgebiet. Insofern wäre ich bereits indoktriniert, denn am Ende dienen Soldaten den Profiteuren einer dank dem Militär aufrecht gehaltenen stabilen Ordnung und in erster Linie ihrem eigenen Sold.

    Dass man zu allen Zeiten schon innerhalb des Militärs aufsteigen konnte, um sich bei Zeiten ein schönes Häuschen zu bauen und auf einen glücklichen Lebensabend am Barbecue zu hoffen, habe ich früh wahrgenommen. - Auch wenn es heutzutage ohne akademisches Studium schwer sein wird, eine Offizierslaufbahn zu beschreiten. Dem gewöhnlichen Truppenführer sind also Grenzen gesetzt. Da glaube ich, dass eher schon der historische Soldat durch etwaige Verdienste im Kampf sich auszeichnen und zu Rang und Ehren kommen konnte. Ein Centurion war nicht immer ein Mann des noblen Standes, jedenfalls nicht zwingend schon am Anfang seiner Kariere.

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  • Luca Rosenboom

    Nun, wenn wir gedenken, über Werte zu sprechen, sollten wir uns bewusst machen, dass einzig und allein die europäische Kultur – basierend auf den Griechen – "Werte" wie ‚Freiheit‘, ‚Toleranz‘ etc. hervorgebracht hat. Wobei die schiere Alltoleranz in der heutigen Gesellschaft ein Feindbild der Toleranz ist, denn wer alles toleriert, besitzt eben keine Werte. Die Werte sind dann folglich alle gleich weit entfernt – Werte zu haben heißt schließlich, dass man vieles nicht tolerieren kann ob seiner Werte. Ein westlicher Liberaler trägt Toleranz stolz vor sich her, brüstet sich damit, weiß aber gar nichts damit anzufangen. Wenn wir uns den Ursprung des Toleranzbegriffs anschauen, so lässt sich konstatieren, dass dieser zumindest in seinem Anfang nie einen positiv konnotierten ‚Wert‘ hatte. Denn: Aus obrigkeitlicher Sicht war man schlichtweg zu schwach, um seine eigene Position durchzusetzen, Stichwort Glaubenskriege im 16. Jh. Toleranz und Intoleranz jedenfalls sind beides Despotismen, denn die eine maßt sich an, Freiheit vorzuenthalten, die andere maßt sich an, Freiheit zu geben, wodurch sich die Toleranz selbst zum Richter aufschwingt, die Rechtmäßigkeit der Überzeugungen anderer Menschen anzuzweifeln.
    Zurück zum Militär: Ein Soldat war, so darf man denke ich pauschalisieren, stolz, für sein ‚Land‘ bzw. seine Sippe dienen zu dürfen. Wenn wir uns die res publica anschauen, so war der Dienst an und für sie stark im Leistungsethos verankert. Die Ehrenerweisungen (honores) waren dabei das, worum man kämpfte – aber nur innerhalb verschiedener Sippen bzw. Stämme. Diese standen in einem ‚erbitterten‘ Konkurrenzkampf, um sich von den anderen abzuheben. Der primäre Aspekt bestand jedoch immer darin, die Vorfahren zu heiligen. Und wie geschah das? Einfach, indem man sie durch Aufrechterhaltung des Staates würdigte, ihre vorhergehenden Leistungen anerkannte und für die Nachfahren sichtbar werden ließ. Schließlich war es wichtig, dass auch die Nachfahren vor Augen geführt bekamen, zu welch großen Taten die Vorfahren fähig waren, um ebendiesen Dankbarkeit zu zollen. Diese war schließlich wichtig, denn wie Seneca (de beneficiis 1,10,4) schon schrieb: „Unterhalb von Allem steht der Undankbare. Denn alle Übel stammen von ihm, ohne den kaum jemals ein großes Verbrechen entstand.“

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  • Marcin Lupa

    Auch in unserer Gesellschaft lebt man von Lob und Anerkennung und genießt die Wertschätzung der Anderen für die getane Arbeit. Zumindest wundert man sich, wenn diese ausbleiben und eine gute Arbeit nicht honoriert, sondern als Selbstverständlichkeit aufgefasst wird. Denn das erscheint uns als wenig interessant und womöglich als Ausbeutung.

    Die Resp Publica im alten Rom war sicher voller Edelmut, wenn die Bürger voller Hingabe ihr dienten. Auch heute verstehen viele ihre Nation als etwas edles, nahezu vollkommenes, wobei diese Art von Patriotismus auch zur Gefahr werden kann.

    Ich für meinen Teil suche noch nach einer kosmopolitischen Entsprechung der Res Publica. Vielleicht ist es der Weltethos von Hans Küng oder etwas ähnliches, dem man sich im Sinne einer Humanitas hingeben kann.

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  • Luca Rosenboom

    Der Mensch als soziales Wesen ist schließlich darauf bedacht, Anerkennung zu bekommen. Gute Arbeit durch Fachkräfte erhält man nur am Leben, wenn diese vernünftig vergütet werden und/oder genug Wertschätzung erfahren; von Person zu Person unterschiedlich, die einen erstreben mehr Prestige an sich, die anderen schätzen das Geld mehr. Wenn es möglich wäre, würde ich auch gerne eine Zeit lang mal im alten Rom, in der Republik leben wollen. Wie die ‚normalen‘ bzw. ungebildete Schicht ihren Staat wahrnahmen, ob die in der Forschung krisenbehaftete Zeit auch ihren Ausdruck im alltäglichen Leben fand, wie generell das Leben war – abseits von den alltagsgeschichtlichen Quellen. Es ist sicher faszinierend, wenn man die ganzen Bauten und die Struktur der Stadt erblickt.
    Die „Nation“ mit voller Hingabe zu verteidigen, war jedenfalls das höchste Ziel. Denn Patriotismus gab es damals nicht. Es war normal, seinem Land zu dienen. Fressen oder gefressen werden. Wir können uns heute nur keine Zeit mehr vorstellen, die fast durchweg von Krieg geprägt war – jedenfalls hier in Deutschland nicht. In anderen Teilen der Welt ist es ja heute noch der Fall, allerdings größtenteils religiös-fundamentalistisch geprägt, sollte man doch eigentlich meinen, dass die Aufklärung seinen Teil dazu beigetragen hat, davon wegzukommen…
    Ich habe mir mal die Grundthesen von Herrn Küng angeschaut, zumal ich davon jetzt zum ersten Mal höre. Eine seiner Thesen lautet „kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen“ – wie soll denn Frieden unter den Religionen herrschen, wenn die Scharia (politischer Islam) doch verlautbaren lässt, man solle den Ungläubigen (und damit auch einen Christ, Juden,…) bekämpfen? Islamische Intellektuelle versuchen seit Jahrhunderten, sich von der Scharia zu lösen – aber der fundamentalistische Teil, patriarchalisch-archaisch geprägt, überwiegt und es wird ihnen vermutlich nicht gelingen, sich von ihr zu lösen.

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  • Marcin Lupa

    Da sprichst Du genau den Punkt an, der jegliches Streben nach Einheit schwach werden läßt. Wie soll Frieden unter den Religionen herrschen, wenn die eine Religion, hier der Islam darum bestrebt ist, die andere, hier das Christentum zu vernichten?
    Und wieder liegt es an der Fähigkeit zur Prognose daran etwas zu ändern. Ob das geschieht, sei dahingestellt. Vielleicht bleibt das Weltethos eine Illusion. Vielleicht nahm es Küng dieses Jahr mit ins Grab.

    Diese Haltung des stärkeren nationalen Zusammengehörigkeitsgefühls besitzen wir heutzutage anläßlich von internationalen sportlichen Ereignissen: Welt - und Europameisterschaften und Olympischen Spielen. Da hat man das Gefühl ein Tennisspieler, wie Alexander Zverev, steht im Finale des olympischen Turniers, um Gold für Deutschland zu holen, darauf deutet der Reichsadler auf seiner Stirn auch hin. Tatsächlich holt er sie für sich, für seine Reputation und für sein Bankkonto. Klar, dass diese narzisstische Haltung von einer sozialen, edlen überdeckt werden muss. Und man empfindet ihn als Repräsentanten einer gemeinsamen Sache - fast wie der res publica. Hier eine res foedera.

    Ich persönlich zöge das Geld dem Ruhm vor. Wenn ich es mir aussuchen könnte - zum Beispiel durch einen Gewinn im Lotto - , dann wäre ich gerne Wohlhabend aber unbekannt. Ich stehe sehr ungern im Mittelpunkt, muß mich aber immer wieder hervorwagen aus meinem autistischen Versteck (das auch in meinem Kopf existiert) und hervortreten ans Licht mit einem gewissen Benehmen kokettieren und präsent sein, anleiten, unterstützen. Das ist für mich schwierig. Aber gezwungenermassen mache ich es gut, denke ich.

    Und dann sind mir Anerkennung und Lob viel Lieber als Schelte und Kritik. Das ist klar.

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  • Luca Rosenboom

    Es wäre durchaus zu begrüßen, wenn dies keine Illusion bliebe – allerdings stehen die Chancen schlecht. Die von dir angesprochene Einheit ist derzeit sehr brüchig. Nationen, die mittlerweile im Begriff sind, sich aufzulösen, könnten dem Einhalt gebieten. Im Sport gibt es vermutlich die einzig noch nicht verpönte Art zu zeigen, dass man stolz auf sein Land sein darf – auch wenn mit dem Gewinn sicherlich soziales Prestige im Vordergrund steht; jedenfalls die Medaillen und insbesondere das Geld. Wenn man die Italiener, denen der EM-Sieg sehr zu gönnen ist, mit den Deutschen vergleicht, so fällt auf, dass sie wesentlich stolzer sind, ihr Trikot zu tragen. Bei uns wird generell schnell an die Vergangenheit erinnert, obgleich es hier um Sport geht, bei dem der Wettkampf selbst im Vordergrund steht und nichts anderes.
    Beim Geld bin ich deiner Meinung, zumal eine Absicherung mental sehr befreiend sein dürfte. Man hätte jedenfalls die Möglichkeit, das zu tun, worauf man Lust hat – was nicht heißen soll, es wäre jetzt nicht möglich, allerdings wären mehr Spielräume dar. Da Geld aber eher Mittel zum Zweck ist, denke ich, dass ein Budget ausreichend ist, wo man all seine Rechnungen bezahlen und sich ab und zu etwas gönnen kann. Hier spielen soziale Medien eine m.M.n. sehr schlechte Rolle (m.E. der Plattformen wie die der wbg). Durch den Massenkonsum von Gütern aller Art (seien es reiche Person oder Sportler etc.) kommt es zu einer Verschiebung des Weltbildes, insbesondere bei jungen Menschen: Ein schönerer Körper, mehr Geld, mehr Ruhm (sind ‚Likes‘ eigentlich soziales Kapital?) etc. Die Folgen sind zum einen verhaltensgestörte Menschen, zum anderen, dass insb. junge Menschen Instagram als direkten Berufseinstieg sehen, ohne je etwas Vernünftiges gelernt zu haben. Damit will ich in keiner Weise den „Beruf“ (?) oder die Arbeit eines Influencers, je nach Person auch eine Influenza, schmähen. Auffallend ist zunehmend auch die enorm geschmälerte Kritikfähigkeit bei Personen öffentlichen Lebens. Wer mit Versprechungen Schrott vermarktet – besonders in der Sportszene –, um maximalen Profit zu schöpfen, sollte mit Gegenwind rechnen. Allerdings wird jegliche Kritik ausgeblendet, so dass diese Personen in ihrer eigenen Blase leben, ohne am ‚wahren‘ Leben teilzunehmen.

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  • Marcin Lupa

    Sehr kluge Ansichten, Luca. Da kann ich nur voll zustimmen. Und ja "Likes" sind soziales Kapital, sind Lob und Seelenpollitur, manchem dienen sie sogar pathologisch als narzisstische Zufuhr.

    Wer dieses Jahr in Olympia seine Nation sehr gut vertreten hat, war ein Russe, der für Deutschland kämpfte. Alexander Zverev, der im Tennis Olympisches Gold holte. Er trug zwar kein deutsches Trikot, jedoch ein Stirnband mit dem Reichsadler. Bis zum Finale, wo er einen Landsman von sich, der auch Russland repräsentierte relativ glatt in zwei Sätzen vom Platz fegte. Respekt. Auch wenn ich kein Fan von Zverev bin, da er von seiner Exfreundin wegen "häuslicher Gewalt" gerügt wurde und das öffentlich. Sie hat ihn zwar nicht angezeigt, dennoch denke ich, dass da was waren dran ist. Die polnische Exfreundin von Jerome Boateng nahm sich das Leben, nachdem er sie öffentlich diffamierte. Auch sie berichtete von "häuslicher Gewalt". Solche Leute können Leistungen vollbringen, die außerordentlich sind, bei mir genießen sie dennoch kein ansehen. Sofern ein Mann eine Frau nicht wertzuschätzen weiß, sollte er einen großen Bogen um sie machen.

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  • Luca Rosenboom

    "manchem dienen sie sogar pathologisch als narzisstische Zufuhr." Ich denke, das ist 100% im Kern getroffen. Die Scheinwelt, in der viele zu leben scheinen, hat sehr viele Schattenseiten, von denen man nur schlecht wegkommt. Und vor allem: Wer Reichweite besitzt, sollte sich dreimal überlegen, ob er eine andere Person schmähen will - denn sofort springen 10.000 auf den Shitstorm drauf und dann geschehen die von dir angesprochenen Dinge; denn ein großes Thema ist die Anonymität, in der man im Netz unterwegs ist, und die viele Leute dazu verleitet, sich sicher zu fühlen, verletzende Dinge zu schreiben. Ähnliches gilt für die englischen Fans, die nach den verschossenen Elfmetern im Finale ihre Spieler rassistisch beleidigt haben.

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  • Marcin Lupa

    So ist es. Diese Distanz und Anonymität läßt die Leute sich sicher fühlen. Normalerweise würden sie auf offener Straße nicht beleidigen oder drohen, weil sie die Konsequenzen fürchten. Im Netz glauben sie - so einfältig sind sie tatsächlich -, dass ihr Verhalten keine Konsequenzen hat. Hauptsache sie konnten ihren Frust loswerden und konnten jemandem wehtun. Sadismus und Wut bedient, nächstes Thema bitte.

    Viele von ihnen staunen dann nicht schlecht, wenn es Unterlassungsklagen von der Staatsanwaltschaft gibt oder die Polizei vorbeikommt, um akute Gefahrenabwehr zu leisten.

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  • Kio Viktor

    Hallo Luca, ich schließe mich Marcin Lupa an - ein starker Satz, der sich einem direkt anhaftet: "Es liegt nichts am Ruhm, mein Freund; aber alles in der eigenen Erfüllung."

    Danke!

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  • Marcin Lupa

    Ich habe mir das Gedicht immer wieder durchgelesen, Tage verstreichen lassen und wieder gelesen. Mir fällt die wunderschöne sprachliche Ausarbeitung auf.
    Und auch inhaltlich treffen es einige Aussagen, so zum Beispiel was bekannt ist, dass der Tod allen Leiden ein Ende bereitet. Glücklicherweise gibt es ein endgültiges Mittel, dass tatsächlich ALLE Schmerzen und Leiden beseitigt. Nur, dass es auch das Leben auslöscht, also alle Freude am Sein, jegliches Erlebnis und Bewusstsein. Insofern verstehe ich den Protagonisten, wenn er den Tod aufschieben, die Hoffnung wahren möchte, der nächste Tag möge ein besserer werden.

    Schönes Gedicht, in der Tat.

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  • Luca Rosenboom

    vielen Dank euch; die Hoffnung oder vielmehr die Zuversicht spielt jedenfalls eine große Rolle, in prekären Lagen weiterzumachen. Es kommen immer bessere Zeiten, wenn auch die Situation noch so aussichtslos erscheinen mag. Insofern soll auch ein gewisser Lichtblick ausgedrückt werden, der einen zum Ausharren animiert.

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