casus et fatum

Luca Rosenboom • 14 Juli 2021
9 Kommentare
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Bald kommt der Tod, das Haupt von Finsternis umhüllt…

Bald schleicht das träge Alter heran, und wenn das Haar ergraut,

man auf der Bahre liegt, die bald in Flammen aufgeht, schickt es sich

des Wertschätzens nicht mehr.

Keine Möglichkeit zu fliehen, keine Hoffnung - alles ist stumm, alles verlassen,

alles droht mit Verderben. Nicht eher jedoch sollen die Augen dir im Tode brechen,

und nicht früher sollen alle Sinne dir aus dem erschöpften Körper entschwinden,

ehe die Zeit reif ist.

Es liegt nichts am Ruhm, mein Freund; aber alles in der eigenen Erfüllung.

Schon lange hätte ich meinem Leiden im Tod ein Ende gesetzt, aber

meine Hoffnung hält mich am Leben und verspricht mir,

dass morgen alles besser ist.

Ich bitte dich, schwarzer Tod, halte deine Hand von mir fern. Halte sie fern, schwarzer Tod.

Er selbst, der Gott, wird, sobald ich danach trachte, mich befreien.

Ich ahne, was er im Sinne hat:

Ein willkürlicher Tod! Denn der Tod macht aller Not ein Ende.

 

Kommentare (9)

Marcin Lupa

Ein sehr schönes Gedicht, das zum Nachdenken über Pandemien im Allgemeinen und ihre Macht über uns Menschen anregt.

Schön besonders der Satz: "es liegt nichts am Ruhm, mein Freund; aber alles in der eigenen Erfüllung" - diesen Satz sollte man sich zum Motto fürs Leben machen. Denn was ist mir Ruhm der Welt angesichts des Todes und wie stehe ich vor mir selber da, wenn ich nicht erfüllt bin von einem Leben, dass ich als richtig gelebt verstehen kann.

Sehr schöne Sprache auch!

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  • Luca Rosenboom

    Vielen Dank! Ich habe jedenfalls versucht, kunstvoll zu schreiben - ob es mir gelungen ist, mögen andere beurteilen. Der bzw. ein Sinn dahinter war jedenfalls - wie beschrieben - dass man das Leben genießen sollte. Der primäre Faktor war allerdings, dass das 'fatum' willkürlich entscheidet, wie es um unser aller Leben bestellt sein wird. Ich stelle mir gerne vor, dass die Schicksalsgöttin Fortuna an ihrem Rad dreht und entscheidet, was passieren wird. Das mag gewiss nicht immer gut ausgehen und einen ins persönliche Verderben stürzen oder einen Schicksalsschlag (casus) nach sich ziehen. Dieser jedenfalls soll einem helfen, stark aus der Situation rauszukommen, so dass man das Leben bestmöglich gestaltet - eben im Rahmen seiner Möglichkeiten.

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  • Ewa Holeczek-Lupa

    Ich begrüße sehr, wenn sich jemand Themen widmet, die sonst gemieden werden. Hier wird aber auch nichts ins Horrorhafte oder Groteske gezogen um schauderhaft Eindruck zu schinden. Gefällt mir wirklich gut!

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  • Luca Rosenboom

    Der Begriff Katharsis dürfte in diesem Kontext auch eine psychologische Rolle im Menschen selbst spielen ja - zumindest die neuzeitliche, psychologische Definition. Aber auch die antiken Autoren, die den Begriff geprägt haben, geben valide Argumente an: Platon bringt den Körper in den Einklang zur Seele, das bedeutet: Ein schlechter Zustand des Körpers bewirkt auch einen schlechten Zustand der Seele, was sich durch seelische und körperliche Aktivitäten verbessern lässt, um ein gesundes Verhältnis zu gewährleisten.
    Die antiken Autoren berufen sich hier aber meines Wissens nach auf die Humoralpathologie (später durch Galen 'erforscht'), die auch im Mittelalter und sogar darüber hinaus bis ins 18. Jahrhundert noch bei der Pest angewandt wurde.

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  • Marcin Lupa

    Wieder was gelernt, ich dachte nämlich, dass die Römer die Idee des gesunden Körpers in dem ein gesunder Geist wohnt prägten. Dass bereits Plato darüber sprach ist mir neu und zugleich erstaunlich.

    Wenn ich das Ideal eines Hopliten betrachte, so denke ich immer an einen Adonis, der seelisch sehr ausgeglichen mit einem gut trainierten Körper ausgestattet ist.
    Noch mehr als bei einem Legionär, den ich mir auch an dem militärischen Drill leidend vorstelle.

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  • Luca Rosenboom

    Da wir ja in diesem Beitrag auch das Thema Schicksal und Tod haben, trifft es sich ganz gut, ein paar Worte loszuwerden.

    Ich denke, dass die Söldner des hellenistischen Ostens komplett auf den Krieg ausgelegt waren, eine Art Berufssoldat, die unerbittlich für den Sieg kämpfte – dabei schreckte man nicht vor dem ‚fatum‘, nämlich dass man sterben könnte, zurück. Man opferte sich etwas Größerem – Opferbereitschaft ist schließlich auch ein wichtiges Wort, wenn es darum geht, antike Traditionsgesellschaften zu verstehen, die im Sinne ihrer Vorfahren für eine Sache einstanden, vehement für diese kämpften. Auch bot das Militär eine Chance, dem elendigen ‚fatum‘ seines erbärmlichen Lebens zu entkommen. Wenn man ein armer Bauer war, so konnte man sich rekrutieren lassen (oder wurde gar berufen, je nach dem, in welcher Vermögensklasse man war), um sich aussichtsreichere Lebensverhältnisse zu verschaffen.
    Auch die Religion selbst war eng verzahnt mit dem Militär, denn man holte vor den Schlachten auspicia ein, eine Art Vogelschau, mittels derer man ausforschen konnte, ob die Götter einem wohlgesonnen waren. Hatte Fortuna ihr Rad ‚günstig‘ gedreht oder sollte man lieber von seinem Vorhaben ablassen? So fing ja auch die römische Geschichte in der Mythologie bei Romulus und Remus an, nachdem Romulus die auspicia eingeholt hatte, die ihn schließlich dazu veranlassten, seinen Bruder zu töten, der seine ‚Staats’mauern (die des erhabenen Roms, am Fuße des Palatinhügels) überquert hatte.
    Jedenfalls abermals ein interessantes Thema, wozu man viel schreiben könnte, obgleich die Quellen selbst oftmals zu Soldaten schweigen, denn sie erscheinen vielmehr im Großen und Ganzen des Heeresgefüges. Eine interessante Lektüre stellt hier „Robert Knapp, Römer im Schatten der Geschichte“ dar, der über Arme, Frauen, Prostituierte u.v.m. (auch Soldaten) schreibt.

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  • Marcin Lupa

    In der Tat gebe es viel zu reflektieren. Ich kenne mich allerdings in der Geschichte zu wenig aus, um über die Haltung von antiken Soldaten zu sprechen.

    Ich beziehe den Sachverhalt mal auf mich: wäre ich Soldat, wüßte ich, dass ich niemals für etwas Glorreiches oder Größeres kämpfe, auch wenn ich für die Werte der Demokratie, der Kultur und der sozialen Markwirtschaft eintreten würde. Diese "westlichen" Werte zu transportieren, wäre meine Haltung als Soldat. dementsprechend würde ich mich auch bei der Friedenssicherung verhalten, unabhängig vom Einsatzgebiet. Insofern wäre ich bereits indoktriniert, denn am Ende dienen Soldaten den Profiteuren einer dank dem Militär aufrecht gehaltenen stabilen Ordnung und in erster Linie ihrem eigenen Sold.

    Dass man zu allen Zeiten schon innerhalb des Militärs aufsteigen konnte, um sich bei Zeiten ein schönes Häuschen zu bauen und auf einen glücklichen Lebensabend am Barbecue zu hoffen, habe ich früh wahrgenommen. - Auch wenn es heutzutage ohne akademisches Studium schwer sein wird, eine Offizierslaufbahn zu beschreiten. Dem gewöhnlichen Truppenführer sind also Grenzen gesetzt. Da glaube ich, dass eher schon der historische Soldat durch etwaige Verdienste im Kampf sich auszeichnen und zu Rang und Ehren kommen konnte. Ein Centurion war nicht immer ein Mann des noblen Standes, jedenfalls nicht zwingend schon am Anfang seiner Kariere.

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