Berufe für Geisteswissenschaftler

Kommentare (4)

Thorsten Jacob

Hallo liebe Community-Mitglieder, das Thema "Geisteswissenschaften & Beruf" ist absolut spannend, da es hier viele verschiedene Gesichtspunkte, Ansichten und auch Möglichkeiten gibt.

Auf der einen Seite sind Absolventen der Geisteswissenschaften sehr begehrt aufgrund ihres breit aufgestellten Wissens, ihrer autodidaktischen Arbeitsweise und ihren kommunikativen wie kreativen Stärken (Zitat eines Headhunters "Geisteswissenschaftler können alles!").

Auf der anderen Seite ist der berufliche Einstieg gerade für Geisteswissenschaftler mitunter holprig, da ihnen eine fehlende Praxisnähe unterstellt wird (auch wenn zu Unrecht, aber Gerüchte können wahnsinnig hartnäckig an einem haften bleiben).

Hierzu frühzeitig berufliche Weichen zu stellen wie durch Studentenjobs, die wirklich auch eine Nähe zum gewünschten ersten "echten" Job nach der Uni aufweisen, Praktika oder auch ehrenamtliche Tätigkeiten könnten zukünftige Arbeitgeber überzeugen. Aber auch die Themenwahl in den Seminaren / Abschlussarbeiten kann zielführend sein und später auch so argumentiert werden.

Letztlich zeichnet uns Geisteswissenschaftler nun auch eine gehörige Portion Mut, Geduld und Optimismus aus und wer nicht direkt mit dem Absolventendasein einen Traumjob ergattert, sollte sich nicht entmutigen lassen, denn auch sämtliche Statistiken geben uns Hoffnungsvollen Recht: extrem niedrige Arbeitslosenquote und viele berufliche Möglichkeiten auf dem freien Markt.

Für den Fall, dass es aber nicht sofort mit dem Traumjob beginnt, noch zwei kleine Tipps.

1. Als Quereinsteiger hat man manchmal das Glück, dass man auf Kollegen und Vorgesetzte trifft, die selbst einen akademischen Hintergrund haben oder zumindest den Geisteswissenschaften gegenüber aufgeschlossen sind, da ist dann auch die Akzeptanz gleich auf Augenhöhe. Im gegenteiligen Falle und eines mitunter spöttischen Blicks ("Hättest Du mal n richtiges Fach studiert?!") sollte man sich nicht entmutigen lassen, hier spricht nicht die Weisheit, sondern genau das Gegenteil.

2. Merkt man im Laufe der ersten Monate oder Jahre für sich selbst, dass einem etwas fehlt oder der Gedanke kommt, man hätte doch lieber ein anderes Studienfach in seinem Portfolio anzubieten, so gibt es ganz phantastische Fortbildungsmöglichkeiten in Form von Fernuniversitäten, welche man zum Feierabend / Wochenende hin vom heimischen Sofa aus angehen kann. So kann man sich hier letztlich auf drei Säulen stützen: Universitärer Abschluss, erste Berufserfahrung + berufsbezogenes Fernstudium.

Von meiner Seite aus nun noch die letzte Info: Der erste Einstieg war im Bereich Content Management / Online Redaktion und ich selbst bin Magister der Philosophie, M/N Geschichte und Osteuropäische Geschichte und ja, es sind die wundervollsten Fächer, die ich für mich hab studieren können. :)

Herzliche Grüße an alle Freud- und Leidensgenossen der Geisteswissenschaften!

Joy Hofmann

Viele Geisteswissenschaftler müssen sich häufig die Frage von Freunden und Angehörigen stellen lassen: „Was kann man damit machen?“. Auch ich begegnete dieser Frage oft und meine Antwort war meistens: „eigentlich fast alles“. Geisteswissenschaftler bringen viele verschiedenen Kompetenzen mit. Sie haben eine Vielzahl an Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, auch als Quereinsteiger.

Ich persönlich habe Anglistik und Soziologie als Hauptfächer und BWL als Nebenfach studiert. Wichtig war mir etwas zu studieren, was mich interessiert und mir Spaß macht. Meine spätere Berufswahl spielte bei der Entscheidung keine Rolle. Das Gute an meinem Studium war, dass man sich zu Beginn noch nicht für eine berufliche Richtung festlegen musste. Man kann verschiedenen Richtungen während seines Studiums und durch Praktika kennenlernen.

Während meines Studiums habe ich zwei 3-monatige Praktika absolviert. Das erste machte ich an einer Spanischsprachschule. Dort erhielt ich Einblicke in die Administration und das Marketing einer Sprachschule. Mein zweites Praktikum machte ich bei der wbg in der Community- Abteilung. Der Schwerpunkt meiner Tätigkeiten lag auf: Plattform und Community Management, Eventmanagement, Social Media und Mitgliederbetreuung. Meine Aufgaben beinhalteten unter anderem die Erstellung von Contentbeiträge und die Vorbereitung von Social Media Aktionen, Werbemitteln und Veranstaltungen, sowie die Vorbereitung von Aktionen zur Kundengewinnung und Kundenbindung. Das Praktikum war sehr abwechslungsreich und bot einen sehr guten Einblick in den verschiedenen Bereichen der Community-Abteilung. Darüber hinaus ermöglichte das Praktikum bei der wbg einen Einblick in das vielfältige Verlagswesen.

Mein persönliches Fazit:

Als Geisteswissenschaftler ist es sicherlich nicht immer leicht, den passenden Job für sich zu finden. Auch ich habe meinen Traumberuf noch nicht gefunden. Durch mein Praktikum bei der wbg habe ich nicht nur erste Berufserfahrung sammeln können, sondern es hat mir auch bei der Berufsfindung geholfen. Ich sammelte wichtige und verschiedene Erfahrungen und konnte mich an diversen Aufgaben ausprobieren. Ich stellte fest, wo meinen Stärken und auch meine Schwächen liegen und welche Aufgaben ich mir für meine zukünftige Laufbahn vorstellen kann.

Mein Tipp (auch an mich selbst): Dran bleiben! Der Berufseinstieg, scheint er auch noch so holprig, wird letztendlich gelingen.

Thorsten Jacob

Sehr schöner Eindruck von den Höhen und Gräben, den Tücken und den Lichtblicken des Studiums und der Zeit danach, Dankeschön! Hierzu mein Lieblingszitat von Nietzsche: Werde, der Du bist! =)


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