Zeitenwende der Erinnerungskultur(en)? Buchpräsentation und Gespräch mit Franziska Davies und Katja Makhotina in Düsseldorf

Thorsten Jacob
in der Gruppe Geschichte
Veranstaltungsdatum 25. Okt. '22 18:00
Veranstaltungsort Stadtbüchereien Zentralbibliothek KAP 1, Düsseldorf • Konrad-Adenauer-Platz 1, Düsseldorf, 40210, Deutschland
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Veranstaltung
Abb.: Babyn Yar WW2 massacre site and memorial in Kiev, 2011 | © Guy Corbishley / Alamy Stock Photo

Zeitenwende der Erinnerungskultur(en)?

Die Shoah, der Zweite Weltkrieg und der 24. Februar 2022


Wann: Dienstag, 25. Oktober 2022, 18 Uhr

Wo: Stadtbüchereien Zentralbibliothek KAP 1, Konrad Adenauer-Platz 1

Der Eintritt ist frei.

Mit Katja Makhotina (Universität Bonn) und Franziska Davies (LMU München)

Moderation: Norbert Reichel, Demokratischer Salon: Bonn

Die Invasion der russischen Truppen in der Ukraine am 24. Februar 2022 veränderte den Blick auf manche Entwicklungen der vergangenen 100 Jahre in Osteuropa. 1941 bombardierte die deutsche Wehrmacht Kyiv, 2022 die russische Armee. Länder, um die sich die deutsche Erinnerungskultur bisher kaum kümmerte, wurden sichtbar. 

Katja Makhotina und Franziska Davies haben sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit den Erinnerungskulturen in Osteuropa beschäftigt. Gegenstand ihres im April 2022 bei wbg Theiss Darmstadt erschienenen Buches „Offene Wunden Osteuropas“ sind die Erinnerungen an die Shoah, an den deutschen Vernichtungskrieg sowie an den stalinistischen Terror in Russland, in Litauen, in Polen, in Belarus, in der Ukraine. Grenzen wurden immer wieder neu gezogen, zumeist gewaltsam, es gab Deportationen, Vertreibungen, Vernichtung und Versklavung, die Verwüstung ganzer Regionen. Systematisch wurden Menschen ermordet, nur weil sie Jüdinnen und Juden waren oder einer anderen Nation angehörten. Es starben über 27 Millionen sowjetische Bürgerinnen und Bürger, die meisten von ihnen Zivilisten. Es entstanden aber auch Erzählungen von Heldinnen und Helden in Widerstand und Krieg, in Armeen und im Partisanenkampf. 

Erinnerungsorte wurden gestaltet, verändert, vergessen, neu entdeckt und erschlossen. Mitunter konkurrierten verschiedene Erzählungen miteinander. Das Buch „Offene Wunden Osteuropas“ dokumentiert Reisen nach Lwiw, Babyn Jar, Minsk und Malyj Trostenez, Stalingrad, Leningrad, Wilna, nach Chatyn, Pirćiupiś und Korjukiwka, nach Bełźec und Majdanek. Bücher, Filme, öffentlich zugängliche und private Dokumente, Monumente, Friedhöfe, Stadtbilder geben ein Bild einer Welt, die in Deutschland bisher viel zu wenig beachtet wurde.

Katja Makhotina und Franziska Davies werden ausgewählte Abschnitte ihres Buchs lesen und mit den Zuhörerinnen und Zuhörern diskutieren. 

Eine Veranstaltung von Düsseldorfer Beiträge „Respekt und Mut“/Düsseldorfer Appell, Stadtbüchereien Düsseldorf, Gerhart-Hauptmann-Haus, die Gesellschaft für christlich-jüdische Verständigung und dem Demokratischen Salon. 


Franziska Davies

Dr. Franziska Davies ist in Düsseldorf geboren. Sie wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert, wo sie Osteuropäische Geschichte lehrt. Zu ihren Forschungs- und Publikationsschwerpunkten zählt die moderne Geschichte Russlands, Polens und der Ukraine.

 

 

 


Katja MakhotinaDr. Katja Makhotina ist in St. Petersburg geboren, promovierte in München und lehrt Osteuropäische Geschichte an der Universität Bonn. Mit ihren Studierenden erforscht sie seit Jahren lokale Erinnerung an die osteuropäischen Opfer in Deutschland und engagiert sich in der Gedenkstättenarbeit.

 

 

 


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Offene Wunden Osteuropas

Reisen zu Erinnerungsorten des Zweiten Weltkriegs

Das Erinnern an die Verbrechen des 2. Weltkriegs ist Fundament unseres freien, geeinten Europa – aber woran erinnert sich Deutschland, woran hingegen Osteuropa? Denn obwohl Deutschland als »Weltmeister« der Erinnerungskultur gilt, erweist sich unser Erinnern an den Vernichtungskrieg im östlichen Europa bei näherem Hinsehen als deutlich lückenhaft.

In zehn Essays, die eigentlich Reisereportagen sind, machen die Autorinnen Franziska Davies und Katja Makhotina diese deutschen Erinnerungslücken anschaulich: Lwiw, Wilnaer Ghetto, Malyj Trostenez – was wissen wir über die zweieinhalbjährige Blockade Leningrads? Was über die Ereignisse in Belarus oder im Baltikum? Und welche Orte von Leid und Tod – außer Auschwitz - gab es in Polen noch? Sehr persönlich und anschaulich, auch unter Rückgriff auf die eigenen, unterschiedlichen Familiengeschichten, und mit Besuchen vor Ort und Gesprächen mit Zeitzeugen weisen sie überraschende Wege zu einem gemeinsamen Erinnern und zu gegenseitigem Respekt in Europa.

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