Schreibwettbewerb - Von Freunden und Feinden

Liebe Community,

herzlich willkommen beim zwölften wbg Schreibwettbewerb, bei dem Sie Ihre Schriften veröffentlichen können. Ob Essays oder Kolumnen, ob Fazit, Auszüge oder Zusammenfassung einer wissenschaftlichen Arbeit, ob gedankliche Auseinandersetzung, Rezension zu einem Buch oder Zeitungsartikel oder vieles mehr: Sie haben die freie Auswahl. Nach der Abstimmung durch die Community und eine unabhängige Jury warten am Ende zahlreiche Preise auf Sie.

1. Sie können jeden erdenklichen Beitrag in der Gruppe "wbg Schreibwettbewerb" zum jeweiligen Thema einstellen. Das Thema hierzu wird vorgeben. So behandelt unser jetziger Schreibwettbewerb das Thema "Zeitpunkte der Geschichte“ und Sie können noch bis zum 26.06.2022 Ihren Text einreichen. Um einen Beitrag zu erstellen, so treten Sie der Gruppe "wbg Schreibwettbewerb" bei, gehen in den Bereich "Themen" (wo bereits die vorhandenen Beiträge zu finden sind) und klicken rechts auf "Thema erstellen".

2. Ab dem Zeitpunkt des Erstellens kann über Ihren Text abgestimmt werden. Die beliebtesten Beiträge werden ganz einfach errechnet: Jeder "Like" (das Herz-Symbol unter den Beiträgen) ist eine Stimme. Gibt der oder die Abstimmende ZUSÄTZLICH noch im Kommentar eine Begründung ab für den Like, so wird die ursprüngliche Stimme verdoppelt (ein Kommentar ohne einen "Like" wird daher als null Stimmen gewertet, da man sich vielleicht einfach inhaltlich beteiligen möchte, ohne dem Beitrag eine Stimme zu geben).

1 „Like“ von einem Community-Mitglied = 1 Stimme
1 „Like“ sowie 1 „Like“-bestätigender Kommentar von einem Community-Mitglied = 2 Stimmen
0 „Likes“ von den Community-Mitgliedern, aber drei Kommentare = 0 Stimmen

3. Nach Einreichungsfrist (26.06.2022) ist eine Woche ausschließlich zum Abstimmen gedacht. Spätestens hier werden auch alle Beiträgerinnen und Beiträger die Gelegenheit haben, sich die anderen Beiträge anzuschauen und mit der Community und der „Konkurrenz“ ins Gespräch zu kommen. Wertschätzung, Anerkennung und Respekt sollen hier bei dem Schreibwettbewerb im Vordergrund stehen. Die Mitbeiträger freuen sich sicherlich über ein Lob oder eine Stimme von Ihnen persönlich, wenn nicht sogar darüber hinaus für eine Empfehlung an die Community, Freunde und Verwandte.

3. In der finalen Phase (04.07. - 10.07.2022) wird es eine Abstimmung durch eine unabhängige Jury geben. Diese Jury wird die fünf Beiträge mit den meisten zuvor gesammelten Stimmen intern bewerten und anschließend wird das Ergebnis hier bekannt gegeben werden. Die Jury wird aus Autorinnen und Autoren, aus wbg Mitgliedern sowie aus wbg Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestehen, welche allesamt keinen Beitrag bei dem Schreibwettbewerb veröffentlicht haben oder in sonstiger Nähe zu den Beiträgerinnen und Beiträgern stehen. Die Unabhängigkeit, Fairness und Objektivität liegt uns sehr am Herzen.

4. Lassen Sie sich belohnen durch Ihre Beiträge, denn folgende Preise gibt es monatlich zu gewinnen:

Platz 1 der Stimmen erhält von der wbg eine 150 € Barprämie.

Platz 2 der Stimmen erhält von der wbg eine 75 € Barprämie.

Platz 3 der Stimmen erhält von der wbg eine 50 € Barprämie.

Platz 4 erhält ein wbg Bücherguthaben in Höhe von 40 €.

Platz 5 erhält ein wbg Bücherguthaben in Höhe von 30 €.

Platz 6 - 10 erhalten jeweils ein wbg Bücherguthaben in Höhe von 15 €.

Doch auch die Kommentare und der Dialog werden belohnt, denn wer am Ende des Schreibwettbewerbs die meisten Kommentare verfasst hat, erhält ebenfalls ein Buchguthaben in Höhe von 50 € und auch der Beitrag mit den meisten Kommentaren erhält einen Dialogpreis von 50 €.

Die Überweisung der Barprämien ist allerdings nur auf Bankkonten innerhalb Deutschlands möglich, sollten Sie mit einem ausländischen Bankkonto Platz 1 - 3 erreichen, so wird der Gewinn in ein Bücherguthaben umgeändert.

5. Wir freuen uns sehr auf Ihre Beiträge, welche völlig frei zu gestalten sind. Seien Sie herzlich eingeladen zu schreiben, zu formulieren, zu denken. Im Sinne des respektvollen und fairen Miteinanders, welches wir fördern möchten, schützen wir auch Sie und Ihre Beiträge, denn unsachliche Beiträge, Kommentare oder Stimmen prüfen wir und schließen diese u.U. aus.

6. Bei weiteren Fragen / Anregungen usw. wenden Sie sich sehr gerne an mich, Thorsten Jacob, und ich werde Ihnen mit Rat und Tat beistehen.

Herzliche Grüße

Thorsten Jacob

Leitung wbg Community Plattform

Kommentare (7)

Marcin Lupa

Guten Morgen Herr Jacob,

leider kann ich im Reiter Gruppen noch kein neues Schreibwettbewerb-Thema "Über die Zukunft. Wie wird die Welt von Morgen?" finden.
Sobald ich auf Gruppen gehe, erscheint an erster Stelle noch der alte Schreibwettbewerb zum Thema "Gut und Böse".

Gerne würde ich wieder bei dem neuen Wettbewerb mit meinem Beitrag mitmachen.

Mit freundlichen Grüßen
Marcin Lupa

Thorsten Jacob

Guten Abend Herr Lupa,

tatsächlich war der "alte" Schreibwettbewerb noch nicht ganz abgeschaltet, sondern um 10 h morgens vollzog sich der Wechsel. Ich freue mich aber umso mehr, dass Sie - wie ich auch mittlerweile sehe - bereits mit einem Beitrag den neuen Schreibwettbewerb quasi "eröffnet" haben.

Viele freundliche Grüße und einen schönen 4. Advent gewünscht

Thorsten Jacob

Teresa Hüttepohl

Oh, das klingt ja toll mit den neuen Regeln :) Hab schon fast ein schlechtes Gewissen zwei mal gewonnen zu haben :) Mit der neuen Jury klingt das sehr fair für mich und es ist die nächste kleine Herausforderung, erhöht den eigenen Anspruch nochmal. Spannend! Frohes Schreiben und Träumen von der Freiheit an alle! Tolles Thema!

Marcin Lupa

Ich finde die neuen Regel auch toll. Das erhöht die Chance für mehr Teilnehmer, etwas zu gewinnen, zugleich motiviert es (vielleicht) sich mehr an Hermeneutik und Diskurs zu beteiligen.

Norbert KNOLL

Mir gefällt ein zweistufiges System mit einer Jury auch viel besser. Ich sitze ja selbst gelegentlich in einer Jury und habe mit "beauty contests", die einzig auf "likes-Vergaben" a la facebook beruhen schlechte Erfahrungen gemacht.

Das Ergebnis hängt dann nämlich vorwiegend davon ab, wer es schafft, möglichst viele Leute zu motivieren, dem eigenen Beitrag ein "Like" zu geben. Der eigene Bekannten- und Freundeskreis wird kontaktiert und freundlich motiviert, sich bei einem Wettbewerb zu registrieren, um den Beitrag zu unterstützen.

Der Sieg in Wettbewerben mit einem einstufigen social-media Abstimmungsverfahren beruht selten auf den besonderen Qualitäten eingereichter Projekte, Texte, Fotos ... sondern meist auf der Fähigkeit zur Mobilisierung einer Anhängerschaft durch die einreichende Person. Für den Veranstalter eines beauty contests spielt das meist keine Rolle, weil es ihm eher um die Anzahl neu registrierter Personen als um die "Auszeichnung" einer besonderen Leistung geht. Insofern ist mir ein zweistufiges System mit einer Jury wesentlich lieber. Es hat für mich weniger mit Fairness zu tun, als vielmehr mit der "Qualität eines Wettbewerbs".

Rüdiger Eduard Böhle

Historisch relevante Ereignisse zu nennen, dürfte niemandem schwer fallen. Wäre „alea iacta est“ anders ausgefallen; wäre Salamis und Marathon, Pharsalos und Philippi, Tour/Portier und Canossa, Lepanto und Trafalgar, Waterloo und Sedan, Stalingrad … gegenteilig ausgegangen, sähe die Welt heute anders aus – politisch; mehr aber auch nicht! Die historischen Ereignisse bestätigten auch bei gegenteiligem Resultate die Priorität der Macht; allerdings – die Geschichte etwas weitergespannt bedacht – auch: Aus der Geschichte der Völker können wir lernen, daß die Völker aus ihrer Geschichte nicht gelernt haben! (natürlich hat Hegel es nicht ‚so‘ gesagt; faßt aber Hegel präzise!). Derart ‚historische Augenblicke‘ aus dem Arsenal der Politik spiegeln eine lange Tradition der Denkresistenz – bis heute, die Macht der Domination über Andere in der Werte-Hierarchie bis hin zur Sakralität zu sublimieren!
Aus dieser Perspektive ‚der ewigen Wiederkehr‘ her gelangt Jakob Burckhardt, der große Kultur-Historiker, in seiner Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Kultur, prägnant resümiert in seinen „Weltgeschichtliche(n) Betrachtungen“, zur Einsicht: „aus der Geschichte kann man nichts lernen. Aber wenn man sich mit ihr beschäftigt, macht sie weise für immer.“

Vor der Folie dieser Gedanken über Geschichte und Kultur bestimmt sich ein längst vergangenes Ereignis dann für das Bewußtsein relevant zu einem ‚historischen Augenblicke‘, wenn es ein Interesse weckt und dazu anstößt, mit dessen Sachverhalt sich auseinanderzusetzen – zum Zwecke der Erkenntnis, das Handeln und Verhalten des Menschen in kritischer Distanz, vorzüglich gegenüber sich selbst oder radikal, zu bedenken – wie ebenso sehr auch im Kriterium parenthetisch anderer historischer Ereignisse die eruierte Erkenntnis in concreto zu überprüfen.
Ein historischer Augenblick entspringt der Anstößigkeit eines Sachverhaltes für einen subjektiven Gusto zur Intention der Auseinandersetzung: inter-esse! Das Interesse wird durch einen Sachgehalt geweckt, die mentale Potenz eruiert die Interesse befriedigende Erkenntnis und terminiert diese zum Wissen, dem Arsenla brauchbarer Werkzeuge, um kontingent anfallende Dissonanzen lebenstauglich zu einer prosperierenden Zukunft aufzuheben.

Daher ‚ereignen‘ sich auch nicht historische Augenblicke, sondern ‚resultieren‘ der Arbeit des Geistes, an einem anstößigen, darum ein Interesse weckenden, Sachverhalt einen Erkenntnishorizont sich zu erschließen, worin die Bedeutung des Lebens im Handeln und Verhalten, Empfinden und Meinen, Denken und Erkennen des Menschen sich spiegelt: jede Gegenwart erzählt ihre Genesis in der Abfolge von den historischen Augenblicken und deren Verhältnisse zueinander, die gemäß der Bestimmtheit sich zur Einheit einer Bedeutung oder Begründung der Gegenwart schließen, die aktuell dem Bewußtsein selbstverständlich ist. Geschichte steht ebenso wenig fest wie Zukunft; beide sind erst im Resultat ‚fest-gestellt‘! [en passant: Partizip perfekt passiv!]

Dasein, spezifisch in der Gestalt des Menschen und seiner Gestaltung der Welt zur Welt des Menschen [en passant: doppelter Genitiv] ereignet sich en détail intentional konditioniert und zumeist auch einem mal mehr, mal weniger durchschauten Kontext involviert; in toto aber – in der Spannweite von Geschichte ab ovo bis Gegenwart – so mannigfach wie mannigfaltig in sich divergierend. Umgangssprachlich formuliert: chaotisch!

Historische Augenblicke oder spezifische „Zeitpunkte der Geschichte“ heben sich dadurch charakteristisch aus dem gleichgültigen Vorübergehen der Zeit heraus, daß eine wie auch immer geartete ‚Revolution der Denkungsart‘ (Kant) ein historisches Ereignis kennzeichnet und so besondert – entsprechend einem späteren, in kritischer Distanz den Sachgehalt bedenkenden und an ihm eine Erkenntnis sich eruierenden Bewußtsein. Das – zum Interesse angestoßene – Bewußtsein erschafft sich in der Erkenntnis ein vorrübergegangenes Ereignis zum Spiegel einer sublimen Bedeutung von Dasein und Mensch: eine spezifische Kulmination von Geschichte und Kultur in einem Augenblicke; wir könnten Solches auch „einen sinnlich vernehmbaren Begriff des Menschen“ nennen.

So etwa Gudea und dessen Gründung des frühesten Reiches in der Geschichte –aus der Einsicht in ein triviales Gerät und dessen elementare Bedeutung resultierte. Die elementare Einheit der Menschen zeigt sich in deren Anstrengung, die materiale Daseinswahrung zu leisten – in der Spannweite von Nahrung über Kleidung und Wohnung – und deren Sublimierung auf der Stufe der Sozialität zur Idee der Kultur. Das gemeine Werkzeug, die Intention der Daseinswahrung in concreto und effektiv einzulösen: die Hacke!
Dieses triviale Alltagswerkzeug sublimiert Gudea in einem Hymnus zum Begriffe für die Gleichheit der Menschen – und die Absurdität des Krieges, den ‚Normal-Zustand‘ der Sozialitäten seiner Zeit, „Stadt-Staaten“ genannt, untereinander. Darum auch ‚herrschte‘ Gudea nicht gleich einem absoluten Potentaten, der alles und jeden sich zu subsumieren trachtete, sondern beließ jede Sozialität für sich gewahrt in ihrem Selbstverständnisse und organisierte ihre alltäglichen Potenzen zur Prosperität eines Ganzen. Darum zeigen alle tradierten Bildnisse des Gudea ihn auch als Weisen im dafür geltenden Topos der Hocker-Statue mit gefalteten, und also gerade nicht zur Handlung bereiten, Händen.

Naja, ganz ohne Krieg klappt die Wahrung einer Sozialität, zumal einer materialiter prosperierenden, nicht so wirklich. Auch Gudea führte Kriege; das ‚Öffnen der Wege vom oberen zum unteren Meer‘ intendierte und leistete die materielle und finanzielle Vergewisserung der Sozialität im Reiche des Gudea. Doch dieser Wohlstand weckte in den ärmeren Region des geographischen Kontextes vehemente Begehrlichkeiten; ein Faktum, das wir aktuell ziemlich problematisch erfahren. Diese Problematik, daß eine materialiter bestens sich bewährende und effektiv funktionierende Sozialität sich wegen dieses Status selbst gefährdet und darum sich, so sehr Solches ihr auch von Grunde auf widerspricht, dagegen wappnen muß, wenn sie sich auf Dauer wahren können soll; – diese Problematik und ihre Logik erkannte Sargon spezifisch unter den geographischen Konditionen Mesopotamiens, eine weite, flache und darum zu militärischen Attacken bestens nutzbare Region – bis heute!

Im Anblicke dieser problematischen Kondition, eine Sozialität des Wohlstandes zu wahren, entwickelte Sargon, nicht umsonst „der Große“ tituliert, eine stringente Militärdoktrin: Nicht eine aufwendige, an der so steten wie sich steigernde Gefahr orientierte, Verteidigung aufbauen gegen mögliche Begehrlichkeiten und warten, bis die Begehrlichkeiten stark genug geworden sind, um Raubzüge unternehmen zu können, sondern präventiv Kriege gegen mögliche Begehrenden führen, wenn diese allein nur auf die Idee kommen, beim reichen Nachbarn sich etwas uneingeladener Weise anzueignen: Die Bestandswahrung einer Begehrlichkeiten weckenden Sozialität, erfordert die Strategie des Präventiv-Krieges!

Sargon erkannte, daß materialiter prosperierende Sozialitäten weniger von außen her gefährdet sind, sondern vielmehr sich selbst von innen heraus an Begehrliche zur Beute avisiert. Im Bewußtsein der Bevölkerung mutiert die Gewohnheit, subjektiv konnotierte Bedürfnisse bequem zu befriedigen, zum Selbstverständnisse eines Anspruches, den wir „Konsumgesellschaft“ nennen, und der lässigen Ablehnung einer Verantwortung des Einzelnen für die Wahrung seiner Sozialität. die Reflexionen des Sargon klingen, wenn wir einige akkadische Idiome in einem modernen Jargon ausdrücken, wie eine aktuelle sozio-psychologische Analyse unserer Gegenwart.

Seinen Erkenntnissen des Politischen wie des Gesellschaftlichen leiteten sein herrschaftliches Handeln und Verhalten, seinen Staat durchgängig ‚im Griffe zu haben‘ per Aufbau einer zentralen Reichsverwaltung: das historisch früheste zentral verwaltete Großreich! Die so rationale wie effektive Umsetzung der staatspolitischen Erkenntnisse gewähren Sargon die Installierung einer Dynastie in der politisch seit jeher volatilen Geographie. Die „Sargon-Dynastie“ bestimmt eine historische Epoche der Stabilität, wie Solches bis dato nicht vorstellbar war, und hypostasiert darum wohl auch ganz richtig Sargon zum Vorbild bis hin zu Assurbanipal und in die Epoche der ‚Weltstadt‘ Babylon.

Der günstige Umstand adäquater Kinder gewährte Sargon, eine Dynastie zu organisieren und in der Region zu vernetzen. Die Herrschaftsfolge in der männlichen Linie können wir als „normal“ bezeichnen; doch zeichnen sich seine Erben durch eine besondere, den Ahnherrn spiegelnde, mentale Potenz aus wie etwa sein Enkel Naram-Sin, der wegen seiner ‚theologischen Weisheit‘ schon zu seinen Regierungszeiten vergöttlicht wurde: Naram-Sin-Stele.

Ein besonderes Sujet der Weltgeschichte bestimmt die Tochter des Sargon, En-hedu-anna, deren exquisite Mentalität Sargon diplomatisch instrumentalisiert und sie zur Priesterin und Gemahlin des Mondgottes Nanna promoviert. Dieser, ins Göttliche transzendierte, Status gewährte Sargons Tochter eine ‚absolute‘ Souveränität, die sie mit großen literarischen Werken auf eine besondere Weise lebendig erfüllte: mit Hymnen auf Nanna. Unter dieser Ägide trägt sie ausführliche Reflexionen vor über bedeutende Ereignisse ihrer Zeit, über subtile Dissonanzen in Moral und Sittlichkeit, über Glauben und Religion. Herrschaftlich selbstbewußt zeichnet sie ihre Hymnen mit ihrem Namen samt Verweis auf ihre Herkunft, ihr Amt und ihre Würde – in einer Kartusche! En-hedu-anna, deren Schriften uns vollständig überliefert wurden, gilt uns heute als die bedeutendste Frauengestalt ihrer Kultur, ihrer Zeit, ihres Jahrtausends!

Diesen historisch bedeutend empfundenen und im Bedenken auch wohl begründeten Augenblicken der Weltgeschichte korrespondiert eine besondere, eine radikale oder terminologisch korrekte „Revolution der Denkungsart“: die Griechen.

So reflexiv die Denkweise auf der Stufe von Gudea und Sargon ihren Gegenstand, spezifisch den politisch-sozialen Alltag bis hin zu Staat und Herrschaft, analysieren und erkennen, so intendiert dieser Bewußtseinsstatus, die pragmatisch konnotierte Vorstellung von einem vergewisserten Status von Herrschaft, Staat und Sozialität zu gestalten und kontinuierlich gegenüber kontingenten bis virulenten Umständen zu wahren. Dieser Bewußtseinsstatus erörtert die Erfahrung im Horizont von Sozialität ganz pragmatisch zum Zwecke, den Sachgehalt von Staat und Herrschaft intentional in vergewissernde Regeln zu fassen. Der logische Ort dieses Bewußtseins und die ihm entsprechende Denkleistung: Weisheit. Weshalb wir derartige Erörterungen und Einsichten in der Rubrik „Weisheits-Literatur“ einordnen. [klassisch z.B.: AT; Sprüche Salomon, Kohelet, Hiob – im Disput mit den Freunden. Etwas subtiler bedacht: die Spruchsammlung des Ptah-hotep; er geht über die ‚erdgebundene‘ Weisheit insofern etwas hinaus, da im 2. Teil ein Sachgehalt auch von einer Meta-Ebene zur Weisheit her, dem Mythos, reflektiert wird, um vor der Folie dieses Horizontes die Weisheit nicht nur in der wandelbaren Erfahrung, sondern in der vergewisserten und darum auch vergewissernden Transzendenz zu begründen.]

Die erste Revolution der Denkungsart vollziehen die Griechen: das Bedenken eines Sachgehaltes in kritischer Distanz verweist das Denken im Anspruche, das Wahre zu erkennen, immer zugleich auf sich selbst, den Ursprung, zurück; dessen mythische Gestalt: Chaos / χάος (Hesiod; Theogonie, Vers 116). Dieses ‚besondere‘ Denken, das in seinem Bemühen, einen Sachgehalt und dabei zugleich sich selbst zu denken, um den Anspruch von wahr einzulösen; – dieses ‚besondere‘ Denken eröffnet einen unendlichen Horizont des Schöpferischen: den Ort der Musen, den Parnaß; die mythische Gestalt der Meta-Ebene oder des Ursprunges eines Sachgehaltes und dessen entsprechendes Denken. Der Panaß und die Musen sind der Ort, worin das Denken sich selbst in kritischer Distanz zu selbst denkt und den Ursprunges seiner selbst und des Gedachten, das wir äußerlich im Gegenstande sinnlich wahrnehmen, sich zur Sprache und zum Bewußtsein bringt und so, erkenntnisfundiert ‚auf den Begriff gebracht‘, der Potenz des Schöpferischen ein weites Feld eröffnet: „Dasselbe ist denken und sein“ (Parmenides)

Die alten Griechen, der Ursprung unserer Kultur, sind schon eine recht eigenartiges Völkchen. Wir wissen nicht näher, woher sie – in etwa ab 1600-1200 ac in diversen Wellten – in die Regionen einwanderten, denen sie später ihre Namen gaben. Wir kennen auch nicht ihre ‚ursprüngliche‘ Kultur: wir verfügen über keine Anhalte seitens irgendwelcher Artefakte, die uns anzeigten, welcher kulturelle oder mentale Status den einwandernden Stämme der Griechen von den Aiolier und Achaier über Dorer und Ionier eignete. Wohin sie einwanderten, brachten sie von sich her, so belegen es uns die Archäologie, keine eigenen kulturellen Güter mit, sondern übernahmen naiv dergleichen Dinge von den Kulturen vor Ort: die Formen der Keramik, der Plastik, der Dekoration … und veränderten unmittelbar, gleich einem Katarakt, deren Ästhetik – per Proportion!
In Parenthese:
Die historisch sensibel reihende Anordnung der Artefakte dieser Epoche im „von-Wagner-Museum“ in der Residenz in Würzburg läßt diese Differenz zwischen der lokalen Keramik-Dekoration und deren Proportionierung durch die Griechen plastisch unverkennbar vernehmen.
Wenn auch etwas später, doch typisch: Hermotimos erzählte, wie Lukian uns überliefert, daß Pheidias, dem eine Löwenkralle gezeigt wurde, aus diesem Detail berechnete, wie groß der ganze Löwe sein müsse; die Proportion, en détail an den Krallen abgelesen, spiegelt die Größe des Ganzen.
Wir rekonstruieren heute aus den Daten eines Fragmentes per Proportion ein Ganzes; etwa einen Tempel: aus dem Fragment einer Stylobatverblendung, Säule, Kannelure, Sima, Triglyphe, Metope …

Das Fundament, gegebene Sachverhalte sich anzueignen und zum Ausdrucke eines Eigenen zu gestalten: die Logik; dieses subtile Movens des Geistes, kontingent Gegebenes, das im alltäglichen Weltumgange in die Aufmerksamkeit fällt, auf die Meta-Stufe einer kritischen Distanz zu hypostasieren und so das trivial Alltägliche und Selbstverständliche zur Bedeutung zu sublimieren und so – in der Spannweite von Leben, wahr, wirklich und Mensch – auf den Begriff zu bringen!

Daher kann es – eigentlich – nicht verwundern, nicht erstaunen, daß die Griechen erkannten und lange vor Herodot wußten, daß die Menschen die Götter, nicht die Götter die Menschen erschaffen: „Homer und Hesiod“, so schreibt Herodot, dieses Selbstverständliche zum Wissen terminierend, „haben den Griechen ihre Götter geschaffen!“

Die Griechen, ein eigenartiges Völkchen; daher nicht nur ein besonderer, vielmehr ein sich besondernder Augenblick in der Geschichte der Menschheit.

Es sei Parmenides wiederholt: „Dasselbe ist denken/Denken und sein/Sein.“

Teresa Hüttepohl

Klasse, das ist doch mal wieder ein Thema für mich :)


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