20. Mai 325 n. Chr.: Das Erste Konzil von Nicäa

Lara Hitzmann • 20 Mai 2022
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20. Mai 325 n. Chr.: Das Erste Konzil von Nicäa

 


Konstantin der Große versammelte kurz nach der Erlangung der Alleinherrschaft die führenden Männer des Christentums in Nicäa. Sein Ziel: Die Vereinheitlichung der christlichen Feste, Strukturen und Glaubenssätze. 
Resultat dieses ersten ökumenischen Konzils waren neben der Einigung auf die Dreifaltigkeit, manifestiert im nicänischen Glaubensbekenntnis – welches heute noch verwendet wird – das Ende des Arianismus, eine Gefährdung der Dreifaltigkeit, die sich von Alexandria aus ausgebreitet hatte. 


324 n. Chr. hatte Konstantin der Große die langersehnte Alleinherrschaft erlangen können. Er förderte das Christentum, wodurch er zahlreiche neue Anhänger:innen erlangte.

Das Christentum hatte sich im 4. Jahrhundert n. Chr. massiv im römischen Reich verbreitet und sich konstant gegen die Repressalien der paganen Herrschaft gewehrt. Allerdings fuhr Konstantin zweigleisig. Zwar schrieb er dem christlichen Gott seinen Sieg über Maxentius 312 n. Chr. zu und förderte die Kirche mit großen finanziellen Mitteln, taufen ließ er sich jedoch erst auf dem Sterbebett. Außerdem förderte er christliche und pagane Bauten ähnlich.  
Im Umgang mit der Kirche war Konstantin vor das Problem gestellt, dass die innerchristlichen Konflikte und die fehlende Vernetzung der Patriacharte und Bischofssitze untereinander zu weitreichenden Diskussionen und liturgischen Differenzen führten. Es herrschte weder Einigkeit über das Wesen Jesus Christus und den Heiligen Geist noch über zentrale christliche Feste, wie Ostern. 


„Nun lernten sich die führenden Männer […] kennen, und sie mußten sehen, daß bei aller Gemeinsamkeit in Christus Gottesdienste unterschiedlich gefeiert werden konnten und die theologischen Überzeugungen im Großen wie im Kleinen differierten. Diese Vielfalt wurde nicht als Bereicherung empfunden, " meint Rene Pfeilschifter, Die Spätantike (2017) 65.


In Nicäa, in der Nähe von Byzantion, versammelte Konstantin zwischen 200 und 300 Bischöfe, die zu der Zeit in ihrer Funktion als Leitung der Gemeinden und Städte über eine ungeheure Macht verfügten. 
Die Mitglieder des Konzils einigten sich unter der Leitung Konstantins auf die Dreifaltigkeit, die besonders von dem sich von Alexandria ausbreitenden Arianismus abgelehnt wurde. Außerdem wurden einheitliche Regularien für wichtige christliche Feste, wie beispielsweise das Osterfest beschlossen.


„Der Versuch Konstantins, interne Entscheidungen auf christliche Bischöfe zu delegieren, scheiterte, denn die Bischofsversammlungen, die Konzile, besaßen kurzfristig nur geringe Integrationskraft, auch wenn das Konzil von Nicäa später eine ungeheure Wirkung entfalten sollte und es bis heute als ökumenisch gilt,“ schreibt Hartmut Leppin, Die frühen Christen (2019) 442.
 

 

Langfristig war das Konzil von Nicäa zumindest wirkmächtig, denn das nicänische Glaubensbekenntnis wird heute in Abweichungen immer noch verwendet: 

Ich glaube an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
den Sohn Gottes,
der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,
Gott aus Gott, Licht aus Licht,
wahrer Gott aus wahrem Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater (homoousion to patri);
durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;
der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,
Mensch geworden ist,
gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,
aufgestiegen ist zum Himmel,
kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;

Und an den Heiligen Geist.
Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“
und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“,
und er sei aus dem Nichtseienden geworden,
oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit,
oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar,
die verdammt die katholische Kirche.

 


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Kommentare (2)

Luca Rosenboom

Heute vor 1685 Jahren, 337 n.Chr., soll Konstantin gestorben sein. Eine schillernde Figur, vor allem aber die beschriebene Eingebung (Traum) an der Milvischen Brücke, die von Laktanz (mort. pers. 44,5) beschrieben wird, als er das himmlische Zeichen Gottes auf den Schildern anbringen lassen soll. Vielen Dank für den informativen Post!

Lara Hitzmann

Und vielen Dank für diese Erinnerung, Herr Rosenboom!


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