Antike Welt Kolloquium: Der Untergang des Römischen Reiches 

Lara Hitzmann • 24 Juli 2022
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ANTIKE WELT Kolloquium: Der Untergang des Römischen Reiches 

Ein Rückblick 

 


Bereits seit dem 18. Jahrhundert beschäftigt sich die Geschichtswissenschaft mit der Frage, weshalb das Römische Reich untergegangen ist. Es wurden unzählige Gründe für den Untergang Roms gefunden. Die Spannbreite verläuft über Völlerei und Umweltkatastrophen, die Völkerwanderung, die Unfähigkeit der Politik bis hin zu der zu allen Zeiten präsenten Bleivergiftung. 

Ausstellungshinweis
Zur Website der Ausstellung

Das Rheinische Landesmuseum Trier hat es sich mit dieser Ausstellung zur Aufgabe gemacht darüber aufzuklären, welche Ursachen nun tatsächlich für den Niedergang des Weströmischen Reiches verantwortlich waren und was diesen Transformationsprozess alles überdauert hat. Durch die Organisation des Teams von Marcus Reuter und Korana Deppmeyer ist so eine informative und gleichermaßen ansprechende Ausstellung entstanden, die mit einigen sehr prominenten Objekten ausgestattet ist.

Holger Kieburg, Chefredakteur der ANTIKEN WELT, richtete in Zusammenarbeit mit seiner Kollegin Anna Ockert und dem Rheinischen Landesmuseum Trier am 18. Juli 2022 passend zum Ausstellungsbeginn ein Kolloquium in Trier für alle Geschichtsinteressierten aus. Als Rednerinnen und Redner waren fünf Gäste geladen, die dem Publikum den Untergang des Römischen Reiches in breitgefächerten Vorträgen näherbrachten und im Anschluss daran zur Diskussion einluden. 


»„Endlich wieder ein AW-Kolloquium“ werden sich unserer Leser:innen gedacht haben, als sie den Hinweis in unserer Zeitschrift oder auf unseren Social Media-Kanälen gesehen haben. Für mich persönlich war es das erste AW-Kolloquium, an dessen Organisation ich beteiligte war und umso mehr freute ich mich über die rege Anzahl an Teilnehmer:innen, trotz der sehr sommerlichen Temperaturen. 
Bereits letztes Jahr fiel die Entscheidung, ein Kolloquium mit dem Thema „Der Untergang des Römischen Reiches“ durchzuführen. Maßgeblich dafür war der Entschluss, ein Titelthema in der ANTIKEN WELT − passend zur großen Landesausstellung 2022 im Rheinischen Landesmuseum Trier − ebenfalls dem Untergang des Römischen Reiches zu widmen. Die entsprechende Ausgabe erschien Ende Mai und entstand in Zusammenarbeit mit den Kurator:innen der angesprochenen Ausstellung sowie weiteren Experten der Spätantike, von denen einer – Herr Prof. Dr. Lukas Clemens – ebenfalls das Kolloquium mit einem Beitrag bereicherte. 
Auch die Veranstaltung sollte deshalb in Trier stattfinden, denn die Stadt bietet mit ihrem historischen Hintergrund und noch heute sichtbaren archäologischen Zeugnissen nicht nur die perfekte Kulisse, als Standort der großen Landesausstellung, die die Teilnehmer:innen anschließend an das Kolloquium besuchen durften, eignete sich das Rheinische Landesmuseum Trier auch als hervorragender Veranstaltungsort. 
Die Planungen begannen im Februar: Ein genaues Datum musste festgelegt, Werbung in die Wege geleitet und das Programm auf die Beine gestellt werden. Schnell stand der Termin fest und konnte verbreitet werden. Auch das Programm kam schnell zusammen und so konnten sich alle Anwesenden auf fünf interessante und abwechslungsreiche Beiträge freuen,« berichtet Anna Ockert über die Organisation des Kolloquiums. 


Den Einführungsvortrag hielt der Althistoriker Prof. Dr. Holger Sonnabend (Universität Stuttgart), von dem zuletzt das Buch „Aufstieg und Fall großer Reiche“ bei der wbg erschien und der sich daher bestens mit der Thematik auskennt. Sein Vortrag leitete primär in das Thema des Kolloquiums ein, behandelte jedoch auch die Gefahr eines subjektiven Geschichtsverständnisses. Im Zuge dessen stellte er der Audienz die verschiedenen zum Teil sehr beharrlichen Vorurteile über Untergang des Weströmischen Reiches vor. Im Anschluss daran präsentierte der Althistoriker Prof. Dr. Christian Witschel (Universität Heidelberg) seine Forschungen zu der homogenen Gruppe der Goten. Witschels Vortrag behandelte die Beziehung zu Rom und den Goten und erläuterte, wie das Erstarken der ‚Barbaren‘ mit der Schwächung des römischen Imperiums einherging, machte jedoch auch deutlich, wie wenig bislang über die Goten bekannt ist. 

Kaiserthermen Trier
Kaiserthermen Trier

Daran anschließend wurde der nächste Vortrag deutlich regionaler: Die Archäologin Dr. Korana Deppmeyer, Kuratorin im Rheinischen Landesmuseum, berichtete aus den archäologischen Forschungen Triers und präsentierte die Bauphasen einiger bekannter Gebäude, die postantike Zerstörung sowie den derzeitigen Forschungsstand. Spätestens hierbei wurde deutlich: Die Stadt war nicht nur wegen Reuter und Deppmeyer Standort dieser Ausstellung geworden, sondern wegen seiner ehemaligen Funktion als antike Weltmetropole, weshalb der Untergang Roms auch im Trierer Fundgeschehen sichtbar wird. 


Nach der Mittagspause referierte der Mediävist Prof. Dr. Lukas Clemens (Universität Trier) über die Nutzung antiker Gebäude nach ihrer Blütezeit und ging hierbei nicht nur auf die Trierer Architektur, sondern auch internationale Bauwerke ein. Er betonte, dass gerade in Trier eine Vielzahl von Spolien wiederzufinden seien, wenn man denn darauf achte. 


Den Abschluss der Vorträge stellte der Leiter des Museums Marcus Reuter dar, der in Vorbereitung auf einen gemeinsamen Rundgang einmalige Einblicke in die kuratorische Arbeit gab. Er erläuterte, wie sie die Inspiration zur Ausstellung erhielten, was ihnen besonders wichtig gewesen war und wie und wieso die Ausstellung so aufgebaut ist. 
Als letzter Tagesordnungspunkt wurden die Gäste von Frau Deppmeyer und Herrn Reuter durch die Sonderausstellung geführt. Während des Rundgangs bestand erneut der Raum für anregende Diskussionen und die Kurator:innen boten spannende Hintergrundinformationen zu einzelnen Objekten. 


»Neben der Kuratorenführung durch die sehr gelungene Ausstellung, war mein persönliches Highlight zum einen der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Christian Witschel von der Universität Heidelberg, der einen Blick auf die «Goten» warf und der Frage nachging, ob die »Barbaren« am Untergang des Römischen Reiches beteiligt gewesen waren. Und zum anderen auch der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Lukas Clemens von der Universität Trier, der noch einmal deutlich machte, wie unterschiedlich mit dem römischen Erbe in den darauffolgenden Jahrhunderten umgegangen wurde und der einem noch einmal bewusst werden ließ, dass das, was wir heute in Trier sehen, nur ein ganz kleiner Teil des römischen Augusta Treverorum ist.« Anna Ockert, Antike Welt


Die Ausstellung


In der Sonderausstellung »Untergang des Römischen Reiches« werden die Gäste zunächst durch einige sehr helle Räume geführt, die über das Weströmische Reich im 4. Jahrhundert n. Chr. informieren. Bereits hierbei finden sich immer wieder lokale Bezüge, denn Trier war zu dieser Zeit ein wichtiges römisches Zentrum. Die Ausstellung verläuft zwar chronologisch, greift in den einzelnen Räumen jedoch immer ein Oberthema auf. So werden beispielsweise das Militär oder auch die heterogenen Gruppierungen des ‚Barbaricums‘ einzeln in den Blick genommen. Dank der vielfältigen Objekte und zahlreichen Medienstationen wird die Ausstellung leicht verständlich und holt die Besucherinnen und Besucher auf ihrem jeweiligen Wissenstand ab. 
Die weiteren Ausstellungsräume werden immer düsterer – der Untergang nähert sich. Nun werden die Gäste durch die Belagerung Roms durch Alarich im Jahre 410 n. Chr. geleitet und lernen, wie die letzten römischen Kaiser versuchten ihr Reich vor dem Untergang zu bewahren. Auch der Einfluss des Christentums wird hier thematisiert. Zuletzt stellt das Museum den Untergang Roms vor – aber auch, was den Untergang überlebt hat. Der Blick geht gen Osten. Denn für all jene, die bedauern, dass das Weströmische Reich untergegangen ist hier die frohe Botschaft: Im Osten blieb die römische Kultur noch lange bestehen. 


»Das Kolloquium hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen. Gerade der Bezug zur aktuellen Forschung und der darauffolgenden Objektschau war eine gelungene Mischung. Zudem war der Austausch mit den Referent:innen, der Leserschaft der Antiken Welt und dem geschichtsinteressierten Publikum sehr anregend, obgleich ein sehr höflicher Umgang untereinander herrschte. Als Studierende der Altertumswissenschaften bietet sich eine solche Gelegenheit nicht häufig. Vielen Dank an Frau Ockert und Herrn Kieburg für die Ausrichtung der Veranstaltung! Ich möchte ebenfalls den Vortragenden für diese einzigartigen Einblicke in die Spätantike und das frühe Mittelalter danken. Die Ausstellung ist definitiv einen Besuch wert – genauso wie Trier an sich.« Lara Hitzmann, wbg Community
 

Trier
Ausblick über Trier

 

Die Ausstellung »Der Untergang des Römischen Reiches« ist noch bis zum 27. November 2022 in Trier zu bestaunen. Weitere Informationen zur Sonderausstellung erhalten Sie hier.

 

 

 


Buch
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Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.)

Der Untergang des Römischen Reiches

Eindrucksvolle Zeugnisse der Spätantike: Vom langen Ende des Imperium Romanum

Der Zerfall des römischen Reiches kam schleichend: Schon weit vor der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustus zeichnete sich der Untergang des einst so glanzvollen Weltreiches ab. Der opulent bebilderte Begleitband zur großen Sonderausstellung 2022 in Trier widmet sich dieser bewegten Epoche an der Schwelle zum Frühmittelalter. Er beleuchtet die Geschichte Roms vom 3. bis zum 5. Jahrhundert, gibt Einblicke in Kontinuitäten und Brüche in Politik, Religion und Gesellschaft. Zahlreiche international anerkannte Historiker:innen spannen den Bogen von Niedergang und Teilung des Römischen Reiches bis hin zur aktuellen Diskussion rund um Ursachen und Deutungsversuche.

  • Was führte zum Ende des römischen Weltreiches? Begleitband zur Landesausstellung 2022 in Trier
  • Der neueste Forschungsstand: Facettenreiche Analysen renommierter Autor:innen
  • Von Diokletian und Valentinian I. bis hin zur Teilung und zum Zerfall des weströmischen Reiches
  • Ausstellungskatalog: Internationale Exponate aus dem römischen Kaiserreich und der Spätantike
  • Hochwertig illustriert: Aufsehenerregende Fundstücke und historisches Kartenmaterial

Untergang des römischen Imperiums: »Schlimmes Unglück« oder »Triumph der Freiheit«?

Zu den Ursachen für das Ende des römischen Reiches existieren bis zu 200 unterschiedliche Theorien. Welche Rolle spielten die sogenannte Völkerwanderung und die Plünderung Roms unter Alarich? Welche Folgen hatte der Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion? Und gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Zerfall des Römischen Reiches und dem historischen Klimawandel? »Der Untergang des Römischen Reiches« gewichtet die zahlreichen Thesen zum Niedergang neu. Die einzigartigen Fundstücke gewähren Einblicke in eine spannende Umbruchphase europäischer Geschichte und bieten neue Impulse für eine historische Debatte.


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Deppmeyer, Korana

Von Amulett bis Zaubernagel

Zeichen, Wunder und Magie in der römischen Antike

Bunt, facettenreich und manchmal abgründig: Magie und Zauberei im antiken Rom

Üble Wünsche, böse Blicke, heilende Amulette: Sie waren ganz selbstverständlich Bestandteil des Lebens im alten Rom. Doch was ist Magie? Eine anerkannte Definition für den scheinbar so geläufigen Begriff gibt es nicht. Dr. Korana Deppmeyer nähert sich dieser Frage von archäologischer Seite. Die Kuratorin am Rheinischen Landesmuseum Trier öffnet die Türen zum magischen Bestand des Museums - vor allem zu seinen Depots. Mehr als 60 Objekte mit dem Label »Zauberding oder Wundermittel« gewähren einzigartige Einblicke in das magische Denken und Handeln, das die römische Kultur prägte. Dieses Sachbuch ist ein unterhaltsamer Spaziergang in die übersinnliche Sphäre von Fluchtafeln und Schutzzaubern, von Orakelstäbchen und Tieropfern, von magischen Ritualen und spirituellen Gegenständen aller Art.

  • Magie in der Antike: Über 60 Objekte, darunter viele aus dem römischen Trier
  • Alltag im alten Rom: Warum setzten die Menschen auf magische Objekte und Rituale?
  • Mit bisher unveröffentlichten archäologischen Funden und kaum bekannten Objektgattungen
  • Ausführliche Erläuterung des Aberglaubens und seiner Ausprägungen in der Antike

Was verraten magische Artefakte über die Kulturgeschichte des römischen Reichs?

Magie diente dem menschlichen Bedürfnis, auf das Leben aktiv Einfluss zu nehmen. Sie war gewissermaßen Mittel persönlichen Krisenmanagements. Mit ihrer Hilfe hoffte man, Dinge und Ereignisse herbeizuführen, die man auf andere Weise vielleicht nicht bekam

Die Archäologin Dr. Korana Deppmeyer zeigt, dass Magie zudem ein zeitloses Phänomen ist. Ausblicke ins Mittelalter, in die Neuzeit oder auch ins Heute machen deutlich, wie magisches Denken nahezu unverändert fortbestand. Dieses Buch lädt zum unterhaltsamen Parcours durch die Geschichte ein - von der römischen Antike bis heute.


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Sonnabend, Holger

Europa

Die Geschichte eines Kontinents von der Antike bis heute

Dieses Buch liefert einen anschaulichen und spannenden Überblick über die europäische Geschichte von der Antike bis in die Gegenwart. Vor dem Hintergrund der zentralen Ereignisse, die den Kontinent politisch und kulturell formten, macht Holger Sonnabend deutlich, wie sich im Lauf der Jahrhunderte die Idee von einem gemeinsamen »Europa« entwickelte und wie stark die nachbarschaftlichen Beziehungen stets zwischen Annäherung und Abgrenzung pendelten. Großformatige Karten und zahlreiche Infografiken zeigen, mit welchen inneren Konflikten und äußeren Bedrohungen Europa konfrontiert war und ist - bis hin zu globalen Fluchtbewegungen des 21. Jahrhunderts, dem Aufstieg populistischer Parteien oder dem Ukraine-Krieg.

Kommentare (3)

Luca Rosenboom

Vielen Dank für die schönen Buchvorstellungen. Erst letztes Jahr war ich in Trier - es war ein super Erlebnis. Dank des 9-Euro Tickets bin ich am Überlegen, noch einmal hinzufahren und mir die Ausstellung anzusehen - Trier zu besuchen lohnt sich ja auch abseits des Museums. Das Buch zum Untergang Roms werde ich mir in der nächsten Zeit auch durchlesen. Darauf bin ich sehr gespannt! Haben Sie schon einen (genaueren) Blick hineingeworfen? Viele Grüße

Lara Hitzmann

Lieber Herr Rosenboom,
sowohl den Ausstellungskatalog als auch die Ausstellung kann ich Ihnen wärmsten machen ans Herz legen! Man merkt richtig, wie viel Arbeit und Leidenschaft für unser Fach in der Ausstellung steckt und der Katalog bietet noch viele interessante Informationen darüber hinaus. Ich habe dadurch viel Neues erfahren.

Luca Rosenboom

Liebe Frau Hitzmann, vielen Dank für die Antwort; ich finde den Untergang des Römischen Reiches super interessant, zumal ich jüngst in einem Leistungskurs Geschichte genau darüber unterrichten durfte, was mir großen Spaß bereitet hat. In der Schule wird das Thema ja zwar etwas oberflächlicher behandelt, aber dennoch hatten die SuS großes Interesse daran - verständlicherweise ;-) Umso mehr freue ich mich auf diesen Band, der die neuesten Forschungsansätze aufzeigt.


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