27.02.1885: Die Gründung der Kolonie Deutsch-Ostafrika

Joy Hofmann • 27 Februar 2020

Der Kilimandscharo als „höchster Berg Deutschlands“? Der 5.895 Meter hohe Berg in Afrika war als „Kaiser-Wilhelm-Spitz“ das Wahrzeichen deutscher Kolonialpolitik. In der Kolonie Deutsch-Ostafrika gelegen, symbolisierte er die angestrebte Weltstellung Deutschlands im Wettrennen um die Aufteilung Afrikas.

Carl Peters, in Tansania als „mkono wa damu“ (blutige Hand) bekannt, war die treibende Person bei der Kolonialisierung Afrikas. Durch Betrug und Gewalt etablierte er mit seiner „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ die Kolonie „Deutsch-Ostafrika“. Der Schutzbrief zur Gründung wurde am 27. Februar 1885 durch Kaiser Wilhelm I unterzeichnet. 1891 wurde Deutsch-Ostafrika zum „Schutzgebiet“ ernannt und somit offiziell vom Deutschen Reich verwaltet. Mit etwa acht Millionen Menschen und einer Fläche doppelt so groß als die des Kaiserreichs, war Deutsch-Ostafrika die größte Kolonie des Kaiserreichs.

Als Reichskommissar des Kilimandscharogebiets errichtete Peters eine Terror- und Schreckensherrschaft. So ermordete er seinen afrikanischen Diener Mabruk und seine junge Geliebte Jagodjo, weil die beiden ein Verhältnis miteinander hatten. Viele weitere Frauen erfuhren sexuelle Gewalt durch Peters und andere dort stationierte deutsche Männer. Oftmals überlebten die jungen Frauen nicht, denn viele von ihnen wurden erhängt. Erst nachdem seine Verbrechen ein Jahr später zur Sprache kamen und der Aufstand der Einheimischen größer wurde, entließ die Regierung Peters aus dem Staatsdienst. Nichtsdestotrotz begnadigte Kaiser Wilhelm II. Peters 1905 und verlieh ihm den Titel „Reichskommisar a.D.“. Die Nationalsozialisten feierten den als „Hänge-Peters“ bekannten Pastorensohn später als einen der großen Deutschen und nutzen ihn für ihre Propaganda. So lobte Hitler, Peters habe den „Gedankengängen des Dritten Reiches bereits vor 50 Jahren“ nahe gestanden.

Übrigens, haben Sie schon einmal von Paul von Lettow-Vorbeck gehört? In der Öffentlichkeit galt er als der einzige unbesiegte deutsche General des Ersten Weltkriegs. Er und seine „Schutztruppen“ kämpften ab 1914 gegen die Angriffe britischer Truppen in der Kolonie. Die 15.000 Mann starke Truppe bestand hauptsächlich aus afrikanischen Askari, damit die deutschen Armeen in Europa entlastet waren. Nachdem der Krieg 1918 endete, bestand die „Schutztruppe“ nur noch aus 155 Europäern und 1.168 Askari. Mit den Auflagen des Versailler Vertrages wurde die Kolonie Deutsch-Ostafrika am 20 Januar 1920 der Verwaltung des Völkerbundes unterstellt.

Was meinen Sie: Wird das deutsche Kaiserreich zu oft beschönigt? Muss mehr Aufklärung über den deutschen Imperialismus betrieben werden? Vor allem in Schulen? 

Ein sehr interessantes Buch zu diesem Thema ist „Die Welt in 100 Jahren“. Das in 1910 erschienen Buch wurde von der bdw-Jury als Wissenschaftsbuch des Jahres 2010 ausgezeichnet. Das Buch enthält eine Sammlung von Essays von Zeitzeugen. Auch das Thema Kolonien wird dort angesprochen und das von keinem geringeren als Carl Peters.

https://www.amazon.de/Die-Welt-100-Jahren-einführenden/dp/3487083043  


Hier sind ein paar interessante Artikel über Carl Peters und die Kolonie:

https://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-51661375.html

https://www.welt.de/geschichte/article128383715/Ein-Privatmann-erwarb-d…;

https://www.welt.de/geschichte/gallery128383711/Deutsch-Ostafrika-eine-…

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