02. Dezember 1804: Napoleon Bonaparte krönt sich selbst zum Kaiser der Franzosen

Lara Hitzmann • 2 Dezember 2021
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02. Dezember 1804: Napoleon Bonaparte krönt sich selbst zum Kaiser der Franzosen


Wer hat die Geschichte Europas mehr beeinflusst als Napoleon Bonaparte? Der französische Diktator und Kaiser Napoleon Bonaparte gilt als einer der imposantesten und eindrucksvollsten Figuren der europäischen Geschichte. Der Höhepunkt seiner Karriere begann mit der Inthronisierung vor genau 217 Jahren in der Notre-Dame, als sich Napoleon selbst die Kaiserkrone aufsetzte. 

Der 1769 in Ajaccio (Korsika) geborene Napoleon bewies im Laufe der Französischen Revolution seine außerordentlichen Fähigkeiten als Stratege, weshalb er schnell in der Hierarchie des Militärs aufstieg. Schließlich gelang es ihm 1799 das bis dato regierende Direktorium zu stürzen und als Erster Konsul zusammen mit zwei weiteren Staatsmännern über Frankreich zu regieren. Im Zuge dieses Amtes reformierte Napoleon unter anderem das Bildungswesen, die Verwaltung und die Wirtschaft und schloss ein Konkordat mit dem Vatikan.

1804 setzte er dann den Code Napoléon ein, der zivile Ehen, Scheidungsregelungen, Bürgerrechte und Rechtsgleichheit sowie mehr persönliche Freiheit für den Bürger garantierte. Trotz, dass nun langsam Ruhe in Frankreich einkehrte, befürchtete Napoleon (zurecht), irgendjemand könne ihm seine Position als de facto Staatsoberhaupt streitig machen, weshalb er die Geheimpolizei auf den rebellischen Adel ansetzte. Dies gipfelte in der Verhaftung des Herzogs von Enghien, Louis Antoine Henri de Boubon-Condé, der vor dem Militärgericht für schuldig befunden und schließlich hingerichtet wurde. Daraufhin folgte ein Aufschrei Europas, aber dennoch blieb Napoleons Macht ungebrochen. Vielmehr erhielt er noch mehr Zuspruch aus der Bevölkerung. Auch der Senat unterstützte Napoleon, da bei seinem Sturz möglicherweise auch die einen oder anderen dortigen Ämter nicht mehr sicher wären. Generell begrüßten die Menschen also die Ruhe und Ordnung, die mit der Herrschaft Napoleons Einkehr in Frankreich fanden. 

Um dieses System nun zu schützen (und noch besser: sich Macht und Geld zu sichern), entwickelte der Senat ein erbliches Kaisertum in Frankreich – womit so auch Verschwörungen und Putschversuche erschwert würden. Während die Franzosen diese Entwicklung begrüßten, stieß diese Idee in Preußen und Österreich keineswegs auf Begeisterung. 

Die Ideen um die Initiierung eines französischen Kaisers sah Napoleon also als Regierungsoberhaupt vor. Die Frage, wie ein solches Regierungsoberhaupt genannt werden solle, war schnell entschieden: „König“ kam aufgrund der Vorgeschichte Frankreichs nicht in Frage, wohingegen sich „Kaiser“ (Empereur) hervorragend dazu eignete, eine Parallele zu den römischen Kaisern herzustellen. Trotz der Tatsache, dass Napoleon bereits als Diktator regierte, wurde die Bevölkerung durch eine Volksabstimmung in diesen Prozess einbezogen. Das Ergebnis war eindeutig: Eine überwältigende Mehrheit sprach sich für eine erneute Monarchie aus.

Da sich Napoleon bei der Planung dieses Events am römischen und fränkischen Kaiserreich orientierte, wünschte er sich bei seiner Krönung die Anwesenheit des Papstes, wie es beispielsweise bei Karl dem Großen der Fall war. 

So erhielt schließlich Papst Pius VII. eine sehr eindrückliche Einladung nach Paris, die mit der Rückgabe verlorener Gebiete einherging. Der Papst willigte ein – mit der Voraussetzung, dass sich Napoleon und seine Gattin Joséphine kirchlich trauen würden, was schnell umgesetzt wurde. 

Am 02. Dezember 1804, einem verschneiten Sonntag, war es nach mehreren Monaten der Vorbereitung endlich so weit: Paris wurde in seinem besten Licht gezeigt, feierliche Stimmung lag in der Luft und die ganze Stadt war ein riesiges Fest. Die Besucher kamen in den Genuss kostenloser Theaterbesuche, Musik hallte durch die Straßen.

Um 9 Uhr morgens kamen die höchsten Würdenträger Frankreichs und Gesandtschaften der Nachbarstaaten in der Kathedrale Notre-Dame zusammen. Als schließlich der Papst mit seinem Gefolge eintraf, machte sich auch die kaiserliche Prozession vom Tuilerien-Palast auf den Weg zur Krönung. Die Gewandung Napoleons übertönte mit seiner mit Edelsteinen geschmückten Uniform noch die Inszenierungen der Straßen. Auch Joséphine war mit teuersten Stoffen geschmückt. Die Menge empfing ihr Staatsoberhaupt, selbstverständlich in einer goldenen Kutsche fahrend, mit tosendem Beifall, als sie um 11 Uhr in Notre-Dame ankamen. Zuvor hatte der Papst bereits alle Anwesenden gesegnet. Nach einem kurzen Outfitwechsel des Ehepaares, begleitet von Orchestern und einem Chor, warteten in der Kirche bereits die kaiserlichen Insignien auf Napoleon. Sowohl die Insignien, als auch das Paar wurden danach gesalbt und gesegnet. 

Daraufhin kam es dann zu dem entscheidenden Bild, welches wir alle mit diesem Tag verbinden: Napoleon stieg zum Altar auf, nahm die goldene Lorbeerkrone und setzte sie sich selbst auf den Kopf – und krönte sich somit selbst so zum Kaiser der Franzosen. In dem Zuge krönte er auch seine Frau und die Messe wurde fortgesetzt. Gegen 15 Uhr war die Messe vorbei und das Paar durchquerte erneut, begleitet von der freudigen Menge, in ihrer Kutsche die Stadt. 

Trotz, dass Napoleon sich zum Kaiser inthronisierte, verstand er sich selbst weiterhin als Republikaner und transportierte dies nach außen. Nichts habe sich geändert. Auch die Verfassung, die aus der Französischen Revolution geboren wurde, hatte weiter Bestand. 
Aber war Napoleon nun der Vollender der Revolution? Einige sagen ja und begründen dies dadurch, dass durch seine Reformen nun eine Religionsfreiheit herrschte, alle vor dem Gesetz gleich waren, das Feudalsystem weiter abgeschafft blieb und Menschen nun nach ihrem Einkommen besteuert worden. Andere nennen Napoleon den Überwinder der Revolution, da er eine neue Monarchie entwickelt hatte, es zur Abwertung von Wahlen kam, Pressezensur betrieben sowie die Macht des Parlaments ausgeschaltet wurde. 


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7Günter Müchler ist passionierter Frankreichkenner und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Französischen Revolution und Napoleon. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaft und wechselte nach Stationen bei verschiedenen Zeitungen 1987 zum Rundfunk. Bis 2011 war er Programmdirektor von Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen. Mit einer fulminanten Biographie legt er nun (Frühjahr 2019) die Synthese seiner langjährigen Beschäftigung mit dem großen Korsen vor.


2Ute Planert ist Professorin für Neuere Geschichte an der Universität zu Köln und eine der führenden Expert*innen des napoleonischen Zeitalters. Die international renommierte Spezialistin für Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts war Fellow an der Universität Harvard und lehrte als Gastprofessorin an der University of Toronto. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist sie eine gefragte Interviewpartnerin und schreibt Beiträge für ZEIT Geschichte, SPIEGEL Geschichte und DIE ZEIT.


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Kommentare (6)

Merchan Agaricus

Ein hervorragender Bericht. Ich habe immer nach so einer gerafften Version der Geschichte von Napoleon Bonaparte gesucht.
Persönlich glaube ich, dass diese Art von demokratisch bestimmter Monarchie, mit dem Titel eines Kaisers, ein Rückfall für das nachrevolutionäre Frankreich war. Allerdings bin ich darüber bis heute nicht im Klaren, für wie begrenzt ich die Demokratie nun wirklich halte. Schließlich läßt sich eine knappe Mehrheit nicht immer nur für progressive Politik begeistern, und wählt unter vielen oft das größere Übel.

Stephan Piederstorfer

Ich verstehe nicht, wie man einen Massenmörder "würdigen" kann. Zitat aus Metternichs Aufzeichnungen : "Ein Mann wie ich (!!!!!!!!!!!) scheißt auf eine Million tote Soldaten", 1813 in Dresden. Und das als Christ.
Sowie googeln : Napoleons dunkles Geheimnis.

Merchan Agaricus

Eine Würdigung ist es ja nicht, Herr Piederstorfer. Es ist ein geschichtlicher Vermerk. Man schreibt vielleicht tendenziell neutral über gewisse Sachverhalte. Natürlich gibt es immer auch die Möglichkeit die Vergehen einer geschichtlichen Person aufzuzählen und erst dann Ereignisse aus ihrem Leben anzuhängen.

Im Grunde waren ja alle großen Staatenlenker Verbrecher. Auch heute noch profitieren viele Menschen in Politik und Wirtschaft, auch in Deutschland, von der Ausbeutung unzähliger armer Menschen. Da findet man auch sehr schnell einen Verweis auf Machenschaften, die Baerbock und Habeck unterstützen, bei denen Kinder umgebracht werden und auch entschieden die Umwelt geschädigt wird. Wer genügend forscht, findet Verbindungen, da bin ich mir sicher. Jean Ziegler ist darin ein Meister, beispielsweise.
Insofern ist man entweder naiv und gutgläubig oder man wendet sich von Politik und Geschichtsforschung ab, wohlwissend, dass vieles daran Propaganda, Verblendung, Lüge ist.
Allerdings hofft man immer auf eine Alternative, die eine bessere Lebensweise bietet, bei der keine Minderheiten benachteiligt werden und mit der Menschen in Würde und Wertschätzung leben können. Diese repräsentieren meines Erachtens die Grünen eher als alle anderen in unserem Parlament.

Es ist ein Drahtseilakt zwischen Naivität und Hoffnung, Verantwortung, Größe. Die Balance zu finden unser täglich Brot.

Merchan Agaricus

Sehr geehrter Herr Zarrentin,

beide von Ihnen vorgestellte Artikel ein Zugewinn. Vielen Dank dafür. Was die Megamörder angeht, so wird die zukünftige Geschichtsforschung, wenn sie unsere Gesellschaften betrachtet, vor allem unter den Managern und Eigentümer(Konsortien) von Unternehmern suchen müssen und unter Bankern oder gleich die WHO aufs Korn nehmen müssen. Denn es wird sich zeigen, auch unter diesen Leuten gibt es unzählige, die wie kleine Rädchen im Mechanismus des Kapitalismus dafür sorge tragen, dass Milliarden von Menschen sich früh zu Tode schuften, Millionen von ihnen verhungern. Das ist leider traurige Gewissheit.

Die Frage, die ich mir stelle ist, was kann man als Einzelner dagegen tun, ohne dabei selbst das Leben zu verlieren, oder schlimmeres.


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