Armand Marie Leroi, Die Lagune

Rita Weißenberger • 30 Juli 2022
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Dies ist ein Buch, um das ich einige Zeit ‚herumgeschlichen‘ bin, bis ich mich zum Kauf entschlossen habe. Der Einband hatte mich sofort angesprochen. Es dann in Händen zu halten – ein Genuss! Es fühlt sich wundervoll an. Weitere Monate vergingen, in denen ich es nur begeistert anschaute, hin und wieder liebevoll in die Hände nahm und die Gestaltung bewunderte.

Diesen Sommer war es dann endlich soweit, der Titel passte gut zum Urlaub am Strand :

Armand Marie Leroi, Die Lagune oder wie Aristoteles die Naturwissenschaften erfand

Der griechische Philosoph Aristoteles war mir aus dem Studium bekannt, Poetik, Nikomachische Ethik und natürlich die Metaphysik. Alles lange, lange her. Aristoteles als Naturwissenschaftler, das war mir ziemlich unbekannt und meine Neugierde also dementsprechend groß. Mit von Kapitel zu Kapitel wachsender Begeisterung habe ich dann dieses spannende Buch gelesen. Ab und an waren Pausen nötig, um den sehr dichten Inhalt zu verdauen. Mein großes Interesse an Naturwissenschaft allgemein und Biologie im Besonderen war bei der Lektüre hilfreich, ebenso auch die Erinnerungen an Gehörtes und Gelerntes aus dem Studium, die mir nach und nach kamen.

Der Biologe Armand Marie Leroi kam zufällig mit Aristoteles Schriften über die Natur in Kontakt und Aristoteles Vorgehensweise erinnerte ihn an seine eigenen Anfänge als Naturforscher in Kindheit und Jugend. So fasst er es im letzten Kapitel zusammen: „Man beginnt mit Einzeldingen, etwa einer Schachtel voller Muschelschalen, bringt sie zusammen und arrangiert sie wieder und wieder neu, um ihre Logik und Ordnung zu begreifen. Dieses Begreifen, sagt Aristoteles, ist das Geschenk der Vernunft und der Anfang der Wissenschaft. Hier liegt auch die wahre Schönheit. Das war für mich schon mit zehn Jahren unausgesprochen offenkundig.“ Der Autor begann also sich intensiv mit Aristoteles zu befassen. Mit dem Philosophen, dem Systematiker, dem Lehrer, dem von der Natur begeisterten Forscher auf der Suche nach den Ursachen. Armand Leroi setzt sich mit den Texten als Biologe auseinander, arbeitet sich durch die Rezeptionsgeschichte und Sekundärliteratur und er verbringt viel Zeit auf Lesbos, an der Lagune, mit Studien vor Ort auf Aristoteles Spuren. Immer wieder streut er Berichte darüber ein, so hat man das Gefühl, ihm bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und die Lektüre wird nie eintönig.

Nach etwa 400 Seiten am Ende des Textes angekommen, findet man noch auf knapp 130 weiteren Seiten reichlich Material, um selbst weiter am Thema zu bleiben: Da sind zum einen die Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln, dann ein Glossar, eine Liste der von Aristoteles beschriebenen Tierarten mit dem Versuch sie zu identifizieren, Tabellen und Kurven als Versuch mit heutigen Mitteln Aristoteles Forschungsergebnisse darzustellen, eine umfangreiche Bibliografie und ein klug angelegtes Register.

Dieses schöne Buch ist ein wahrer Genuss!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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