150 Jahre Unfehlbarkeit - Zoom-Diskussion mit den Herausgebern des Bandes "Das Erste Vatikanische Konzil" Prof. Julia Knop und Prof. Michael Seewald mit Prof. Peter Neuner

wbg Redaktion
Veranstaltungsdatum 21. Juni '21 20:15 - 21:15
Veranstaltungsort Zoom-Veranstaltung • Deutschland
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150 Jahre Unfehlbarkeit - Zoom-Diskussion mit den Herausgebern des Bandes "Das Erste Vatikanische Konzil" Prof. Julia Knop und Prof. Michael Seewald mit Prof. Peter Neuner

 

Am Montag, 21. Juni 2021, von 20.15 bis 21.15 Uhr, wird es eine Zoom-Diskussion mit Professorin Julia Knop, Professor Peter Neuner und Professor Michael Seewald geben.

Ab 20 Uhr können Sie der Sitzung hier beitreten!


Thematische Hinführung

Mit dem Ersten Vatikanischen Konzil hat sich die Kirche von Rom auf einen Sonderweg begeben, indem sie zweierlei zum Dogma erhob:

1. Alle Hirten und Gläubigen weltweit sind dem Bischof von Rom zu hierarchischer Unterordnung und Gehorsam verpflichtet – und zwar sowohl in Fragen des Glaubens und der Sitten als auch disziplinarisch (DH 3060).

2. Der Bischof von Rom besitzt Unfehlbarkeit, wenn er „ex cathedra“ spricht. Seine Definitionen sind dann aus sich selbst heraus, nicht aufgrund des Konsenses der Kirche „unreformierbar“ (DH 3074).

Seit 1870 muss jeder Katholik das glauben. Und hat auch das Zweite Vatikanische Konzil diese Ekklesiologie durch Kategorien wie „Communio“, „Synodalität“ oder „Volk Gottes“ ergänzt, so bleibt sie doch ungeschmälert in Kraft.

Dieses Jubiläum fordert die Theologie heraus. Einmal in ökumenischer Hinsicht; denn keine andere Konfession wird sich diesem Anspruch jemals unterwerfen. Aber auch intern verstummt nicht jene Kritik, die schon damals zu erbittertem Widerstand und zu einer Kirchenspaltung geführt hatte: Ist, gemessen an der Botschaft Jesu, die absolutistische Wahlmonarchie wirklich die Rechtsform, in der sich Autorität, Macht und Entscheidungsbefugnis in der Kirche legitimieren sollten? Andere halten jeden Versuch, die päpstliche Vollmacht zu relativieren, für nicht mehr katholisch – und haben dabei die seit 150 Jahren geltende Lehre auf ihrer Seite.

Wir wollen über diese Fragen ins Gespräch kommen: Wie ist es zur Dogmatisierung der Herrschaft gekommen? Wie hat sie sich seitdem entwickelt? Sind jegliche Ideen, die Macht in der Kirche zu teilen, von vornherein zum Scheitern verurteilt? Und selbst wenn Kirche und Papst es wollten: Kämen wir aus der Nummer überhaupt wieder heraus? Oder ist die Lehre tatsächlich, wie sie selbst es nennt, „irreformabilis“?


Bereits am 20. Mai 2021 werden Prof. Franz Xaver Bischof und Prof. Thomas Schüller vor Ort ihre beiden Referate (jeweils ca. 30 Minuten) halten; anschließend wird Dr. Achim Budde Fragen an die beiden Referenten stellen. Ein Kamerateam wird diesen Veranstaltungsteil aufzeichnen.


 

1Knop, Julia /Seewald, Michael (Hrsg.)

Das Erste Vatikanische Konzil

Eine Zwischenbilanz 150 Jahre danach

Das Erste Vatikanische Konzil (1869-1870) sprach dem Papst einen uneingeschränkten Primat in der Leitung der katholischen Kirche sowie »Unfehlbarkeit« in der Ausübung seines Lehramtes zu. Die Synode stellte aber auch grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Offenbarung und natürlicher Erkenntnis an. 150 Jahre nach der Eröffnung des Konzils ziehen Theologinnen und Theologen verschiedener Generationen und Konfessionen eine kritische Zwischenbilanz: Inwiefern prägt die auf dem Ersten Vaticanum entworfene Theologie des Petrusdienstes die katholische Kirche bis heute? Wie soll der ökumenische Dialog mit den Aussagen des Konzils umgehen? Was trägt es zu aktuellen Diskussionen über Glaube und Vernunft bei? Wie beeinflusst das Konzil die Alltagskultur der katholischen Kirche in der Gegenwart?