18. November 1626: Der Petersdom - Das neue Zentrum der katholischen Kirche 

Lara Hitzmann • 18 November 2021
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18. November 1626: Der Petersdom - Das neue Zentrum der katholischen Kirche 


petrusDie San Pietro in Vaticano, auch Petersdom genannt, ist das Herz der katholischen Kirche – einer Religion, die Rund 15,9% der Weltbevölkerung ausmacht. Der ursprüngliche Bau wurde von Kaiser Konstantin 324 n. Chr. an die Stelle des vermeidlichen Petrusgrabes gesetzt. Petrus, laut christlicher Überlieferung zwischen 65 und 67 n. Chr. in Rom während der Christenverfolgung unter Nero gestorben, gilt seither als erster Papst von Rom. 


Alt St. Peter, wie der Vorgängerbau genannt wird, war eine fünfschiffige Basilika mit Querhaus, dass sich über der vermeidlichen Nekropole befand. Da der Bau im 16. Jh. allmählig marode wurde und nach damaliger Meinung nicht mehr repräsentativ genug für ein Apostelgrab war, ließ Papst Julius II. die Kirche neu erbauen. 


Innerhalb der 120 Jahre Bauzeit waren die talentiertesten Köpfe ihrer Zeit an dem Projekt beteiligt: Zunächst war eine Kirche in Form eines griechischen Kreuzes über dem vermeidlichen Petrusgrab von dem Maler, Baumeister und Begründer der Hochrenaissance-Architektur Donato Bramente geplant. Nach Bramentes Ableben 1514 wurde die Arbeit von niemand geringerem als dem Architekten und Maler Raffael Sanzio da Urbino übernommen. Raffael ließ tonnengewölbte Bögen nach Vorbild der Maxentiusbasilika (Beginn des 4. Jh. n. Chr.) errichten. 


Nach dem Tod Raffaels wechselte das Amt des Bauherren immer wieder, bis 1547 Michelangelo Bounarotti die Bauleitung übernahm. Durch seine Prominenz erlangte Michelangelo gewisse Freiheiten beim Bau, was ihm Unabhängigkeit von der Bauhütte ermöglichte. Michelangelo schwebte ein Kirchenbau nach Bramentes Vorbild vor, der mit vier Apsiden und einer gigantischen Kuppel gestaltet wurde. Der letzte Bauleiter Carlo Maderno war schließlich derjenige, der an die Kirche ein Langhaus anbauen ließ und dieses mit Portikus und barocken Fassaden ausstattete, um dem Petersdom so sein heutiges Aussehen zu geben.


petersdomUnter Maderno gelangten auch Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini auf die Baustelle, die einen 29 Meter hohen Baldachin über dem vermeidlichen Petrusgrab spannten. Bernini war neben dem Bau dieses Baldachins auch eine der prägenden Gestalten des restlichen Innenraumes, aber auch andere namenhafte Künstler waren an der Gestaltung des Innenraumes beteiligt. So befindet sich in der östlichen Kapelle beispielsweise die Römischen Pietà von Michelangelo und Mosaike nach Entwürfen von Francesco Trevisani. Unzählige Künstler und Architekten gestalteten den Petersdom immer weiter aus, sodass er am 18. November 1626 schließlich von Papst Urban VIII. eingeweiht werden konnte. 

»Das Projekt von St. Peter war eine vollkommene Einheit; es umfasste die schönsten und prächtigsten Elemente: Portikus, Zylinder, Würfel, Tambour, Kuppel. Die Formgebung ist die denkbar leidenschaftlichste, straff und pathetisch. Alles erhob sich aus einem einzigen geschlossenen Block, das Auge umfasste es im Ganzen. Michelangelo verwirklichte die Apsis und den Tambour der Kuppel. Das Übrige fiel dann Barbaren in die Hände...,« schreibt der Architekt, Stadtplaner und Künstler Le Corbusier (1887 – 1965) über den Petersdom.

»Das Sprichwort von den vielen Köchen und dem Brei ... hätte leicht auch auf den Petersdom zutreffen können. Doch dank der "Spitzenköche" unter den Baumeistern ist am Ende, dem 18. November 1626, doch ein Prachtbau gelungen,« schreibt das br-Radio 2014.


RomDie Finanzierung dieses Baus, gespeist aus Peterspfennig und Ablässen, war ein Indikator für die Reformation.
Um Geld und Material zu sparen, wurde auf sich bereits in Rom befindende Ressourcen zurückgegriffen: Die Bronze des Baldachins wurde aus dem Pantheon genommen, ein Porphyrsarkophag entnahm man aus dem Mausoleum des Hadrian, persischer Marmor aus dem Nervaforum floss in den Bau ein und auch Spolien aus dem Tempel des Romulus, der Engelsburg und sogar aus den Caracalla-Thermen schmücken heute den Innenraum des Domes. 


Mit dem Petersdom gestaltete sich die katholische Kirche ein imposantes, repräsentatives Zentrum ihrer Religion und Macht, errichtet auf einem Apostelgrab, finanziert von ihren Gläubigen, als Monument, welches die Epochen von der Antike bis zur Gegenwart vereint. 

 

Weiterführende Literatur: 
J. Bosser, G. de Laubier, Die schönsten Kirchen Europas (München 2021). 

R. Cassanelli, M. Boiteux, A. Campitelli (Hrsg.), Der Vatikan. Architektur, Kunst, Zeremoniell (Stuttgart 2017). 


BuchBrabbs, Derry

Heilige Orte

Pilgerstätten in Europa

Wer sich heute auf eine Pilgerreise begibt, sucht die Einsamkeit zur Bekräftigung des christlichen Glaubens oder eine Atempause von den Problemen der Welt. Doch spätestens wenn er im Hauptschiff einer der großen romanischen oder gotischen Kathedralen steht, berührt ihn die machtvolle Mischung aus Gottesglaube, Hingabe und Furcht, auf der das mittelalterliche Christentum beruhte. Mit seinen Bildern von Wallfahrtsorten und Kirchen, die eigens für diesen Bildband aufgenommen wurden, setzt Fotograf Derry Brabbs die besondere Atmosphäre der Pilgerstätten eindrucksvoll in Szene. Seine kurzen Texte und die authentischen Fotos von Wallfahrten, religiösen Ritualen und christlichem Brauchtum lassen uns an der europäischen Pilgertradition teilhaben - ein beeindruckendes Zeugnis gelebten Glaubens!

 

AutorenfotoDerry Brabbs

Bekannt ist der englische Fotograf Derry Brabbs für seine faszinierenden Landschafts- und Kulturfotografien. Von 2003 bis 2016 war er Jurymitglied des jährlichen Fotowettbewerbs der Wainwright Society. Seit seiner Fotodokumentation des Jakobswegs 2008 ist er regelmäßig auf großen europäische Pilgerrouten unterwegs, die er in seinem Buch „Heilige Orte. Pilgerstätten in Europa“ (2021) eindrucksvoll in Szene setzt.

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