Am Grünen Band zum Schwarzen Meer

Bernd-J. Seitz • 27 Mai 2022
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Am Grünen Band zum Schwarzen Meer

 

Nach Ohridsee und Prespaseen fahren wir in den Südwesten Bulgariens, um den letzten Abschnitt des Grünen Bands auf dem Balkan zu erleben. Hier warten gleich mehrere Höhepunkte, im wahrsten Sinn, auf uns: Die beiden Gebirge Pirin und Rila sind mit über 2900 m die beiden höchsten Gebirge der Balkanhalbinsel, deren höchster Berg der Musala im Rila-Gebirge (2925 m) ist. Die beiden relativ kleinen Gebirgsstöcke sind als Nationalpark ausgewiesen.

Zunächst besuchen wir aber ein Phänomen im Vorfeld des Piringebirges: Die Erdpyramiden von Melnik, die wir gleich bei unserer Ankunft in der Abendsonne bewundern können. Die „Pyramiden“ entstanden durch Ablagerung einer bis zu 150 m mächtigen Schicht aus einem Fels-Sand-Gemisch aus dem Piringebirge.


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Die Erdpyramiden von Melnik (Bulgarien) in der Abendsonne

Im Piringebirge haben wir eigentlich eine Wanderung auf über 2000 m Höhe in der Nähe des Wichren, mit 2914 m nur wenig niedriger als der Musala, geplant. Dieser Plan versinkt jedoch in einer auf dieser Höhe noch geschlossenen Schneedecke, doch immerhin können wir einen der ältesten Bäume der Welt bewundern.


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Diese Schlangenhautkiefer im Piringebirge ist mit rund 1300 Jahren einer der ältesten Bäume der Welt.

Nach dieser Erfahrung planen wir unsere Wanderung im Rilagebirge gleich auf einer Höhe von unter 2000 m, auf der wir nur einzelne Schneefelder queren müssen. Danach besichtigen wir das Rila-Kloster, das im 10. Jahrhundert gegründete, bedeutendste und größte Kloster Bulgariens, das zum UNESCO-Welterbe gehört.


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Rila-Kloster, im Hintergrund das Rilagebirge

Östlich an Rila- und Piringebirge schließen sich die Rhodopen an, die überwiegend in Bulgarien liegen, der kleinere griechische Teil ist als Nationalpark ausgewiesen. Wir streifen diesen Gebirgszug auf unserer Fahrt zum Sakar-Hügelland unweit des Dreiländerecks Bulgarien-Türkei-Griechenland. Die abwechslungsreiche Kulturlandschaft ist bekannt für ihre guten Bestände von Greifvögeln, die sich von den dort reichlich vorkommenden Nagetieren und Reptilien ernähren. Das Gebiet ist europaweit einer der letzten und wichtigsten Rückzugsräume für den Östlichen Kaiseradler, den wir dort tatsächlich beobachten können. Die Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur) setzt sich für die Erhaltung des Gebiets ein.


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Östlicher Kaiseradler

Die letzte Perle am Grünen Band auf dem Balkan ist das Strandschagebirge, auf bulgarischer Seite Naturpark mit einer Fläche von über 1100 km² – fast 1 % des Territoriums des Landes und somit das größte Schutzgebiet Bulgariens. Eine Besonderheit des Naturparks sind die Reliktpflanzen aus der Tertiär-Zeit, wie das Symbol des Parks, der Pontische Rhododendron. Etwa 80 Prozent des Naturparks besteht aus naturnahen Wäldern, u. a. mit Orientbuche und verschiedenen Eichenarten, aber auch mit einem der wenigen natürlichen Vorkommen der Mispel. Der Naturpark Strandscha grenzt unmittelbar an das Schwarze Meer, in das der fast 150 km lange Fluss Veleka mündet, der im türkischen Teil des Strandschagebirges entspringt. 


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Pontischer Rhododendron

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Mündung des Flusses Veleka in das Schwarze Meer

Stellt man das Grüne Band Balkan den übrigen Teilen des Grünen Bands Europa gegenüber, so springt insbesondere sein hoher Gebirgsanteil ins Auge. Ab dem Balkangebirge (serbisch Stara Planina), das sich von der Grenze zwischen Serbien und Bulgarien nach Osten zieht, verläuft sowohl die westliche Verzweigung über Ohrid-/Prespasee als auch der Hauptstrang entlang der bulgarischen Grenze fast durchgehend über Bergland. Dies ist sicher der Hauptgrund für die besonders hohe biologische und landschaftliche Vielfalt, die wir bei unserer Reise erleben dürfen.

Nach unserer Ankunft am Schwarzen Meer beginnt schon unsere Rückreise, bei der wir uns aber Zeit lassen und noch etliche interessante Gebiete besuchen wollen – mehr im nächsten Bericht.


SeitzDr. Bernd-Jürgen Seitz ist promovierter Biologe und war Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg. Seine beruflichen Schwerpunkte bzw. Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Biotop- und Artenschutz, der Geobotanik und der Landschaftsgeschichte.

 

 

 


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