wbg Schreibwettbewerb - Wissen teilen. Weiter denken.

Öffentliche Gruppe
  • Norbert KNOLL veröffentlichte einen Beitrag in der Gruppe wbg Schreibwettbewerb - Wissen teilen. Weiter denken.

    Wissen zur modernen Hölle
    Ein Kurzessay

    Wer von der Hölle spricht, will Unglaubliches zum Ausdruck bringen, uns einen lebensfeindlichen Ort vor das geistige Auge führen, an dem das Denken und Fühlen unentrinnbar Gefangener zur dauerhaft quälend wirksamen Wirklichkeit geworden ist. Damit wäre alles gesagt, was sich über die Hölle ohne weitschweifige Spekulation sagen lässt, gäbe es nicht unzählige Weisen des Leidens, welche Menschen für das Leben zu imaginieren imstande sind, und hätten sich nicht in diesen Vorstellungen wurzelnde, detailreiche Ausführungen zur Hölle in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt.

    Groß ist die Verlockung, einen in der Kunst verewigten mythischen Ort als Sinnbild der Hölle zu begreifen. Das von Daidalos für den Minotauros entworfene Labyrinth beispielsweise erfüllt alle Anforderungen einer modernen Hölle.

    Unterirdisch soll dieses Labyrinth gewesen sein, damit kein Lichtstrahl von Sonne und Mond einzudringen vermochte, Tag und Nacht ununterscheidbar ineinander verschmolzen. Ein einziger Weg – der längste geometrisch mögliche Weg – füllt den ganzen durch das Labyrinth umbauten Raum. Unzähligen Wendungen folgt der Gang von der äußeren Grenze zur Mitte, sodass mit dem Vordringen in die Tiefe unweigerlich ein vollkommener Verlust der Orientierung einhergehen muss.

    Welch geniale Hölle! Der Architekt Daidalos hat ein Bauwerk konstruiert, das sich vorzüglich dazu eignet, einen wie den Minotauros vor den Augen der Welt zu verstecken und in Isolationshaft zu nehmen, welche für den der Freiheit Beraubten mit Orientierungsverlust in Raum und Zeit sowie immerwährender Eintönigkeit einhergehen muss. Damit aber nicht genug: Die Konstruktion des Weges negiert zudem die Huldigungen des modernen Menschen an das Prokrustesbett der euklidischen Gerade, welche uns die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten anzeigt.

    Die Hölle ist und bleibt nicht mehr als ein von Menschen erfundenes Konstrukt, solange uns keiner begegnet, der diesen Ort aufgesucht hat und uns ernsthaft und wahrhaftig berichten wollte, wie er selbst in die Hölle hinabgestiegen oder in die Hölle geworfen worden ist, was er während seines Aufenthalts in der Hölle erlebt hat und wie es ihm letztlich gelang, diesen unheilvollen Ort wieder zu verlassen.
    Nur Mythen und religiöse Überlieferungen berufen sich auf Augenzeugen der Hölle wie den in den Tartaros hinabgestiegenen Herkules, zu dessen Mission es gehörte, den verloren geglaubten Theseus auf die Erde zurückzubringen, damit dieser nicht in Untätigkeit erstarrt vielmehr – wie es sich für einen richtigen Helden gehört – wirksam bliebe in der Welt der Menschen.

    Allein, welchen Wert hat das überlieferte Zeugnis eines Halbgotts, dessen Wirken in dieser einen Welt, in der wir selbst leben, nicht mehr und nicht weniger denn als willkommene Anregung für die Künste gilt, die ihr Publikum unterhalten und zum Staunen bringen wollen?

    Nein, Helden wie Herkules taugen nicht als Zeugen der Hölle, geben sie doch nur Zeugnis von menschlicher Vorstellungskraft und künstlerischer Ausdrucksfähigkeit, die weit über das Hier und Jetzt des gelebten Lebens hinausreichen – ja sich nicht selten zu jenen kollektiv geteilten Mythen verbinden, die uns modernen, eifrig forschenden Menschen als maßlose Übertreibungen erscheinen müssen, weil sich ein Mythos nicht auf dieselbe geistlose Weise beforschen lässt wie die Tiefen des Meeres und die Weiten des Weltalls.

    Wollen wir mehr über die Hölle in Erfahrung bringen, ohne gleich ausschweifend spekulativ zu werden, so müssen wir in einem ersten Schritt in uns selbst hineinhorchen. Wenn es sich bei der Hölle tatsächlich um einen Ort übersteigerten unerträglichen und dauerhaften Leidens handeln sollte, dann kommen allerlei selbst erlebte Leiden als anschauliche Vorbilder für Höllenqualen in Frage:

    Hunger und Durst, Hitze und Kälte, Lärm und Stille, Schmerz und Erschöpfung, Isolation und Sprachlosigkeit, unstillbare Sehnsüchte und unerfüllbare Anforderungen, Verlust der Freiheit oder der Wirksamkeit in der Welt, ja und weiß der Teufel, was es da sonst noch gibt, das in richtiger Dosierung als Folterinstrument taugt und dessen Anwendung Folterknechte und Gefolterte auf je eigene Weise ihrer Menschenwürde beraubt. Hölle – feinste Zutaten der Hölle, wenn sie nur ohne Aussicht auf Linderung in einem von uns unbeeinflussbaren Rhythmus wiederkehren oder anhalten!

    Wollen wir noch mehr über die Hölle erfahren, so müssen wir aus uns heraustreten und uns gedanklich in den Lebens- und Vorstellungswelten jener einnisten, die uns glauben machen wollen, Experten der Hölle mit einem privilegierten Zugang zu unserem Alltagswissen überlegenen Quellen zu sein.

    Solcherlei Experten braucht es, um das Konstrukt der Hölle auf die Welt zu bringen und ihr Feuer auch in Zukunft zu nähren. Solcherlei Experten finden sich – entgegen eines weit verbreiteten Irrglaubens – auch heutzutage recht häufig, wenngleich sie darauf verzichten, in einfachen Mönchskutten oder prachtvoll verzierten Priestergewändern aufzutreten, sodass wir nicht in der Lage sind, sie an ihrer Kleidung zu erkennen.

    Die modernen Expertinnen und Experten der Hölle verraten sich einzig durch ihre Rede, die in einem Amalgam von Verheißungen, Mahnungen und Drohungen Unglaubliches zum Ausdruck bringt und darauf abzielt, uns eine Entscheidung zwischen Himmel und Hölle abzuringen.

    Auch bieten sie uns ihren Schutz und ihre besondere Fürsprache an, um – nachgerade selbstlos – die unserer eigenen Unmündigkeit geschuldeten Schwächen auszugleichen; jenen aus guter, alter christlicher Tradition überlieferten Teufeln ähneln sie, wenn sie nur geringen Lohn für ihre Leistung nehmen, sich mit Kleingeld oder einem unbedachten Zeichen der Zustimmung auf einem blütenweißen Blatt Papier – das uns nicht den Eindruck eines Schuldscheins macht – zufriedengeben.

  • Norbert KNOLL veröffentlichte einen Beitrag in der Gruppe wbg Schreibwettbewerb - Wissen teilen. Weiter denken.

    Hallo,
    zufällig habe ich die wbg-Seite gefunden und einen Kommentar zu "Utopie" abgegeben. Da ist mir dann auch aufgefallen, dass es einen Schreibwettbewerb zum Thema "Wissen" gibt und ich hab mich an einen vor einiger Zeit geschriebenen Kurzessay erinnert, in dem ich "Erkenntnisse über die Hölle" und die Möglichkeit ein Wissen über die Hölle zu gewinnen thematisiere. Vielleicht gefällt er euch ja.

    Als Bild anbei findet ihr ein vom Fotoamateur Hans Luttinger angefertigtes Luftbild meines Heckenlabyrinth, das ca. 50km nördlich von Salzburg frei besuchbar ist. Es läuft unter dem Namen "Mattigtaler Heckenlabyrinth der Menschenrechte (MHM)", weil es dem Ersten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 gewidmet ist.

  • Rüdiger Eduard Böhle veröffentlichte einen Beitrag in der Gruppe wbg Schreibwettbewerb - Wissen teilen. Weiter denken.

    #####Wissen (mit-)teilen / Wissen weiter denken
    Mit dem Wissen ist das so eine Sache: „im Prinzip: bestens! – Aber … wehe, wehe, wenn ich auf ein besonderes Wissen und dessen Anwendungen sehe!“
    Einerseits bekundet Wagner: „zwar weiß ich viel, doch möchte ich alles wissen!“ Andererseits kommentiert Faust – etwas pathetisch von oben herab und höflicher Weise auch nur für sich – dieses Bekenntnis zum Wissen: „Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet, / Der immerfort an schalem Zeuge klebt, / Mit gierger Hand nach Schätzen gräbt / Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!“ Und doch: „dem ärmlichsten von allen Erdensöhnen“, gelingt, einen Homunkulus zu ‚er-zeugen‘, der, kontradiktorisch zu Faust, seine schützende Hülle am Wagen der Galatea zerschellen wird und dieser Weise, am Ende der klassischen Walpurgis-Nacht gleichsam ‚sinngebend‘, das Weltall erotisch in Brand setzen: „Und ringsum ist alles vom Feuer umronnen; / So herrsche denn Eros, der alles begonnen!“
    Und dann geistert da ja auch noch Francis Bacon virulent mit seinem moralischen Skandalon, „scientia podestas est“!, durch das abendländische Selbstverständnis von Metaphysik und dem Anspruch von ‚höheren Werten‘.
    Also erst einmal ‚Grund-legend‘: etymologisch repräsentiert das Wort „Wissen“ die Substantivierung eines Partizip perfekt passiv: ich habe gesehen. Weil ich gesehen habe, wie’s geht, darum weiß ich, wie’s geht und kann, wohl begründet, handeln, um meine Intention effektiv einzulösen: eine Gegenwart, an der ein gewisser Mangel sich zeigte, auf eine gesteigerte Zukunft hin zu bewirken, indem der gegenwärtige Mangel wissender Weise, und also förderlich, aufgehoben wird. Wissen zeigt sich so, ein taugliches Mittel oder Instrument zu Zwecken zu sein. Aktuell: Corona und das Wissen der Vakzine!
    #####Das Wissen
    Wissen entspringt der empfindungskonditionierten Erfahrung, daß die gegebene Welt mannigfach dem Menschen nicht behagt und sein Leben nicht effektiv hinreichend gewährt: die Welt zeigt sich mal mehr, mal weniger als eine Anstößigkeit, die einfordert, eine Aufhebung der erfahrenen Dissonanzen zu leisten. Die gegebene Welt stößt das Bewußtsein zur Intention an, den sinnlich wahrgenommenen Mangel effektiv und ‚Grund-legend‘, und also ‚für alle Zukunft‘, aufzuheben.
    Wissen, und also das Mittel zum Zwecke, leistet die Arbeit des Geistes, die wir gemeinhin „Erkenntnis“ nennen: sie spiegelt die Intention, die gegenwärtig gegebene Welt in toto wie en détail auf eine gesteigerte, das Leben überhaupt und das Leben des Menschen im Besonderen auf eine vergewisserndere Zukunft hin zu gestalten. Wissen stellt daher Mittel zu Zwecken zur Verfügung; ein Arsenal an Werkzeugen zum Zwecke der Weltgestaltung auf eine Welt des Menschen hin: doppelter Genitiv!
    Wie jedes Werkzeug immer nur einen Potentialhorizont avisiert, dessen Fortgange von der Potenz zum Akt eines Anderen, Äußerlichen, Fremden bedarf, so auch das Werkzeug „Wissen“: des Menschen und dessen Autonomie, Zwecke zu setzen. Ganz richtig sagen wir daher: der Zweck heiligt die Mittel! Wer einen Zweck will, muß – innerlogisch stringent – auch die Mittel wollen, die zum Zwecke taugen, und muß die tauglichen Mittel zweckmäßig anwenden, um den Zweck effektiv zu erfüllen.
    Wie ein Werkzeug ‚sinn- und zwecklos‘ herumliegt, wenn es zu keiner Intention taugt, zu keiner Intentionseinlösung angewandt wird, so auch das spezifische Werkzeug „Wissen“. Die Logik des Werkzeuges: Keinem Werkzeug, auch nicht dem spezifische Werkzeug „Wissen“, eignet Autonomie; sondern bedarf eines Anwenders, um zu dessen Zwecken zu wirken oder ‚wirklich‘ zu werden!
    Conditio sine qua non des Werkzeuges, Setzer eines Zweckes und Anwender des tauglichen Mittels zum Zwecke, terminiert – für die Moral – dessen Ambivalenz und Problematik. Die Logik der Sache offenbart ein kontradiktorisch Anderes.
    #####Wissen (mit-)teilen
    Wie jedes Resultat der Arbeit des Geistes genügt auch das Wissen nicht sich selbst, sondern vollendet sich dann und nur dann, wenn es sich ‚allgemein offenbart‘; und also das wissende Bewußtsein sich dem Bewußtsein überhaupt mitteilt – um eine Antwort zu evozieren, die primär das Wissen, in kritischer Distanz bedacht, bestätigt wie auch verwirft, fundamental aber das wissende Bewußtsein über sich selbst auf eine Weise hinaustreibt, wie es Solches gerade nicht in sich entwickeln konnte. Dem anderen Geiste sich mitzuteilen spiegelt, umgangssprachlich formuliert: das ganz egoistische Vorteilsstreben des sich mitteilenden Geistes, an dieser Stelle für sich selbst nicht weiterzukommen und darum an einen Anderen das Wort zu richten oder einem Anderen sich mitzuteilen und so eine Antwort (anti-Wort) zu evozieren, um die eigene und expressis verbis geäußerte Grenze seines aktuellen Denkvermögens per Anstoß seitens des anderen Geistes zu transzendieren, und also für sich selbst in der Sache ‚weiter zu kommen‘!
    Auf das Spezifikum „Wissen“ bezogen, evoziert, Wissen mitzuteilen, die Reflexion seiner selbst sowohl des sich mitteilenden wie des angesprochenen Bewußtseins und fordert diese in den Ausweis ihrer Autonomie. (Nur die Blödigkeit beharrt auf ihrem mentalen Minimalstatus und behauptet diesen als allem Anderen überlegene absolute Position.) Wissen erhält daher per Mitteilung keinen Wert, schon gar nicht „einen viel größeren Wert“, sondern wird dem Bewußtsein überhaupt und seinem Ursprunge, der Arbeit des Geistes, entsprechend zu dem, was es an und für sich ist: ein allgemein verfügbares mentales Mittel zum Zwecke der Weltgestaltung im Anspruche, das Leben des Menschen gesteigerter Weise zu vergewissern.
    Auf der Stufe der Logik des Wissens – nicht auf der Stufe der Moral – resultiert, das Wissen an Andere mitzuteilen, in die gesteigerte Potenz des Bewußtseins überhaupt und des interessierten Bewußtseins im Besonderen, Intentionshorizonte zu eröffnen, die bis dato gar nicht im Fokus stehen konnten, vielleicht in der Phantasie irgendwie ‚erwünscht‘ waren, nicht aber in concreto auch einlösbar. Wissen eröffnet wie jedes Werkzeug innerlogisch notwendig dem Bewußtsein charakteristische, sachlich präzis terminierte Intentionshorizonte der Weltgestaltung und die Gewähr, diese auch so adäquat wie effektiv einzulösen: wohl fundiert in der Erkenntnis eine bessere, eine so lebenstauglich wie lebensvergewissernd gesteigerte Zukunft zu bewirken.
    Auf der Stufe des Begriffes, das Wissen intentional an der Welt zu eruieren und in concreto zu instrumentalisieren, resultiert alles Wissen stringent in die kritische Distanz gegenüber sich selbst, den eigenen Intentionen, dem eigenen Handeln und Verhalten zum Zwecke der Weltgestaltung überhaupt – und also zur Verantwortung: wie alle Arbeit des Geistes – wenn Moral seitens des Bewußtseins ins Schweigen verortet wurde!
    Bacon expliziert hinreichend die Logik des Wissens und dessen Vollendung in der Verantwortung; die sich konkret in der Sprache, dem Ort des Geistes und der Ursprung des Menschen, offenbart. In der Sprache, diese subtile Einladung zum Verstehen durch Mit-Denken [Humboldt; Sprache und Denken], teilen die Menschen sich einander mit [„ein Gespräch wir sind / und hören voneinander!“ (Hölderlin; Friedensfeier)]. Die Arbeit des Geistes, das Wahre zu erkennen und im Wissen zur Macht der Weltgestaltung – zum Zwecke der Vergewisserung des Menschen und seines Daseins in der Spannweite von trivial bis Kultur – zu terminieren, bringt den Menschen an und für sich oder auf der Stufe seines Begriffes sich zum Bewußtsein: Zweck an sich selbst. [Kant; GMS / KpV]
    Umgangssprachlich salopp: eigentlich ganz einfach oder trivial!
    #####Ein Blick in die Realität
    Wissen, das nicht gemeinhin mitgeteilt wird, wird für sich selbst schal. Wissen, das nicht seitens des Wissenden an Andere mitgeteilt, sondern im Verschweigen verortet wird, mutiert an sich selbst und innerlogisch stringent zur contradictio in se; konkret: zur Waffe. Das hermetische Wissen muß als Mittel zum Zwecke der Dominanz über Andere introvertiert sich selbst befriedigen und seine Potenzen, Lebenshorizonte zu eröffnen, zu gestalten und zu vergewissern, bis hin zur Nichtigkeit – in Anlehnung an Heidegger formuliert: bis hin zum Nichtenden – ruinieren: contradictio in se!
    Doch schon die oberflächliche Beobachtung der Realität – ab ovo ad dato – erzählt in epischer Breite vom gemeinen Selbstverständnisse dieser Pervertierung des Wissens! „Wissen ist Macht“ resultiert, innerlogisch stringent, zur Verantwortung, eine zur Gegenwart gesteigerte, lebenstauglichere Welt zu gestalten, und also zu einer Welt der gesteigerten Vergewisserung des Menschen und seines Daseins – in toto wie ebenso en détail. Ebenso innerlogisch stringent resultiert die Pervertierung von „Wissens ist Macht“ zur effektiven Domination über den Menschen und zur effektiven Vermeidung von Verantwortung: nicht „Wissen ‚ist‘ Macht“, sondern „Wissen ist Mittel zum Zwecke der Macht!“ Ein subtiler Unterschied!
    Zur Perversion des Wissens gehören neben den subjektiv konnotierten Handlungs- und Verhaltensweisen wie etwa Verleumdung, Intrige, Mobbing … die geschäftlich konnotierte Intention der Domination wie etwa Datensammlungen zum Zwecke der Manipulation und der Überwachung, und also die Inszenierung von Zwang. – Vor der Folie der Gegenwart und der intendierten Instrumentalisierung des Wissens zum Zwecke der Domination zeigen „1984“ und „Brave new World“ geradezu harmlose bis naive Idyllen.
    Und so stellt sich die Frage: Wer pervertiert die Logik des Wissens, die sich in der Verantwortung vollendet, zur Perversion der Daten-Kraken zum Zwecke der Manipulation, Überwachung, Lüge, Spionage, Schädigung … bis hin zum Terror?
    Die Pervertierung des Wissens von der Verantwortung vor dem Menschen zur Vorteile auf Kosten Anderer gewährenden Verantwortungslosigkeit, die wir besser „Menschenverachtung“ nennen, fundiert die Moral – bis hin zur Stufe der Sittlichkeit: Der – werte-konditionierte – Wille zur Domination in allen ihren Schattierungen! Wobei die harmlosen und als Anleitung zur Lebenstauglichkeit auftretende Fundierungen dieses Bewußtseinsstatus in der Gestalt der Weisheitssprüche auftreten: Bei Zeiten krümmt sich, was ein Haken werden will! Nach oben buckeln, nach unten treten! Eine Hand wäscht die andere! Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Hast Du was, bist Du was! …
    Rüdiger E. Böhle