Buchtipp: Rebekka Reinhard, »Die Zentrale der Zuständigkeiten. 20 Überlebensstrategien für Frauen zwischen Wollen, Sollen und Müssen«

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Buchtipp: Rebekka Reinhard, »Die Zentrale der Zuständigkeiten. 20 Überlebensstrategien für Frauen zwischen Wollen, Sollen und Müssen«

 

Die Philosophin Dr. Rebekka Reinhard hat mit ihrem 2022 erschienenen Buch »Die Zentrale der Zuständigkeiten. 20 Überlebensstrategien zwischen Wollen, Sollen und Müssen« einen Guide für Frauen geschaffen mit dem Ziel in der Gesellschaft zu bestehen. Reinhard geht von der Problematik aus, dass Frauen im Alltag für alles zuständig seien und dadurch einem enormen Druck ausgesetzt sind. In diesem Buch thematisiert sie nun, wodurch dieses Ungleichgewicht entstanden ist und wie man sich als Frau vor einem solchen Last schützen kann.

Dabei richtet sich das Buch keinesfalls nur an Frauen – auch Männer sind herzlich dazu eingeladen sich dieser kurzweiligen Lektüre hinzugeben und darüber nachzudenken.

Die moderne Frau kann alles tun und muss alles tun. 40+ arbeiten, beruflich erfolgreich sein (aber nicht zu erfolgreich!), Kinder großziehen und nebenbei noch das bisschen Haushalt (das macht sich bekanntlich ja von allein!) erledigen. Natürlich pflegt sie dabei einen gesunden und sportlichen Lifestyle. Sie schafft es, weil sie eine Superheldin ist. 


In 20 Kapiteln stellt Frau Reinhard zunächst je ein zentrales Problem vor und bietet im Anschluss daran Lösungsvorschläge, sog. Überlebensstrategien. Das Buch behandelt die vielseitigen Herausforderungen der modernen Frau; es geht um die Frage nach dem Mental Load, der Care Arbeit und dem Leistungsdruck, dem Frauen in unserer Gesellschaft standhalten müssen. Auch das Thema Gewalt wird hierbei angesprochen. Dabei sind die vorgestellten Lösungen fern ab von der sog. Positiven Psychologie (Beispiel: »Du kannst alles schaffen, was Du nur genug möchtest!«), sondern pragmatisch und realitätsnah - umsetzbar. Gleich zu Beginn des Buches lädt Reinhard dazu ein, nicht das ganze Buch, sondern die Passagen zu lesen, die einen besonders betreffen. Je nach Generation unterscheiden sich die Hürden der »Zentrale der Zuständigkeiten«. All dies soll uns dazu verleiten, weniger angespannt, wütend und ängstlich zu sein. Locker zu lassen. Ab und an mal faul zu sein - ganz ohne schlechtes Gewissen.

Am Anfang führt Reinhard mit der oftmals unausgeglichenen Aufteilung der Care-Arbeit ein. In der Regel sind beide Partner berufstätig, aber es ist die Mutter, die die Arzttermine macht, die Schuhgrößen der Kinder kennt und neben der Arbeit noch den Bärenanteil des Haushalts stemmt. Es war erstaunlich, wie sehr ich meine Mutter in der Beschreibung der Autorin wiedererkannt habe. Damit ging auch die Erkenntnis einher, wie viel meine Mutter für mich getan hat und immer noch, Jahre nachdem ich ausgezogen bin, für meinen Bruder, meinen Vater und mich leistet. 
In anderen Kapiteln, besonders »#6 „Dick Picks“ und andere Schweinereien: Was tue ich gegen sexuelle Gewalt?« und »#19 Sinn im Getriebe: Warum kann ich nie nichts tun?« habe ich mich und meine Generation eher wiedergefunden, da die Autorin Probleme anspricht, mit denen ich mich bereits konfrontiert sah. 


Reinhards Überlebensguide besticht nicht nur durch einen sehr direkten und ansprechenden Schreibstil, sondern auch durch zahlreiche Belegen, Zitate und dem philosophischen Gespür, welches die Autorin auch regelmäßig im Podcast der wbg beweist. 

 


Podcast-Empfehlung: In der neusten Folge vom wbg Podcast - Was sagen Sie dazu? spricht Rebekka Reinhard mit Beate Varnhorn über ihr neues Buch. Hier kommen Sie zum Podcast.


Buch Feminismus
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Reinhard, Rebekka

Die Zentrale der Zuständigkeiten

20 Überlebensstrategien für Frauen zwischen Wollen, Sollen und Müssen

»Du bist eine Frau. Du bist: Die Zentrale der Zuständigkeiten. Denn du kannst alles. Wer alles kann, ist auch für alles zuständig. Dein Können ist gefragt wie nie. Doch die Sache hat einen Haken. Einerseits willst und sollst du arbeiten, Geld verdienen, durchstarten – andererseits sorgen, lieben, achtsam sein. Der Widerspruch zwischen ›hart‹ und ›weich‹ zwingt dich in den Kampfmodus. Du kämpfst mit deinen eigenen Entscheidungen, Gedanken und Gefühlen; du kämpfst mit den Wünschen, Zielen, Meinungen anderer. Und den Nebenwirkungen: Wut, Stress, Angst, Zweifel. Nackenverspannungen!«

Rebekka Reinhard bietet 20 unerlässliche Strategien für mehr Leichtigkeit; Inspiration und Anleitung, um souverän durch diese widersprüchliche Welt zu navigieren: von Alltagsproblemen bis zur Verwirklichung der eigenen Träume jenseits des Ego-Feminismus.

Kommentare (7)

Merchan Agaricus

Ich sehe in der Beschreibung die Frauen meines Lebens. Allesamt Superheldinnen.

Als Mann kann ich nur mitfühlend sein und meine Arbeitskraft anbieten, wo immer es nur möglich ist.

Ich habe einen großen Respekt vor den Frauen meines Lebens. Ihnen zur Seite stemme ich meinen Teil weit über den Rand der Erschöpfung hinaus. Ständige Nacken - und Kopfschmerzen sind seit Jahren meine täglichen begleiter. Arbeit und Haushalt verlangen auch mir einiges ab.
Eine Erlösung wäre willkommen, ist aber lange noch nicht in sicht.

Egal ob Mann oder Frau, zusammen sind wir stark. Daher mein Plädoyer für eine gute Partnerschaft.

Lara Hitzmann

Lieber Herr Agaricus,
das sind sehr schöne Worte über Ihre Beziehung. Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese anstrengende Phase weiterhin so erfolgreich meistern und es freut mich wirklich außerordentlich, dass Sie den Frauen um Sie herum solch Wertschätzung gegenüberbringen. Hoffentlich beruht dies auf Gegenseitigkeit.

Merchan Agaricus

Herzlichen Dank, Frau Hitzmann. Wir Menschen können auch von einander profitieren. Egal in welcher Konstellation.

Merchan Agaricus

Ich habe das Buch übrigens nun meiner Frau geschenkt. Sie ist eine absolute Zentrale der Zuständigkeit und es werden ihr darüber hinaus auch noch massive Steine in den Weg gelegt. Ich bewundere sie dafür, wie sie alles stemmt und helfe ihr so gut es mir gelingt.

Partnerschaft innerhalb der Zentrale der Zuständigkeit führt zur Delegation von Aufgaben. Sie ist hilfreich, wenn gut vorgelebt.

Andrea Hack

Vielen lieben Dank für diesen Buchtip.
Sehr ratsam sich damit zu beschäftigen.
Wer oder was will man sein beruflich, also komplett gleichberechtigt in beruflichen Wünschen, alles selbst organisieren oder für sich in allem einstehen und gleichzeitig nicht nur noch im funktionieren sein ?
Das ist ein schwerer Konflikt .
Vor allem weil ich finde dass da viele männliche Komponenten gefordert sind , wie gleiche ich es aus , ohne mich nur noch als zu männlich zu fühlen ?
Denn es ist auch eine Frage die ich mir stelle , wie kann ich mich auch noch als Frau gut fühlen , was brauche ich von meinem männlichen Gegenüber ?
Kamn ich meine vermeintliche Schwäche denn überhaupt zugeben , wenn ich mich nur mal nach männlicher Unterstützung sehne ?
Denn das wird uns doch gesagt , wir sollen eigenständige Frauen sein und das macht ja auch Sinn
Allerdings ist das ohne dass die Männer von der Versorgungsrolle weichen nicht möglich .
Hatten es die Frauen und Männer in der Steinzeit einfacher ?
Ich frage mich wie da die Gemeinschaft war ?
Oder war es nur einfacher weil mehrere Leute eine Gemeinschaft waren ?

Lara Hitzmann

Liebe Frau Hack, ich danke Ihnen für Ihren Kommentar. Ja, es ist gar nicht so einfach in unserer Gesellschaft seinen oder ihren Weg zu finden. Auf das Verhältnis in einer Beziehung und wie Männer ggf. ihre Partnerinnen entlasten können, schreibt Frau Reinhard im letzten Kapitel ihres Buches, auch wenn es natürlich im ganzen Buch thematisiert wird.
Über die Beziehungen in der Steinzeit kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben, aber zumindest in der Antike gibt es einige Belege für Beziehungen, in denen die Aufgabenbereiche nicht so stringent getrennt wurden wie eigentlich angenommen. Ein Beispiel sei hier Sparta.
Sie sprachen die Versorgerrolle des Mannes an. In meinem direkten Umfeld findet sich dieses Stereotyp nur in den älteren Generationen. Aber dies mag auch weniger ein Phänomen der Zeit als meines Bekanntenkreises sein. Es bleibt zumindest interessant, wie es sich weiter entwickelt.

Merchan Agaricus

In der Prähistorie scheint es vielerlei Modelle der Paarbeziehungen gegeben zu haben. Das Klischee vom jagenden Mann und der sammelnden und verarbeitenden Frau ist bis jetzt jedenfalls unhaltbar. Einige Frauen sind auch heute einigen Männern körperlich und wohl auch geistig überlegen.

Wenn Frau Hack sich die Steinzeit in derlei Hinsicht vergegenwertigen möchte, empfehle ich David Graeber und David Wengrow "Anfänge" zu lesen oder sich anzuschauen, wie ich bei der 100 Meter Damenstaffel im hiesigen Schwimmverein mitschwimme, äh untergehe.


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